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Jahres-Archiv: 2018 − Reiseblog


Caleta Profundo – Isla Hose, 20. März 2018

1520 entdeckte Magellan auf seiner berühmten Reise, die zur ersten Weltumseglung überhaupt werden sollte, die Magellanstraße. Ein wesentlicher Vorteil für uns: Wir wissen, dass es sie gibt und wo sie ist und können uns daher ganz unkompliziert an der Passage des westlichen Teils erfreuen, was wir auch gerne tun, bevor es dort in den nächsten Tagen wieder windiger wird.

Caleta Profundo - Isla Hose

Eine weitere herrlich ruhige und einsame Bucht und: Sonne!

Nach etwa 30 Stunden Fahrt – also durch die Nacht hindurch – erreichten wir dann gestern Abend den Canal Smyth nördlich der Magellanstraße. Damit haben wir Feuerland hinter uns gelassen und sind nun in Patagonien (abzüglich Feuerland, je nachdem, wie man sich das so definiert). Mit dem letzten Tageslicht ging es wieder in eine dieser herrlichen Caletas, diese kleinen, feinen, gut geschützten Ankerbuchten, einst von Gletschern aus dem Fels geschnitzt, damit Segler es sich darin gemütlich machen können. Es ist immer ein wenig Krabbelei an den steilen, rutschigen Ufern, um die Uferleinen an knorrigen Bäumen zu befestigen, aber umso sicherer liegt das Boot dann (wobei wir trotzdem meistens eine Ankerwache haben).

Heute früh haben wir uns ein wenig umgeschaut, und dabei hat sich sage und schreibe die Sonne mal wieder die Ehre gegeben! Es ist ja nicht gerade ein Sonnenscheinland hier, schön bei fast jedem Wetter, aber dennoch ist es natürlich besonders schön, wenn die Sonne das Land in all seiner Pracht leuchten lässt. Der üppige Wald schillert in allen möglichen Grüntönen, das Wasser, der Himmel, die Wolken … zum Atem Anhalten schön. Inseln, Buchten, schmale Kanäle. Ein Patagonischer Eisvogel präsentiert sich, als würde er dafür bezahlt (Ringed Kingfisher auf Englisch, Kingfisher ist der Eisvogel. Megaceryle torquata und zu deutsch Rotbrustfischer, wer es genau wissen will. Ein Weibchen).

Rotbrustfischer

Fototermin mit einem Patagonischen Eisvogel, dem Rotbrustfischer

Später auf der Isla Hose haben wir noch Gelegenheit, durch die Botanik und auf die Hügel zu krabbeln, uns dabei etwas auszutoben und weitere schöne Aussichten zu genießen und jetzt freuen wir uns auf eine weitere, gemütlich-ruhige Nacht in einer netten Caleta, während sich draußen ein Sturm zusammenbrauen soll. Was uns hier drin nicht weiter stören sollte.

Galerie – Caleta Profundo – Isla Hose, 20. März 2018

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Puerto King – 18. März 2018

Nach vielen ziemlich windigen und nassen Meilen erreichten wir gestern Puerto King. Dem Namen nach stellt man sich darunter einen königlichen Hafen vor, zumindest ein Fischerdorf, vielleicht mit einer netten Hafenkneipe … aber nein, es ist viel besser: Ein winziger, wunderschöner Naturhafen, genau unsere Kragenweite. Von drei Seiten von dichtem Urwald umgeben kann man da prima Uferleinen legen und das Schiff liegt bombensicher. Keine Ankerwache! Gute Sache, da sind sich alle einig.

Puerto King

Ein Spaziergang durch den dichten Regenwald wird zur spaßig-nassen Rutschpartie

Der Regen hält auch am nächsten Tag an, aber uns nicht ab, etwas loszuziehen und die Gegend zu erkunden. Nach dem vielen Regen der letzten Tage ist die Landschaft aufgesogen wie ein Schwamm: egal wo man hintritt oder -greift, überall quatscht und spritzt es. Hier darf man nicht wasserscheu sein, im Gegenteil sollte man die kindliche Freude am Wasser wieder entdecken, dann macht es Spaß! Dichter patagonischer Regenwald in Ufernähe, Stämme und Äste stehen und liegen überall, komplett mit Moos und Flechten bewachsen. Ein Chaos, kaum zu durchdringen.

Ein paar Meter oben weicht der Wald einer offeneren Landschaft aus von Bächen durchzogenen Feuchtwiesen und felsigen Hügeln. Die Felshügel sind teilweise steil und rutschig und die Bäche nach dem Regen kräftig angeschwollen. Man muss sich seinen Weg schon suchen, gar nicht immer so einfach.

Pampasfuchs

Deutlich größer als unser Rotfuchs: der Pampasfuchs Lycalopex gymnocercus

Am Ufer angekommen, folgt uns sogar ein neugieriger patagonischer Fuchs noch für ein paar Meter! Erstaunlich groß sind sie, diese Graufüchse, viel größer als die bekannten „normalen“ Rotfüchse oder sogar die Eisfüchse weit im Norden. Da meint man zunächst für einen Moment, einen entlaufenden Schäferhund vor sich zu haben. Dabei ist der Graufuchs noch der kleinere von zwei hier vorkommenden Arten! Ob der Zorro gris (Lycalopex gymnocercus) wirklich Graufuchs heißt, wissen wir nicht, wir haben einfach den spanischen Namen übersetzt und meinen, damit für den Moment gut leben zu können.

Galerie – Puerto King – 18. März 2018

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(Anmerkung der Lektorin: Lycalopex gymnocercus trägt den deutschen Namen Pampasfuchs 😉 )

Canal Ballenero bis Caleta Macias – 16. März 2018

Der Canal Ballenero, der Walfänger-Sund, steht nur stellvertretend für eine von vielen Wasserstraßen, durch die es heute ging. Canal O’Brien, Bahia Desolada … you name it. Ebenso unbekannte wie abenteuerlich klingende Namen.

Heute hieß es Meilen machen. Die Fahrt ist zwar 25 Tage lang, aber wir haben auch über 2000 Meilen zurückzulegen. Die ganze Zeit umgeben von schöner Landschaft. Das patagonische Wetter wurde seinem Ruf, nass und windig zu sein, über weite Strecken gerecht, aber es gab auch die schönen Momente mit Sonnenstrahlen und blauem Himmel in einer Landschaft, die einen gedanklich wahlweise nach Norwegen oder Grönland versetzt, ohne aber damit wirklich austauschbar zu sein – irgendwie ist und bleibt sie was eigenes.

Canal Ballenero

Lichtspiele in Patagoniens Fjorden

Wieder einmal fällt der Anker in einer schönen Caleta, einem kleinen Naturhafen, bei deren Planung die Natur wohl schon an Segelschiffchen gedacht hatte. Die Uferleinen werden an ein paar windgepeitschten Bäumchen befestigt, und so haben wir trotz stürmischem Wind eine ruhige Nacht.

Cala Ballenero

Schutz vor dem Wind in einer der vielen Caletas (Caleta=Naturhafen) Patagoniens

Galerie – Canal Ballenero bis Caleta Macias – 16. März 2018

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Caleta Beaulieu – 15. März 2018

Über Nacht hatte es wieder etwas aufgeklart. Ruhig und trocken war es heute früh, und das erste, was sich uns draußen bot, waren tolle Spiegelbilder auf dem ruhig um uns liegenden Fjord. Die Wolken hatten sich gehoben und den Blick auf die Cordillera Darwin freigegeben: eine schroffe, hochalpine Bergwelt, stark vergletschert, von der sich ein mächtiger Gletscherarm den Fjord herabwälzte.

Um den sollte es heute gehen.

Gletscherarm der Cordillera Darwin

Näher dran geht nicht: Gletscherarm der chilenischen Bergkette Cordillera Darwin

Eine etwas längere Zodiacfahrt brachte uns zum felshügeligen Ufer auf der Westseite des Gletschers. Welches übrigens schon ohne Gletscher einen Besuch wert gewesen wäre. Bucklig-glatt geschliffener Gneis, von zerscherten Basaltbändern durchsetzt. Das ist was fürs Auge!

Umso mehr der Gletscher selbst. Eine beeindruckende Abbruchkante und dahinter ein Gewirr aus Spalten und Türmen aus Eis, eingerahmt in der Höhe von einem wilden Alpenpanorama. Und darunter von – Wald! Das ist für mich doch sehr ungewöhnlich: entweder Gletscher oder Wald, man muss sich entscheiden. Hier aber kann man beides zusammen haben. Tatsächlich ist der Gletscher offensichtlich sogar in jüngerer Vergangenheit in den Wald hinein vorgestoßen; das Eis hat am Rand Felsblöcke vor sich hergeschoben, unter denen struppige Buchen liegen. Ja, das gibt es auch noch: vorstoßende Gletscher. Schade, dass es davon nicht mehr gibt.

Caleta Beaulieu

Wald neben dem Gletscher – ein ungewohnter Anblick

Viel musste man gar nicht machen, man musste sich nur ein schönes Plätzchen suchen – davon gab es eine Menge – und den Blick auf den Gletscher richten. Ein ständiges Krachen, Rumpeln und Donnern, der Gletscher arbeitet permanent und immer wieder brechen Stücke ab und fallen ins Wasser. Sehr aktiv!

Ja, so gingen die Stunden schnell herum!

Nach einer kleinen Pause an Bord haben wir die schöne, kleine Tour von gestern noch mal gemacht. Weil sie so schön war. Und ohne Regen ist sie nicht schlechter.

Caleta Beaulieu

Spalten und Türme aus Eis und Fels in der Caleta Beaulieu

Galerie – Caleta Beaulieu – 15. März 2018

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Brazo Noroeste – 14. März 2018

Nach dem sonnig-stillen Tag kam das heutige Wetter patagonischen Realitäten doch deutlich näher: Wind und Regen, und zwar reichlich von beidem. Da war eine Stunde morgens erst mal genug, um sich die Füße zu vertreten. Strand, Wald, Feuchtwiese, Hügel, windgepeitschte Bäumchen, Blick auf Caleta.

Brazo Noroeste heißt nordwestlicher Arm, und gemeint ist der nordwestliche Arm des Beagle-Kanals, der sich hier verzweigt. Die Berge zu beiden Seiten des Sunds sind von früheren, mächtigen Vereisungen rundgeschliffen. Das Inlandeis der Darwin Cordillere, durch die wir jetzt fahren, schickt immer noch seine eisigen Arme an einigen Stellen zum Wasser herab. Nur waren die Blicke darauf etwas eingeschränkt durch das Grau von Wolken und Regen. Patagonische Normalität. Oder feuerländische Normalität, müsste man wohl sagen; Patagonien beginnt eigentlich erst nördlich der Magellanstraße.

In der Caleta Beaulieu fällt am späteren Nachmittag der Anker hinter einer felsigen, bewaldeten Halbinsel, die gut vor jeglichem Wind schützt. Trotz des immer noch strömenden Regens machen wir uns zu einer kleinen Tour auf, den Berghang hoch – und fühlen uns gleich wie Indiana Jones bei der Arbeit. Der Wald ist so dicht, dass es mühsam ist, sich hier durchzuzwängen. Und das Wasser spritzt aus allen Richtungen gleichzeitig. Herrlich! Man muss sich nur von dem Gedanken lösen, Natur wäre nur mit blauem Himmel darüber schön. Ist aber nicht so. Sie ist immer schön.

Galerie – Brazo Noroeste – 14. März 2018

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Und trotz Wolken und Regen haben wir einen fetten Blick über den Fjord mit Gletscher. Hammer!

Brazo Noroeste

Trotz strömenden Regens: Ein toller Blick auf die Anne-Margaretha und den Gletscher

Beagle-Kanal – 13. März 2018

„Beagle-Kanal“ war schon öfter die Überschrift in diesem Blog. Bislang hieß das immer: Von Ushuaia zur Drake-Passage oder umgekehrt. Dieses Mal lief es anders.

Wie oft habe ich von Ushuaia nach Westen geschaut, die beeindruckenden Berge dort gesehen und nie ging es dorthin. Heute aber!

Bergkulisse im Beagle-Kanal

Bergkulisse im Beagle-Kanal

Zunächst Start in Puerto Williams. Auf den ersten Meilen gab es zahlreiche Schwarzbrauenalbatrosse und Kormorane, sogar ein paar Delfine ließen sich blicken. Vor Ushuaia begann schließlich die Sonne zu scheinen, und wie zum Abschied von bekannten Gewässern winkte uns noch ein Buckelwal mit der Fluke zu!

Der Rest des Tages? Ein landschaftlicher Traum aus Himmel und Meer, Inseln und Fjorden. Berge und Wolken spiegelten sich auf dem Wasser. Neue Inseln, neue Blicke, Meile für Meile. Zum Träumen schön.

Zu später Stunde fiel der Anker in der Caleta Olla (als Caleta bezeichnet man hier diese kleinen, süßen Ankerbuchten). Patagonischer Sternenhimmel, ohne jedes künstliche Licht in der Umgebung! Milchstraße, Magellansche Wolke, Kreuz des Südens. So schön, dass wir extra im Dunkeln noch mal an Land gefahren sind, um das Stativ aufzustellen. Tja, erstaunlich, wie schnell hier doch die Wolken aufziehen können … egal, trotzdem eine schönes Ende für einen schönen Tag.

Beagle-Kanal, Caleta Olla

Abendstimmung in der Caleta Olla

Buckelwal im Beagle-Kanal

Buckelwal im Beagle-Kanal

Galerie – Beagle-Kanal – 13. März 2018

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Puerto Williams – 12. März 2018

Puerto Williams! Ich bin sicher schon über 80 Mal an Puerto Williams vorbeigefahren. Aber noch nie an Land. Zeit, dass sich das ändert! Der Ort ist vor allem ein 1953 gegründeter Marinestützpunkt und als solcher architektonisch jetzt nicht unbedingt eine Attraktion von Weltrang, aber mittlerweile hat sich auch ein wenig zivile Siedlung drumherum entwickelt, und überhaupt nimmt Puerto Williams ja für sich in Anspruch, die südlichste Stadt der Welt zu sein!

Galerie – Puerto Williams – 12. März 2018

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Das kann man sicher diskutieren und das Ergebnis wird vor allem davon abhängig sein, wie man „Stadt“ definiert. Bei Puerto Williams müsste man schon recht großzügig sein, um eine wie auch immer geartete Definition dieses Begriffes erfüllt zu sehen. Immerhin, es gibt ein paar Läden und kleine Restaurants (mindestens eines davon ist richtig gut, soviel wissen wir jetzt!), den Bug der Yelcho (das Schiff, mit dem Shackletons Leute von Elephant Island abgeholt wurden), einen Geldautomaten und ein äußerst charmantes Vereinshaus vom Yachtclub, auf einem auf Grund liegenden Schiff. Sehr schick!

Wir haben zunächst einmal eine „bürokratische Stadtführung“ gemacht. Das ist touristisch sicher eine eher ungewöhnliche Herangehensweise an einen neuen Ort und es ist auch nicht spannender, als es sich anhört. Aber wir mussten Schiff und Menschen offiziell nach Chile einreisen lassen und das ist mit einer ganze Menge Papierkram verbunden, verteilt auf verschiedene Adressen im Ort. Aber der ist ja nicht so groß.

Puerto Williams umgeben von dichten, düsteren patagonischen Bergregenwäldern. Malerisch! Ob es da auch Ents gibt? Ich bin geneigt, es zu glauben 🙂

Ushuaia – 11. März 2018

Die Bilder mögen dem einen oder der anderen bekannt vorkommen. Kein Zufall, denn genau hier ging vor vier Wochen die Antarktis-Fahrt zu Ende, und wir haben uns hier von der Anne-Margaretha und ihrer Mannschaft verabschiedet. Und nun dürfen wir hier wieder an Bord! Same place … aber ansonsten wird hier gar nichts „the same“ sein. Nur die ersten Schritte entsprechen der Antarktis-Fahrt, der offizielle Abschied in Ushuaia, Pässe stempeln und so, das abendliche Auslaufen, Kurs nach Osten durch den Beagle-Kanal, aber dann … in ein paar Stunden werden wir in Puerto Williams anlegen, und das wird unsere südlichste Position! Danach wird es nach Norden gehen, durch die spannenden, wunderschönen Fjorde und Wasserstraßen von Südchile. Neues Land, neue Routen, neue Orte! Geil! Äh … doch, so kann man das sagen, das ist absolut angemessen. Wir sind gespannt!

Galerie – Ushuaia – 11. März 2018

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Selbst die Chile- und Patagonien-Veteranen an Bord sind gespannt. Das ist so eine abgelegene, unzugängliche Gegend, dort sind viel weniger Menschen unterwegs als in der Antarktis. Auf weiter Strecke wird es menschenleer und einsam sein, wild und schön. Patagonien, das bedeutet für die meisten Torres del Paine, Perito Moreno und so. Klar, das sind die bekannten Aushängeschilder, ohne Frage sehr beeindruckende Orte, aber was vor uns liegt, ist auf ganz andere Art kein Stück weniger schön und beeindruckend. Aber eben menschenleer! Unbekanntes Land, zu dem es keine Reiseführer gibt, wo fast niemand unterwegs ist.

Leinen los!

Harberton – 07. Februar 2018

Da hat das so langersehnte Land uns doch gleich noch mal einen Streich gespielt. Der Gesang des Windes um die Masten war uns schon so vertraut, dass ich die warme Koje früh am morgen gar nicht verlassen musste, um zu wissen, was Sache war. Wind, Wind, Wind. Wir hatten seit Mitternacht in der Bucht vor der Estancia Harberton vor Anker gelegen und uns natürlich auf einen ausgiebigen Ausflug an Land gefreut.

Aber – macht nichts, es gab ein Hintertürchen, dass sich sogar als die bessere Variante herausstellte. Wir sind erst mal nach Ushuaia gedampft, die letzten Meilen dieser Fahrt auf der Anne-Margaretha, den offiziellen Teil (Papierkram) erledigt, festen Boden unter den Schuhen (keine Gummistiefel) gespürt und uns einen gemütlichen Abend gemacht. Und am nächsten Tag haben wir uns in zwei Mietautos gesetzt und sind eben so nach Harberton getourt. Geht auch! Und es hatte den großen Vorteil, dass wir auf der gut 90 Kilometer langen Strecke natürlich nach Lust und Laune schöne Stops machen konnten. Die terrafueginisch-patagonische Landschaft, die kann wirklich etwas! Berge, weite Täler, moorige Feuchtgebiete, wilde Flüsse, und … Bäume! Ja, die gibt es auch noch. Hatten wir nach 3 Wochen auf See und in der Antarktis schon fast vergessen. Und was für welche! Windgepeitschte, zusammengekrümmte, knorrige, ehrfurchteinflößende Gewächse. Sehr beeindruckend, und tolle Fotomotive.

Ja, das macht alles sehr viel Appetit auf die in ein paar Wochen beginnende Patagonien-Reise! (Ceterum censeo: wir hätten da noch ein oder zwei Plätzchen).

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Auch Harberton selbst hat sich als durchaus sehenswerter Ort erwiesen. 1886 gegründet, ist Harberton die älteste Farm im argentinischen Teil von Tierra del Fuego. Der Gründer, Thomas Bridges, war eine illustre Figur. Erst Findelkind und später Missionar, lernte er Yamana (Yahgan), die Sprache der damaligen Bevölkerung von Tierra del Fuego. Ohne Bridges wüsste man viel weniger über die Sprache und Kultur dieser Menschen, er schrieb ein Wörterbuch (30.000 Wörter) mitsamt Grammatik der Yamana-Sprache. Die mühevolle Schafzucht hat man in Harberton Mitte der 1990er nach harten Wintern aufgegeben und konzentriert sich dort nun ausschließlich auf Touristen, so dass wir uns u.a. am »Casa de Te« (Teehaus) und an einer geführten, sehr informativen Tour über das schöne Gelände erfreuen konnten. Harberton ist eine Zeitmaschine, die den Besucher mit allen Sinnen in die frühe, anglikanisch-missionarisch geprägte Zeit zurückversetzt: Teehaus, englischer Garten, Gebäude im Kolonialstil, museale Reste der Landwirtschaft, ein alter, verwunschener Friedhof in einem Wäldchen auf einem Hügel, wo die Flechten von den Bäumen hängen. Blauer Himmel, weiße Wolken, grüne Hügel, blaues Wasser mit weißen Kronen auf den Wellen. Ein schöner Tag in schöner Landschaft.

Der nächste Tag würde »nur« noch Abschied und Abreise bringen, so dass der Kern der Reise und damit auch dieser Blog hiermit zu Ende gehen. Vor Ort haben wir das natürlich würdig zelebriert in einem von Ushuaias feinen Restaurants. Schön war’s! Der Abend, der Tag, die ganze Fahrt! Danke für das fröhliche Dabeisein beziehungsweise für das interessierte Mitlesen! In ein paar Wochen geht es in Patagonien weiter.

Tierra del Fuego – 05. Februar 2018

Land! Welch’ eine Freude, nach 5 Tagen auf See. Kap Horn weit weg im Westen – der falsche Wind, um dort näher vorbeizufahren oder gar hinzufahren. Immerhin hat der Wind jetzt mal eine Pause eingelegt, es weht eine Brise von „nur“ etwa 20 Knoten, das nutzen wir aus, um in geschützte Gewässer zu kommen. Der nächste Sturm soll nicht weit weg sein. Derzeit geben sich die Tiefdruckgebiete hier wirklich die Klinke in die Hand, ohne zwischendurch mal eine Pause zu lassen.

Galerie – Tierra del Fuego – 05. Februar 2018

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Wie schön ist es, wieder Land zu sehen, grüne Inseln unter blauem Himmel. Die Sonne wärmt kräftig, stundenlang sitzen wir an Deck, kurzärmlig. Schwarzbrauenalbatrosse und Kormorane fliegen vorbei, Delfine begleiten uns ein Stück … so macht das Leben auf See richtig Freude!

Drake-Passage – 04. Februar 2018

Wer dachte, das wären nun genügend Wind, Wasser und Wellen gewesen, sah sich getäuscht. Gestern nachmittag zeigte der Windmesser immer häufiger Werte über 40 Knoten und immer wieder auch über 50 Knoten an. Windstärke 10 ist das in der Beaufort-Skala, »schwerer Sturm«. Das hört sich doch gut an! Zumindest aus der Entfernung … wobei, zugegeben: meine letzte Runde am Steuer gestern Abend gehört für mich definitiv zu den Momenten dieser Fahrt, die ich nicht vergessen werde und das meine ich gar nicht negativ. Wild, schön und aufregend war es! Die Wellen mögen 8-9 Meter hoch gewesen sein, genau wissen wir es natürlich nicht, aber das ist sicher nicht unrealistisch. Das Heulen des Windes entsprechend beeindruckend.

Galerie – Drake-Passage – 04. Februar 2018

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Danach hat Heinz das Schiff dann stillgelegt. Motor aus, Segel bis auf eine Sturmfock reduziert und treiben lassen. Funktioniert erstaunlich gut. Natürlich war der Seegang so immer noch heftig genug zu spüren, das Donnern der Wellen gegen die Bordwand immer wieder beeindruckend. Aber insgesamt wurde das Leben an Bord so doch erträglich. Gestern war sogar der erste Tag seit Donnerstag, an dem alle auf den Beinen waren! Klar, das Schauspiel will man sich natürlich nicht entgehen lassen. Sturm vor Kap Horn … grandios!

Jetzt geht es weiter Richtung Kap Horn. Etwa 20 Stunden haben wir sicher verloren durch Sturmkurs und Stillegen. Nun sind wir wieder bei 6-7 Knoten, und zwar in der richtigen Richtung.

Drake-Passage – 31. Januar – 03. Februar 2018

31. Januar – 03. Februar 2018 – Sehr viel Wasser und viele Wellen haben wir gesehen, seit wir uns vor drei Tagen von der Antarktis verabschiedet haben. Am ersten Tag haben wir das seltene und sehr erfreuliche Phänomen eines »Drake Lake« kennenlernen dürfen, eine komplett windstille Drake-Passage.

Es war klar, dass das nicht ewig so bleiben würde.

Wir hatten laut Vorhersage auf einen weiteren Tag mit wenig Wind gehofft, aber den gab es nicht. Seit vorgestern haben wir meistens um 30 Knoten Wind (Windstärke 7) gehabt, mitunter auch mehr (bis gut 40 Knoten, ordentliche Windstärke 8, in gelegentlichen Böen 9). Gemeinerweise fast durchgehend aus Nordnordwest. Also leider kein schöner Segelwind, der uns mit 8 Knoten über die Drake-Passage fliegen lässt, sondern ein hässlicher Gegenwind, der uns zeitweise auf frustrierende 3-4 Knoten bremst und das Schiff dabei kräftig stampfen lässt. Nun, es ist keiner von diesen gewaltigen Stürmen, für die die Drake-Passage so berüchtigt ist, aber es ist doch ein Phänomen, wie der Wind konstant über mehrere Tage hinweg aus der falschen Richtung weht, wo sich doch das Wetter hier eigentlich ständig ändert!? Nun, so ist es jetzt, wir müssen da durch, auch wenn die Begeisterung darüber natürlich individuell verschieden ist. Manche entdecken den Seemann in sich und sind kaum vom Steuerrad wegzukriegen. Andere halten sich lieber am Eimerchen fest.

Galerie – Drake-Passage – 31. Januar – 03. Februar 2018

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170 Seemeilen sind es aktuell noch bis zum Kap Hoorn. Bei 5 Knoten Geschwindigkeit wären noch 34 Stunden, bis wir unter Land sind, also in der Nacht auf Montag. Wir sind allerdings oft eher langsamer. Meter für Meter kriechen wir Richtung Kap Hoorn, und alle werden sich freuen, wenn es heißt »Land in Sicht«!

Melchior Islands – 31. Januar 2018

Heute krähte der Hahn etwas früher als sonst. Die Wettervorhersage für die Drake-Passage fordert eine baldige Abfahrt, aber wir wollen uns die Möglichkeit nicht nehmen lassen, noch einmal an Land zu gehen, um uns richtig von der Antarktis zu verabschieden. Nach einem kleinen Anstieg haben wir von Felskuppen und Schneehügeln aus einen herrlichen Ausblick über die Melchior Islands mit ihren eisbedeckten, kleinen Eilanden und den dazwischen liegenden, schmalen Sunden. Drumherum liegt weit und offen die Dallmann Bay. Hier und dort treiben Eisberge, in der Ferne bläst ein Wal. Jeder sitzt irgendwo still und genießt diesen Moment im antarktischen Paradies. Auch das Wetter ist heute noch einmal ausgesucht freundlich.

Galerie – Melchior Islands – 31. Januar 2018

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Dann ist es soweit. Die Beiboote werden verstaut und das Schiff mit Mensch und Maus seefest gemacht. Der Anker geht hoch, und zwischen den Inseln hindurch fahren wir in die Dallmann Bay hinaus, das offene Meer direkt vor dem Bug. Immerhin scheint die Sonne, es ist fast windstill, nur die Dünung erinnert uns daran, dass das kein Ententeich ist. Hinter uns leuchten die weiten Gletscher in der Sonne. Ein paar Wale winken direkt neben dem Schiff mit ihren Fluken wie zum Abschied.

Gut 500 Seemeilen sind es bis zum Kapp Hoorn.

Port Lockroy – 29./30. Januar 2018

29./30. Januar 2018 – Am Montag geht gar nichts. Wind, Wind, Wind. Pinguine gibt es nur in der Theorie an Bord, das dafür gleich dreifach. Ein unfreiwillig entspannter Tag auf dem Boot. Das gehört eben auch zum Leben in der Antarktis dazu.

Am Dienstag wird es dafür umso schöner. Der Wind ist fast komplett eingeschlafen. Wir genießen erst einmal einen ausgiebigen Morgen bei den Eselspinguinen auf Jougla Point, gefolgt von einem Besuch im „lebenden Museum“ („living museum“) von Port Lockroy, der ehemaligen, britischen Base A, gebaut 1944. Eine kleine Zeitmaschine, die einen in die Antarktis der 1950er Jahre zurückversetzt. Und der berühmteste Souvenirladen im Geltungsgebiet des Antarktisvertrages 😉

Zu einer 360°-Pano-Tour von Port Lockroy von einer früheren Antarktis-Reise.

Galerie – Port Lockroy – 29./30. Januar 2018

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Die anschließende Fahrt den Neumayer Kanal hoch ist noch einmal ein landschaftlicher Traum. Die Antarktis zeigt sich so wild und schön wie nur möglich. Die Abendsonne leuchtet über die Landschaft, während wir später aus der Gerlache Strait in die Dallmann Bay einfahren. Das tun wir mit etwas Wehmut, denn das bedeutet, dass wir morgen wieder über die Drake-Passage nach Norden fahren werden. Aber zunächst haben wir noch die Melchior Islands vor uns, wo wir nachher ankern und uns morgen von der Antarktis verabschieden können.

Paradise Harbour – Port Lockroy – 28. Januar 2018

Die Fahrt in Paradise Harbour hinein ist ein etwas monochromer Traum aus Land und Meer, Bergen und Gletschern, Eisbergen und Inseln. Überall Robben auf dem Eis. Ein paar Wale ziehen ihre Runden. Die Walfänger haben Paradise Harbour den Namen zu Recht gegeben.

Die argentinische Station Almirante Brown, 1951 gebaut und nach einem Brand 1984 nur sporadisch genutzt, wird derzeit komplett renoviert. Es gibt die Idee, sie langfristig wieder rund ums Jahr zu betreiben. Mal sehen. Für den Moment zählt für uns, dass wir auf einen spontanen Besuch eingeladen werden, was meine kaum vorhandenen Spanischkenntnisse hart strapaziert, aber davon abgesehen eine sehr angenehme Sache ist. Die Sicht vom Panoramahügel in der Station ist unschlagbar, und das berühmte Herunterrutschen auf dem Schneehang auch nicht zu verachten.

Galerie – Paradise Harbour – Port Lockroy – 28. Januar 2018

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Hier gehts zu den Panorama-Ansichten von Paradies Bay von einer früheren Antarktis Tour..

Leider ist unser geplanter Ankerplatz um die Ecke schon belegt, und dort passt auch wirklich nur ein Boot hin. Also haben wir noch ein paar Stunden bis Port Lockroy vor uns. Ab Gerlache Strait wird es ziemlich windig. Die Anfahrt auf Port Lockroy läuft durch den spektakulären Peltier Channel, der von größeren Schiffen wegen einiger Untiefen gemieden wird. Eisig kalt im Wind, aber grandios schön. Ein paar hartgesottene Seelen verbringen die gesamte Passage des Peltier Channel draußen an Deck.

Bei Port Lockroy pfeift der Wind ebenfalls ordentlich, und es treibt einiges an Gletschereis. Aber es gibt ordentlichen Ankergrund und keinen Seegang. Mehr wollen wir für heute gar nicht mehr.

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News-Auflistung generiert am 03. März 2021 um 17:52:39 Uhr (GMT+1)
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