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Antarktis-Geschichte 2: frühe Antarktis-Entdecker

James Clark Ross: Ere­bus und Ter­ror (1839-43)

James Clark Ross

James Clark Ross: einer der größ­ten Ant­ark­tis-Fah­rer nicht nur sei­ner Zeit. Nach ihm sind Ross­meer, Ross-Eis­schelf, Ross Insel und Ross­rob­be benannt, und ein paar ande­re Klei­nig­kei­ten.

James Clark Ross (1800-1862), Nef­fe des berühm­ten John Ross, war einer der größ­ten See­fah­rer und Polar-Ent­de­cker sei­ner Zeit. Unter sei­nem Onkel John sowie Edward Par­ry hat­te Ross in jün­ge­ren Jah­ren an einer Rei­he berühm­ter Ark­tis-Expe­di­tio­nen teil­ge­nom­men.

1839 über­nahm James C. Ross schließ­lich selbst das Kom­man­do und brach mit den Schif­fen HMS Ere­bus und HMS Ter­ror ins Süd­po­lar­meer auf. Eines der Haupt­zie­le war die Ent­de­ckung des Magnet­pols der Ant­ark­tis. Ross inter­es­sier­te sich stark für Magne­tis­mus und hat­te bei sei­nen Instruk­tio­nen genü­gend Frei­hei­ten erhal­ten, um die Rou­te selbst gestal­ten zu kön­nen. Tat­säch­lich änder­te er in Tas­ma­ni­en die Plä­ne, als er hör­te, dass Dumont d’Urville und der Ame­ri­ka­ner Wil­kes unge­fähr dort gewe­sen waren, wo er eigent­lich hin woll­te. Da er kei­nen Reiz dar­in sah, bereits ent­deck­te Gebie­te zu berei­sen, hielt er sich mit sei­nen 2 Schif­fen wei­ter öst­lich. Die­ser Zufall bescher­te ihm mit ein paar der wich­tigs­ten geo­gra­phi­schen Ent­de­ckun­gen in der Ant­ark­tis die Chan­ce sei­nes Lebens: als Ers­ter fuhr der ark­tis-erfah­re­ne Ross nicht nur am 05. Janu­ar 1841 in das ant­ark­ti­sche Pack­eis hin­ein, son­dern konn­te den vor­her für unpas­sier­bar gehal­te­nen Eis­gür­tel in nur 4 Tagen durch­fah­ren. Süd­lich davon ent­deck­te er das eis­freie, spä­ter nach ihm benann­te Ross­meer, mach­te am 12. Janu­ar 1841 eine Lan­dung auf Pos­ses­si­on Island und spä­ter auf Fran­k­lin Island. Ross sah als ers­ter den Ross-Eis­schelf, der ihm „wie die Klip­pen von Dover“ erschien, und die Ross-Insel mit den bei­den berühm­ten Vul­ka­nen Mount Ere­bus und Mount Ter­ror, die er nach sei­nen Schif­fen benann­te. Zu Ross‘ weni­gen Feh­lern als Ent­de­cker gehör­te aller­dings sei­ne über­gro­ße Vor­sicht, was Ent­de­ckun­gen betraf: Nicht rest­los über­zeugt, dass es sich bei den Rauch­wol­ken am Gip­fel tat­säch­lich um vul­ka­ni­sche Akti­vi­tät han­del­te und nicht viel­leicht doch um eine Schnee­fah­ne, zöger­te er, die Ent­de­ckung eines akti­ven Vul­ka­nes offi­zi­ell fest­zu­stel­len. Ähn­lich zurück­hal­tend war er damit, hohe, aber voll­stän­dig schnee­be­deck­te als Land zu bezeich­nen, und ver­pass­te so die Chan­ce, gro­ße Tei­le der Ant­ark­tis mit Namen auf die Land­kar­te zu set­zen. Statt­des­sen trug er „appearan­ce of Land“ auf sei­ner Kar­te ein. Weder sei­ne Zeit­ge­nos­sen noch spä­te­re Ent­de­cker waren auch nur im Ansatz so zurück­hal­tend, son­dern zeich­ne­ten mit­un­ter auch schon mal Inseln und Land­mas­sen in ihre Kar­ten ein, die manch­mal gar nicht oder fern­ab der angeb­li­chen Posi­ti­on exis­tier­ten.

Am 02. 1841 Febru­ar erreich­ten Ere­bus und Ter­ror bei 78°04’S ihre süd­lichs­te Posi­ti­on. Der uner­schro­cke­ne Ross zog sogar eine Über­win­te­rung in Erwä­gung, um den Magnet­pol errei­chen und dort die Flag­ge his­sen zu kön­nen, die er bereits 1831 am nörd­li­chen Magnet­pol auf­ge­stellt hat­te, aber das Eis hielt ihn davon ab, die Küs­te zu errei­chen. Nach 63 süd­lich des Süd­po­lar­krei­ses ver­brach­ten Tagen ver­ließ James Clark Ross die Ant­ark­tis.

Nach einem kur­zen Besuch in Eng­land kehr­te Ross bereits Ende 1841 in die Ant­ark­tis zurück. Am letz­ten Tag des Jah­res erreich­te er mit Ere­bus und Ter­ror den Süd­po­lar­kreis, hat­te nun aber gro­ße Schwie­rig­kei­ten, das Eis zu durch­drin­gen. Er ließ sei­ne Schif­fe auf bei­den Sei­ten einer Eis­schol­le von pas­sen­der Grö­ße und Form befes­ti­gen. Die­se dien­te zunächst als Tanz­flä­che für die Fei­er zum Jah­res­wech­sel, wobei Ross die Par­ty in Frau­en­klei­dern mit einem Tanz mit Kapi­tän Cro­zier eröff­ne­te. Sol­che Auf­trit­te tru­gen sicher dazu bei, dass James Clark Ross nicht nur als her­aus­ra­gen­der See­mann und gro­ßer Ent­de­cker in Erin­ne­rung geblie­ben ist, son­dern bei sei­nen Zeit­ge­nos­sen auch äußerst beliebt gewe­sen zu sein scheint.

Bei der wei­te­ren Fahrt durchs Eis wur­de die immer noch zwi­schen den Schif­fen befind­li­che Eis­schol­le genutzt, um das vor ihnen lie­gen­de Pack­eis zu durch­sto­ßen, ohne die eige­nen Schif­fe all­zu har­ten Stö­ßen aus­zu­set­zen, ein Manö­ver, das man erst mal kom­men muss, von einer erfolg­rei­chen Durch­füh­rung ganz abge­se­hen. Erst am 22. Febru­ar 1843 erreich­ten sie den Ross Eis­schelf und ihre süd­lichs­te Brei­te bei 78°11’S/161°27’W. Nach 64 mühe­vol­len, aber ver­gleichs­wei­se ent­täu­schen­den Tagen süd­lich des Polar­krei­ses ver­lie­ßen Ere­bus und Ter­ror end­gül­tig die Ant­ark­tis. Es soll­te bis 1900 dau­ern, bis wäh­rend Borch­g­re­vinks Sou­thern Cross-Expe­di­ti­on wei­ter nach Süden vor­ge­sto­ßen wur­de als wäh­rend der Rei­se von Ross. Bei­na­he wären die Schif­fe Ere­bus und Ter­ror auf dem wei­te­ren Weg zu den Falk­land­in­seln bei einer Kol­li­si­on in Nacht und Sturm ver­lo­ren gegan­gen, die Expe­di­ti­on über­leb­te nur mit Glück. Bei­de Schif­fe hin­gen zunächst eine Wei­le anein­an­der fest, wobei vor allem die Ere­bus, auf der Ross sich befand, einen gro­ßen Teil ihrer Take­la­ge ver­lor. Es stell­te sich her­aus, dass der Eis­berg aus zwei Tei­len bestand, die von einem Kanal getrennt waren, und es gelang der Ter­ror, durch die­sen Kanal zu schlüp­fen und so die Kol­li­si­on zu ver­mei­den. Auf der Ere­bus soll Ross mit eiser­ner Ruhe sei­ne Kom­man­dos gege­ben haben. Als ein­zi­ge Chan­ce, den Unter­gang zu ver­mei­den, hat­te Ross ein kom­pli­zier­tes Manö­ver erkannt, das dar­auf hin­aus­lief, den Kanal rück­wärts zu befah­ren – im Sturm mit einem halb zer­stör­ten Rah­seg­ler. Eine unglaub­li­che see­män­ni­sche Leis­tung. Nach 2 Tagen waren bei­de Schif­fe soweit wie­der her­ge­stellt, dass sie die Fahrt zu den Falk­land­in­seln fort­set­zen konn­ten, um dort zu über­win­tern.

Im fol­gen­den Süd­som­mer mach­te Ross einen erneu­ten Vor­stoß in die Ant­ark­tis. Ende 1842 ver­ließ er die Falk­lands, um die­ses Mal im Wed­dell­meer eine mög­lichst hohe Brei­te zu errei­chen. Die Eis­la­ge war aber gegen die Expe­di­ti­on: Der Polar­kreis wur­de erst am 01. März 1843 gequert, konn­te aber nur 71°30’S errei­chen und blieb damit hin­ter der Posi­ti­on von Wed­dell (1823) zurück. Letzt­lich konn­te Ross auf die­ser drit­ten und letz­ten Ant­ark­tis-Rei­se nicht mehr an sei­ne frü­he­ren Erfol­ge anknüp­fen. Die ers­te Rei­se wur­de aber spä­ter als „the grea­test voya­ge of Ant­arc­tic dis­co­very ever made“ bezeich­net, als „die größ­te jemals gemach­te Ent­de­ckungs­rei­se in der Ant­ark­tis“. Ross wur­de mit allen mög­li­chen Ehrun­gen über­häuft und zählt bis heu­te zu den größ­ten Polar-Ent­de­ckern über­haupt, in einer Liga mit Nan­sen, Amund­sen und Scott. Man trug ihm auch die Lei­tung einer Expe­di­ti­on in die Nord­west­pas­sa­ge an, aber er lehn­te ab. Statt­des­sen über­nahm John Fran­k­lin das Kom­man­do über Ross‘ alte Schif­fe Ere­bus und Ter­ror, um damit 1845 in Nord­ka­na­da zu ver­schwin­den. In der Fol­ge rich­te­te sich das all­ge­mei­ne Inter­es­se auf die­sen Teil der Ark­tis, wo man über vie­le Jah­re ver­such­te, Fran­klins Schif­fe zu fin­den. Die Ant­ark­tis geriet dar­über für Jahr­zehn­te in den Hin­ter­grund.

Der Ross-Eisschelf

Der Ross-Eis­schelf im Ross­meer: Bei­de sind nach James Clark Ross benannt. Den Eis­schelf beschrieb Ross als „eine Wand wie die Klip­pen von Dover“.

Letzte Änderung: 17. November 2014 · Copyright: Rolf Stange
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