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Antarktis-Geschichte 3: die heroische Ära

Dou­glas Maw­son: Home of the Bliz­zard (1911-14)

Die Expe­di­ti­on des Aus­tra­li­ers Dou­glas Maw­son (1882-1958) gehört zu den ganz gro­ßen Über­le­bens­ge­schich­ten der Ant­ark­tis. Maw­son hat­te bereits an Shack­le­tons Nim­rod-Expe­di­ti­on (1907-09) teil­ge­nom­men und dabei an der ers­ten Bestei­gung des Mount Ere­bus und der ers­ten Errei­chung des ant­ark­ti­schen Magnet­pols teil­ge­nom­men.

Douglas Mawson

Dou­glas Maw­son.

1910 schlug er eine Ein­la­dung von Scott aus, an der Ter­ra Nova Expe­di­ti­on teil­zu­neh­men, um statt­des­sen eine eige­ne Expe­di­ti­on auf die Bei­ne zu stel­len. Offi­zi­ell wur­de die­ses Unter­neh­men die Aus­tral­asi­an Ant­arc­tic Expe­di­ti­on genannt. Am 02. Dezem­ber 1911 ver­ließ die Expe­di­ti­on mit dem ehe­ma­li­gen Wal­fän­ger Auro­ra und 36 Män­nern an Bord Hobart auf Tas­ma­ni­en. Zu den Teil­neh­mern gehör­ten u.a. Frank Wild (sie­he unten) und Frank Hur­ley, des­sen Foto­gra­fien von Shack­le­tons Endu­ran­ce-Expe­di­ti­on welt­be­rühmt wer­den soll­ten.

Das Ziel der Aus­tral­asi­an Ant­arc­tic Expe­di­ti­on waren geo­gra­phi­sche For­schun­gen und wis­sen­schaft­li­che Arbei­ten wie Geo­lo­gie und Geo­phy­sik (Meteo­ro­lo­gie, Erd­ma­gne­tis­mus) im Küs­ten­strei­fen der Ant­ark­tis süd­lich von Aus­tra­li­en. Die­ser Bereich war damals prak­tisch völ­lig unbe­kannt, nur das benach­bar­te Adé­lie Land war 1840 von Dumont d’Urville gese­hen wor­den.

Zunächst wur­de auf Mac­qua­rie Island eine Sta­ti­on ein­ge­rich­tet, in der 5 Leu­te über­win­ter­ten. Mit­hil­fe die­ser Sta­ti­on konn­te der Radio­kon­takt mit Aus­tra­li­en auf­recht erhal­ten wer­den.

Anfang 1912 erreich­te die Auro­ra die zuvor unbe­kann­te Com­mon­wealth Bay. Am 08. Janu­ar 1912 lan­de­te Maw­son auf Kap Den­i­son, wo die Über­win­te­rungs­hüt­te gebaut wur­de. Ein zwei­tes Camp wur­de wei­ter west­lich auf dem Eis­schelf errich­tet.

Die Hütte der Australasian Antarctic Expedition am Kap Denison, Commonwealth Bay

Die Hüt­te der Aus­tral­asi­an Ant­arc­tic Expe­di­ti­on am Kap Den­i­son, Com­mon­wealth Bay.

Com­mon­wealth Bay erwarb sich wäh­rend der Expe­di­ti­on den ungu­ten, bis heu­te gül­ti­gen Ruf, der win­digs­te Ort der Erde zu sein: kata­ba­ti­sche Win­de (Fall­win­de von Glet­schern) errei­chen dort extre­me Geschwin­dig­kei­ten von bis zu 300 km/h. Die übers Jahr gemit­tel­te Wind­ge­schwind­keit beträgt beein­dru­cken­de 80 km/h, also Wind­stär­ke 9 oder „Sturm“ auf der Beau­fort­ska­la. Die­se extre­men Wind­ver­hält­nis­se waren eine kaum vor­stell­ba­re Belas­tung für das Leben und Arbei­ten wäh­rend der Expe­di­ti­on.

Von Hüt­te am Kap Den­i­son und dem Camp im Wes­ten auf dem Eis­schelf aus star­te­ten ins­ge­samt 5 Erkun­dungs­rei­sen. Die 8 Män­ner im west­li­chen Camp wur­den von Frank Wild geführt, der bereits an Scotts Dis­co­very-Expe­di­ti­on teil­ge­nom­men und mit Shack­le­ton auf der Nim­rod gefah­ren war. Spä­ter mach­te er mit Shack­le­ton noch zwei wei­te­re Expe­di­tio­nen (Endu­ran­ce und Quest). Eine Grup­pe stieß vom West-Camp aus nach Wes­ten vor und erreich­te den Gauß­berg, der 1902 wäh­rend der Gauß-Expe­di­ti­on von Erich von Dry­gal­ski ent­deckt wor­den war.

Maw­son lei­te­te die „Far Eas­tern Par­ty“, die neben ihm aus dem Schwei­zer Xavier Mertz und dem Bri­ten Bel­gra­ve Nin­nis bestand. Mertz war Berg­stei­ger, Nin­nis Offi­zier. Die Grup­pe ver­ließ die Hüt­te in der Com­mon­wealth Bay am 10. Novem­ber 1912 und ver­brach­te 5 Wochen sehr erfolg­reich damit, die Küs­te zu ver­mes­sen und geo­lo­gi­sche Pro­ben zu sam­meln. Am 14. Dezem­ber 1912 über­quer­te Maw­son, Mertz und Nin­nis einen Glet­scher. Mertz lief auf Ski­ern vor­weg und Maw­son folg­te auf einem Hun­de­schlit­ten, bei­de hat­ten ihr Gewicht somit auf grö­ße­rer Flä­che ver­teilt. Nin­nis folg­te zu Fuß neben dem zwei­ten Schlit­ten lau­fend und stürz­te durch eine Schnee­de­cke in eine Glet­scher­spal­te. Zusam­men mit ihm ver­schwand der zwei­te Schlit­ten mit den 6 bes­ten Hun­den, den meis­ten Vor­rä­ten, dem Zelt und wich­ti­ger Aus­rüs­tung. Maw­son und Mertz konn­ten in über 50 Metern Tie­fe 2 Hun­de erken­nen, von denen einer noch am Leben war. Nin­nis war und blieb in der Tie­fe ver­schwun­den. Der Glet­scher heißt seit­dem Nin­nis Gla­cier.

Maw­son und Mertz hat­ten nur noch eine Wochen­ra­ti­on an Lebens­mit­teln, waren aber 480 Kilo­me­ter von der Com­mon­wealth Bay ent­fernt. In einem Gewalt­marsch erreich­ten sie ein auf dem Hin­weg zurück­ge­las­se­nes Zelt. Auf dem wei­te­ren Weg schlach­te­ten sie Hun­de, um damit die übri­gen Hun­de zu füt­tern und selbst von dem Fleisch zu leben.

Der Gesund­heits­zu­stand bei­der Män­ner ließ rapi­de nach, sie lit­ten an Schwin­del­ge­füh­len, Übel­keit, Bauch­schmer­zen, Anfäl­len von Irra­tio­na­li­tät, schmerz­haf­ten Anal­fis­su­ren, dem Aus­fal­len von Haa­ren und Nägeln sowie Gelb­fär­bung und Abfal­len von Haut – ein Zustand, der schon in einem Kran­ken­haus­bett mehr als unan­ge­nehm wäre, einen aber bei einem wochen­lan­gen Gewalt­marsch durch Sturm und Käl­te an die äußers­ten Belas­tungs­gren­zen bringt. Für Mertz ging es lei­der noch dar­über hin­aus: Mit Durch­fall und geis­ti­ger Umnach­tung ver­schlech­ter­te sich sein Zustand wei­ter, er wur­de aggres­siv, biss sich selbst die Spit­ze sei­nes klei­nen Fin­gers ab und konn­te von Maw­son nur mit Gewalt von der Zer­stö­rung des Zel­tes abge­hal­ten wer­den. Schließ­lich fiel er ins Koma und starb am 08. Janu­ar 1913.

Man geht davon aus, dass neben Käl­te und Erschöp­fung der Kon­sum von Hun­de­le­ber eine ent­schei­den­de Rol­le für den schlech­ten Zustand bei­der Män­ner und für Mertz‘ Tod gespielt hat. Die Leber von Schlit­ten­hun­den ent­hält Vit­amin A in toxi­scher Kon­zen­tra­ti­on. Es scheint, dass Mertz mehr von der zar­te­ren Leber geges­sen hat, wäh­rend Maw­son mehr von dem zähe­ren Fleisch zu sich neh­men konn­te, was den noch schlech­te­ren Zustand von Mertz erklä­ren wür­de. Aller­dings war Mertz strik­ter Vege­ta­ri­er gewe­sen, mög­li­cher­wei­se hat die erzwun­ge­ne Umstel­lung auf Fleisch sei­nen Orga­nis­mus zusätz­lich über­for­dert. Zum Andenken an Mertz erhielt der Mertz Gla­cier sei­nen Namen.

Maw­son muss­te die letz­ten 160 Kilo­me­ter zur Hüt­te in der Com­mon­wealth Bay allei­ne zurück­le­gen und starb bei­na­he beim Sturz in eine Spal­te. Als er schließ­lich Kap Den­i­son erreich­te, traf er dort nur noch 6 Män­ner an, die zurück­ge­blie­ben waren, um ihn zu erwar­ten; die Auro­ra war nur weni­ge Stun­den vor­her gefah­ren, Maw­son konn­te sie sogar noch als Punkt am Hori­zont erken­nen. Über Funk konn­te sie geru­fen wer­den, aber Eis ver­hin­der­te ihre Rück­kehr, so dass der Grup­pe am Kap Den­i­son nichts übrig blieb als eine zwei­te Über­win­te­rung.

Die wis­sen­schaft­li­chen Ergeb­nis­se der Aus­tral­asi­an Ant­arc­tic Expe­di­ti­on waren so umfang­reich, dass ihre Ver­öf­fent­li­chung erst 1975 von Maw­sons ältes­ter Toch­ter abge­schlos­sen wur­de. Bekannt gewor­den ist sie aber vor allem durch die Far Eas­tern Par­ty und Maw­sons Über­le­bens­kampf, den er in dem berühm­ten Buch Home of the Bliz­zard schil­der­te, das 1921 auf deutsch mit dem Titel Leben und Tod am Süd­pol erschien. Dou­glas Maw­son ist in Aus­tra­li­en bis heu­te Natio­nal­held.

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Letzte Änderung: 16. November 2014 · Copyright: Rolf Stange
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