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HomeLan­des­kun­de – Rei­se­infoAnt­ark­tis Geschich­te → Shack­le­ton: die Nim­rod-Expe­di­ti­on

Antarktis-Geschichte 3: die heroische Ära

Ernest Shack­le­ton: die Nim­rod-Expe­di­ti­on (1907-09)

Shack­le­ton hat­te an Scotts Dis­co­very-Expe­di­ti­on teil­ge­nom­men und hat­te dabei sei­ne Beru­fung ent­deckt. Es war nur eine Fra­ge von Zeit und Geld, bis er als sein eige­ner Chef in die Ant­ark­tis zurück­keh­ren wür­de.

Bei allen Unter­schie­den zwi­schen den gro­ßen Cha­rak­te­ren war es der Man­gel an Geld, der vor allem Shack­le­ton und Amund­sen mit­ein­an­der ver­band. Für Shack­le­ton war die Finan­zie­rung beson­ders schwie­rig, da er weder auf die vol­le Unter­stüt­zung der wich­ti­gen Roy­al Geo­gra­phi­cal Scocie­ty bau­en konn­te, die eher sei­nem alten Chef Scott zuge­neigt war, noch bei wich­ti­gen Spon­so­ren einen all­zu guten Ruf hin­sicht­lich der finan­zi­el­len Zuver­läs­sig­keit hat­te. So hat­te er bei sei­nem zeit­wei­li­gen Arbeit­ge­ber, dem indus­tri­el­len Wil­liam Beard­mo­re, nicht ein­mal sei­nen eige­nen Lohn regel­mä­ßig abge­holt. Schließ­lich aber kamen die not­wen­di­gen Mit­tel durch meh­re­re gro­ße und vie­le klei­ne pri­va­te Spen­den, offi­zi­el­le Unter­stüt­zung aus Aus­tra­li­en und Neu­see­land und Kre­di­te zusam­men, so dass Shack­le­ton sei­ne Expe­di­ti­on im Febru­ar 1907 öffent­lich ankün­di­gen konn­te. Wie auch Amund­sen und so man­cher ande­re Ent­de­cker, war er den­noch gezwun­gen, für die Expe­di­ti­on Mit­tel in die Hand zu neh­men, die er erst spä­ter durch Bücher und Vor­trä­ge ein­zu­neh­men hoff­te. Sein größ­ter pri­va­ter Geld­ge­ber war Beard­mo­re, des­sen Name seit der Nim­rod-Expe­di­ti­on mit dem Glet­scher ver­bun­den ist, der 1908/09 für Shack­le­ton und 1911/12 für Scott der Weg Rich­tung Süd­pol war.

Ernest Hen­ry Shack­le­ton, Orga­ni­sa­tor und Lei­ter der bri­ti­schen Nim­rod-Expe­di­ti­on (1907-09).

Ernest Henry Shackleton

Der Süd­pol war Shack­le­tons pri­mä­res Ziel, sei­ne per­sön­li­chen wis­sen­schaft­li­chen Inter­es­sen waren recht begrenzt, im Gegen­satz zu Scott, der zwar eben­falls kein Wis­sen­schaft­ler war, aber ein star­kes Inter­es­se an der For­schung ent­wi­ckel­te. Für Shack­le­ton war die rei­ne Wis­sen­schaft eher Mit­tel zum Zweck: Er wuss­te, dass er ohne ein wis­sen­schaft­li­ches Pro­gramm kei­ne Unter­stüt­zung für eine Expe­di­ti­on bekom­men wür­de.

Für die eigent­li­che Vor­be­rei­tung blieb wenig mehr als ein hal­bes Jahr. Die Wahl der Trans­port­mit­tel der der Expe­di­tio­nen jener Zeit wur­de und wird kon­tro­vers dis­ku­tiert. Auf­bau­end auf sei­nen Erfah­run­gen wäh­rend der Dis­co­very-Expe­di­ti­on und dem Rat des Ark­tis-For­schers Fre­de­rick Jack­son, setz­te Shack­le­ton weit­ge­hend auf 15 zähe, man­dschu­ri­sche Ponys.

Lager auf der

Die Ponies beim Lager auf der „Bar­rie­re“ (der Ross-Eis­schelf).

Auch die moder­ne Tech­nik soll­te in Form eines 15 PS Auto­mo­bils ihre Chan­ce in der Ant­ark­tis erhal­ten. Mit den wäh­rend der Dis­co­very-Expe­di­ti­on ein­ge­setz­ten Hun­den und Ski­ern war Shack­le­ton nicht so recht warm gewor­den, so dass er plan­te, im Not­fall die Schlit­ten mit Mus­kel­kraft und zu Fuß zu zie­hen, ent­ge­gen dem Rat von Grö­ßen wie Fri­dt­jof Nan­sen. Shack­le­ton muss­te spä­ter zuge­ben, dass die ursprüng­lich 9 Hun­de bes­ser gear­bei­tet hat­ten als erwar­tet. Im Gegen­satz zu den Pfer­den ver­grö­ßer­ten die Hun­de ihre Anzahl in der Ant­ark­tis von selbst (auf 22) und konn­ten vor Ort mit Rob­ben und Pin­gui­nen gefüt­tert wer­den, was man bei­des weder von den Pfer­den noch vom Auto behaup­ten konn­te. Das Auto brach­te sowie­so nicht viel mehr Nut­zen als eini­gen Pres­se­wir­bel, es wur­de aber zu kür­ze­ren Trans­port­fah­ren auf dem Eis im McMur­do Sound benutzt. Spä­ter wur­de gesagt, es sei typisch für Shack­le­ton, ein Auto mit­zu­neh­men, aber nicht, das Ski­lau­fen zu ler­nen. Das Auto stamm­te übri­gens aus einer Fabrik von Shack­le­tons Gön­ner Wil­liam Beard­mo­re. Viel­leicht hat­te das dazu bei­getra­gen, dem Vehi­kel einen Platz an Deck der Nim­rod zu ver­schaf­fen.

Das erste Auto in der Antarktis

Das ers­te Auto in der Ant­ark­tis, oft „the motor“ genannt.

Das erste Auto in der Antarktis wird gezogen

Das ers­te Auto in der Ant­ark­tis bei einer wenig vor­teil­haf­ten Art der Fort­be­we­gung.

Einen gro­ßen Teil der Aus­rüs­tung besorg­te Shack­le­ton wäh­rend einer has­ti­gen Shop­ping-Tour in Nor­we­gen im April 1907, wobei auf­grund des Zeit­drucks nicht alles in der übli­chen Qua­li­tät her­ge­stellt wer­den konn­te. Auch reich­te das Geld nicht für das Schiff Bjørn, das den ursprüng­li­chen Vor­stel­lun­gen ent­sprach, so dass Shack­le­ton schließ­lich gezwun­gen war, sich mit der über­ho­lungs­be­dürf­ti­gen Nim­rod (Bau­jahr 1865) zu begnü­gen, die gera­de halb so groß war wie die Dis­co­very.

Die Nimrod im Eis

Die Nim­rod im Eis.

Shack­le­ton hat­te gehofft, eine gan­ze Rei­he erfah­re­ner Kol­le­gen von der Dis­co­very-Expe­di­ti­on zur Teil­nah­me bewe­gen zu kön­nen, war damit aber nicht all­zu erfolg­reich. Letzt­lich beglei­te­ten ihn von der Dis­co­very-Mann­schaft nur Ernest Joy­ce (ver­ant­wort­lich für Vor­rä­te, Hun­de, Schlit­ten und zoo­lo­gi­sche Samm­lun­gen) und Frank Wild (Ver­pfle­gung). Dar­über hin­aus griff er auf alte Bekann­te aus sei­ner Zeit bei der Han­dels­ma­ri­ne zurück oder ver­ließ sich auf Emp­feh­lun­gen. So kam er unter ande­rem einem aus­tra­li­schen Geo­lo­gen namens Dou­glas Maw­son, der ein paar Jah­re spä­ter bei sei­ner eige­nen, dra­ma­ti­schen Ant­ark­tis-Expe­di­ti­on zu Ruhm kom­men soll­te. Der 20-jäh­ri­ge Phil­ip Brock­lehurst kam als Assis­tenz­geo­lo­ge mit und weil er die beträcht­li­che Sum­me von 2000 Pfund zur Expe­di­ti­ons­kas­se bei­steu­er­te.

Überwinterungsgruppe Kap Royds (Nimrod) Gruppenfoto

Die Über­win­te­rungs­mann­schaft der Nim­rod-Expe­di­ti­on am Kap Royds. Ste­hend von links: Joy­ce, Day, Wild, Adams, Brock­lehurst, Shack­le­ton, Mar­shall, David, Armi­ta­ge, Mars­ton. Sit­zend: Priest­ley, Mur­ray, Roberts.

Der Plan sah drei gro­ße Rei­sen vor: eine „eas­tern par­ty“ soll­te das frü­her nur in der Ent­fer­nung gesich­te­te King Edward VII Land erkun­den. Eine „wes­tern group“ soll­te durch die „wes­tern moun­tains“ (das Tran­s­ant­ark­ti­sche Gebir­ge) das Pla­teau errei­chen und dann zum Magnet­pol vor­sto­ßen. Die Haupt­rei­se schließ­lich war der Ver­such, so weit es ging nach Süden zu kom­men, wenn mög­lich bis zum Pol. Für das Basis­la­ger soll­te eine geeig­ne­te Stel­le im King Edward VII Land gefun­den wer­den. Den McMur­do Sound woll­te Shack­le­ton ver­mei­den: Der öffent­lich ein­fach kom­mu­ni­zier­ba­re Grund war, dass das King Edward VII Land noch unbe­kannt war, so dass dort vie­le neue Ent­de­ckun­gen mög­lich sein wür­den. Tat­säch­lich woll­te Shack­le­ton aber ver­mei­den, in offe­ner Kon­kur­renz zu sei­nem alten Chef Scott auf­zu­tre­ten, dem er nun in respekt­vol­ler Riva­li­tät ver­bun­den war. In Brie­fen und Tref­fen hat­te Scott, unter­stützt von Edward Wil­son, Druck aus Shack­le­ton aus­ge­übt, sich von „sei­nem“ Revier im McMur­do Sound fern­zu­hal­ten. Shack­le­ton war so über­loy­al, sich damit ein­ver­stan­den zu erklä­ren und damit sei­ne Expe­di­ti­on und das geplan­te Pro­gramm unwäg­ba­ren Risi­ken aus­zu­set­zen, da der neue Stand­ort noch völ­lig unbe­kannt war. Er stell­te dies aber unter den Vor­be­halt brauch­ba­rer Eis- und Gelän­de­be­din­gun­gen, und letzt­lich war es das Eis, was ihn zu sei­nem Glück doch in den McMur­do Sound zwang. Die Nim­rod soll­te den Win­ter in Neu­see­land ver­brin­gen.

Abrei­se und Über­win­te­rung

Am 07. August 1907 leg­te die Nim­rod in Tor­quay an Eng­lands Süd­küs­te ab. Shack­le­ton und die Wis­sen­schaft­ler gin­gen erst in Neu­see­land an Bord, wie auch die 10 Pfer­de und 9 Hun­de. Das Schiff ver­ließ am 01. Janu­ar 1908 in Lyt­tel­ton end­gül­tig die Zivi­li­sa­ti­on. 15 Tage lang wur­de die Nim­rod von dem Schlep­per Koonya gezo­gen, um die trotz Über­la­dung knap­pen Koh­le­vor­rä­te zu scho­nen. Der Kapi­tän der Koonya, Fre­de­rick Evans wür­de im fol­gen­den Jahr Kapi­tän Eng­land als Kom­man­dan­ten der Nim­rod ablö­sen; wie sich zei­gen soll­te, hat­te Shack­le­ton auf der Nim­rod aber kein Glück mit sei­nen Kapi­tä­nen. Die Expe­di­ti­on geriet süd­lich von Neu­see­land in so schwe­res Wet­ter, dass ein Hund an Deck ertrank und ein Pferd sich so schwer ver­letz­te, dass es erschos­sen wer­den muss­te.

Die Nimrod neben einem Eisberg

Die Nim­rod neben einem Eis­berg.

Nach schnel­ler Pas­sa­ge des Pack­ei­ses erreich­te die Expe­di­ti­on am 23. Janu­ar 1908 den Ross Eis­schelf. Die­ser hat­te sich seit dem Besuch der Dis­co­very stark ver­än­dert. Eine Ein­buch­tung mit vie­len Walen nann­te Shack­le­ton Bay of Wha­les. Ver­su­che, wei­ter nach Osten zum King Edward VII Land vor­zu­sto­ßen, schei­ter­ten am Eis, so dass Shack­le­ton sich letzt­lich gezwun­gen sah, Kurs auf den McMur­do Sound zu set­zen, wo die Expe­di­ti­on am 29. Janu­ar ein­traf. Die Über­win­te­rung auf dem Schelf­eis in der Bay of Wha­les war ein Risi­ko, das Shack­le­ton scheu­te. Zu sehr hat­te der offen­sicht­lich insta­bi­le Rand des Eis­schelfs sich ver­än­dert, seit er mit der Dis­co­very vor nur weni­gen Jah­ren dort gewe­sen war. Roald Amund­sen nahm die­ses Risi­ko ein paar Jah­re spä­ter auf sich und hat­te in der Bay of Wha­les, die süd­li­cher liegt als der McMur­do Sound, durch den kür­ze­ren Weg zum Süd­pol eine bes­se­re Aus­gangs­po­si­ti­on für sei­nen Süd­pol-Erfolg von 1911. Der Ent­fer­nungs­vor­teil in der Bay of Wha­les gegen­über Kap Royds, wo Shack­le­ton statt­des­sen über­win­ter­te, betrug immer­hin gut 100 Kilo­me­ter, eine nicht uner­heb­li­che Distanz, wenn man sich über­legt, dass Shack­le­ton ein paar Mona­te spä­ter 180 Kilo­me­ter vom Süd­pol ent­fernt zur Umkehr gezwun­gen war.

Die Bay of Whales

Die Bay of Wha­les.

Es folg­te gleich eine gan­ze Serie von Rück­schlä­gen: der Weg zum Hut Point, der Über­win­te­rungs­stel­le der Dis­co­very ganz im Süden des McMur­do Sound und die Stel­le mit dem kür­zes­ten Weg zum Süd­pol, war vom Eis ver­sperrt. Ein Hund ertrank, als er von einer Klip­pe fiel; direkt davor hat­te er im Blut­rausch vie­le Pin­gui­ne getö­tet. Ein wei­te­res Pferd muss­te erschos­sen wer­den, See­krank­heit und Käl­te hat­ten ihm zu stark zuge­setzt. Der zwei­te Offi­zier Mack­in­tosh ver­lor beim Aus­la­den durch den schwin­gen­den Haken des Krans ein Auge und fiel somit zu sei­nem und Shack­le­tons Bedau­ern für die Über­win­te­rung aus. Das Auto blieb im Schnee ste­cken.

Da das Eis nicht auf­bre­chen woll­te, ent­schied Shack­le­ton sich, das Basis­la­ger am Kap Royds zu errich­ten, 37 Kilo­me­ter nörd­lich von Hut Point, aber davon abge­se­hen ein guter Stand­ort mit Frisch­was­ser­see und einer Pin­guin­ko­lo­nie. Das Aus­la­den nahm viel Zeit in Anspruch, auch weil Kapi­tän Eng­land die Nim­rod über­vor­sich­tig oft fern von der Küs­te hielt, wenn trei­ben­des Eis und schlech­tes Wet­ter dies sei­ner Ansicht nach erfor­der­lich mach­ten. Dies führ­te zu Kon­flik­ten mit der Mann­schaft, die sich teil­wei­se gegen Eng­land stell­te, und letzt­lich dazu, dass Shack­le­ton ihn bei der Rück­kehr des Schif­fes im Jahr dar­auf erset­zen ließ.

Shackletons Hütte, Kap Royds

Shack­le­tons Hüt­te am Kap Royds (2013).

Ende Febru­ar war die Hüt­te bezugs­fer­tig (Hier kli­cken für 360 Grad Pan­ora­ma­bil­der von Shack­le­tons Hüt­te am Kap Royds). Abge­se­hen von Shack­le­ton, der eine Kabi­ne für sich hat­te, wohn­ten alle in einem Gemein­schafts­raum. Dar­in unter­schied der Offi­zier der Han­dels­ma­ri­ne Shack­le­ton sich vom Navy-Kapi­tän Scott, der für eine stren­ge­re Tren­nung zwi­schen Offi­zie­ren und Mann­schaft sorg­te.

Shackletons Hütte, Kap Royds

Shack­le­tons Hüt­te am Kap Royds.

Da das Eis im Süden zwi­schen­zeit­lich doch auf­ge­bro­chen war, war der Fuß­weg nach Süden ver­sperrt und das geplan­te Anle­gen von Depots muss­te somit vor­erst ent­fal­len. Damit war uner­war­tet die Gele­gen­heit für die eigent­lich gar nicht Erst­be­stei­gung des Mount Ere­bus. Am 05. März 1908 bra­chen 6 Män­ner auf, Shack­le­ton war nicht dar­un­ter, auch nicht Wild und Joy­ce, die wäh­rend der Dis­co­very-Expe­di­ti­on immer­hin bis 900 Meter Höhe auf­ge­stie­gen waren. Kei­ner hat­te Erfah­rung als Berg­stei­ger, aber den­noch erreich­ten am 10. März alle den Gip­fel, abge­se­hen von Brock­lehurst, der wegen Erfrie­run­gen an den Füßen im Lager blieb und auf den letz­ten Auf­stieg ver­zich­ten muss­te. Nach eini­gen Mes­sun­gen und Pro­ben­nah­men erreich­te die Grup­pe schon einen Tag spä­ter wie­der die Hüt­te auf Kap Royds.

Am Gip­fel­kra­ter des Mount Ere­bus, 10. März 1908.

Gipfelkrater Mount Erebus

Wäh­rend der Über­win­te­rung wur­den die For­schungs­ar­bei­ten (Meteo­ro­lo­gie, Polar­lich­ter, Geo­lo­gie, Bio­lo­gie) auf­ge­nom­men. Shack­le­tons wah­re Stär­ke als Expe­di­ti­ons­lei­ter bestand dar­in, aus einer Grup­pe unter schwie­ri­gen Umstän­den eine Ein­heit zu schmie­den und Moral und Stim­mung hoch zu hal­ten. Alle muss­ten sich an der häus­li­chen Arbeit betei­lig­ten, und zur Abwechs­lung tru­gen Fei­ern zu allen Anläs­sen, Dis­kus­sio­nen und nicht zuletzt die Fort­set­zung der Erfolgs­ge­schich­te des Expe­di­ti­ons­blat­tes South Polar Times bei, die Shack­le­ton wäh­rend der Dis­co­very-Expe­di­ti­on her­aus­ge­ge­ben hat­te. Gleich­zei­tig ent­stand mit Auro­ra aus­tra­lis das ers­te in der Ant­ark­tis gedruck­te Buch über­haupt, zu dem die meis­ten Expe­di­ti­ons­mit­glie­der Bei­trä­ge aller Art bei­steu­er­ten. Etwa 100 Exem­pla­re sol­len ent­stan­den sein, gebun­den in Holz von lee­ren Kis­ten und Leder.

Unter­des­sen star­ben 4 von den ver­blie­ben­den 8 Ponys, da sie vul­ka­ni­schen Sand gefres­sen hat­ten, so dass Shack­le­ton sich gezwun­gen sah, die Teil­neh­mer der Süd­pol­grup­pe von 6 auf 4 zu redu­zie­ren. Wäh­rend der Über­win­te­rung fin­gen so früh wie mög­lich die Vor­be­rei­tun­gen für die Schlit­ten­rei­sen an, die im Früh­jahr begin­nen soll­ten. Gegen Mit­te August began­nen Mär­sche, um Depots bis zu 200 km süd­lich von Kap Royds ein­zu­rich­ten.

Der Marsch der Süd­grup­pe

Am 29. Okto­ber 1908 begann der Marsch der Sou­thern Par­ty (Süd­grup­pe), bestehend aus Shack­le­ton, Adams, Mar­shall und Wild, sowie vor­über­ge­hend einer Unter­stüt­zungs­grup­pe. Für die Stre­cke von 2765 Kilo­me­ter hat­te Shack­le­ton 91 Tage berech­net, also eine Tages­leis­tung von gut 30 Kilo­me­tern. Schon bald stell­te sich her­aus, dass das nicht zu schaf­fen war, so dass die Ratio­nen gekürzt wur­den, um mehr Zeit zu haben. Das ers­te Pony muss­te schon am 21. Novem­ber erschos­sen wer­den. Immer­hin gelang es schon am 26. Novem­ber, die süd­lichs­te Posi­ti­on der Dis­co­very-Grup­pe, damals erreicht am 30. Dezem­ber 1902, zu pas­sie­ren. Bis zum 01. Dezem­ber geriet die Grup­pe in schwie­ri­ges Gelän­de, und 2 wei­te­re Ponys muss­ten erschos­sen wer­den. Ent­ge­gen der ursprüng­li­chen Hoff­nung zeig­te sich, dass der Süd­pol nicht auf dem weit­ge­hend ebe­nen Eis­schelf in Mee­res­hö­he lie­gen konn­te, son­dern dass der Auf­stieg durch das Tran­s­ant­ark­ti­sche Gebir­ge auf das Hoch­pla­teau unum­gäng­lich war. Am 03. Dezem­ber wur­de ein gro­ßer Glet­scher ent­deckt, der eine brauch­ba­re Rou­te dar­zu­stel­len schien. Shack­le­ton nann­te die­sen Glet­scher nach einem wich­ti­gen Spon­sor Beard­mo­re Gla­cier, es war der größ­te sei­ner­zeit bekann­te Glet­scher welt­weit.

Shackleton Camp unter dem Berg Cloudmaker, Beardmore Glacier

Camp unter dem Cloud­ma­ker (Berg) auf dem Beard­mo­re Glet­scher.

Am 07. Dezem­ber stürz­te das letz­te ver­blie­be­ne Pony in eine Glet­scher­spal­te. Nur Glück war es zu ver­dan­ken, dass es dabei nicht Frank Wild und einen der Schlit­ten in die Tie­fe riss, aber der Ver­lust war den­noch emp­find­lich, da das Fleisch als Ver­pfle­gung für den Rück­weg ein­kal­ku­liert gewe­sen war. Von nun an muss­ten die schwe­ren Schlit­ten für eine Wei­le müh­sam und zeit­rau­bend in meh­re­ren Etap­pen trans­por­tiert wer­den. Am 17. Dezem­ber mach­te Wild eine bedeu­ten­de geo­lo­gi­sche Ent­de­ckung, als er Koh­le­flö­ze zwi­schen den Sand­stein­schich­ten der Ber­ge fand.

Zu Weih­nach­ten war die Grup­pe noch gut 450 Kilo­me­ter vom Süd­pol ent­fernt. Unter­des­sen war die Stim­mung der Män­ner unter­ein­an­der infol­ge der Stra­pa­zen schlech­ter gewor­den, und es wur­de klar, dass sie nicht genü­gend Lebens­mit­tel hat­ten, um den Süd­pol zu errei­chen. Shack­le­ton kürz­te noch ein­mal die bereits viel zu knap­pen Ratio­nen. Am 26. Dezem­ber war der Beard­mo­re-Glet­scher über­wun­den und das Pol­pla­teau in 3000 Metern Höhe erreicht. Alle lit­ten an Käl­te, Erschöp­fung, Höhe und unzu­rei­chen­der Ernäh­rung; Shack­le­ton schrieb, es sei als wür­den die Ner­ven im Kopf um einen Kor­ken­zie­her gewi­ckelt und her­aus­ge­zo­gen wer­den. Das Jahr ging mit star­kem Gegen­wind und furcht­ba­rer Käl­te zu Ende. Am 04. Janu­ar 1909 ent­schied Shack­le­ton sich end­lich offi­zi­ell, den Süd­pol auf­zu­ge­ben. Statt­des­sen woll­te er aber die Ent­fer­nung von 100 geo­gra­phi­schen Mei­len (185 Kilo­me­ter) unter­schrei­ten.

Shackleton: südlichstes Camp

Das süd­lichs­te Camp, um den 09. Janu­ar 1909.

Am 09. Janu­ar erreich­ten sie bei 88°23′S/162°E ihre süd­lichs­te Posi­ti­on, 97 Mei­len (180 Kilo­me­ter) vom Süd­pol ent­fernt, die letz­ten 20 Mei­len hat­ten sie in einem schnel­len Marsch ohne jeg­li­ches Gepäck zurück­ge­legt. In einem Brief an sei­ne Frau schrieb Shack­le­ton spä­ter: „Bes­ser ein leben­di­ger Esel als ein toter Löwe“. Damit bewies er eine Grö­ße, die der eine oder ande­re sei­ner polar­fah­ren­den Zeit­ge­nos­sen wie der Nord­pol-Bal­lon­fah­rer Salo­mon August Andrée, nicht hat­te. Auch das führ­te dazu, dass die Nim­rod-Expe­di­ti­on die ers­te gro­ße Ant­ark­tis-Expe­di­ti­on war, bei der kei­ne Todes­op­fer zu bekla­gen waren; natür­lich spiel­te dabei auch Glück eine Rol­le.

Shackleton: farthest south

Die süd­lichs­te Posi­ti­on, 09. Janu­ar 1909: 88°23′S/162°E, nur 180 Kilo­me­ter vom Süd­pol ent­fernt.

Der Rück­marsch begann am 73. Tag der Süd­rei­se. Es blie­ben aber nur 51 Tage Zeit, da die Nim­rod am 01. März 1909 nach Neu­see­land auf­bre­chen soll­te. Die 4 Män­ner zwan­gen sich bei knap­pen Ratio­nen zu Tages­etap­pen von bis zu 47 Kilo­me­tern. Der Gesund­heits­zu­stand ver­schlech­ter­te sich nicht zuletzt bei Shack­le­ton. Am 26. Janu­ar gin­gen die Vor­rä­te aus und sie bekämpf­ten den quä­len­den Hun­ger mit Koka­in. Am 27. Janu­ar bra­chen Adams und Wild zusam­men. Mar­shall ging allei­ne zum nächs­ten Depot vor­aus, um eine Not­ra­ti­on zu holen und die Grup­pe zu ret­ten. Ein Schlecht­wet­ter­ein­bruch zu die­ser Zeit wäre das Ende von Shack­le­ton, Mar­shall, Wild und Adams gewe­sen, so wie Scott Ende März 1912 zusam­men mit Bowers und Wil­son in einem lang anhal­ten­den Bliz­zard nur 18 Kilo­me­ter vom nächs­ten Depot ent­fernt starb. Bald dar­auf bekam Wild Magen­pro­ble­me und ver­trug nur noch die knap­pen Hart­kek­se. In die­ser äußerst pre­kä­ren Situa­ti­on kam es zu der berühm­ten Sze­ne, wie Shack­le­ton sei­nen Keks an Wild abtrat. Wild mach­te in sei­nem Tage­buch den spä­ter oft zitier­ten Ein­trag „Ich neh­me an, nie­mand sonst auf der Welt kann wirk­lich ermes­sen, wel­che Groß­zü­gig­keit und Sym­pa­thie dar­in zum Aus­druck kam; ich weiß es, und Gott ist mein Zeu­ge, dass ich es nie ver­ges­sen wer­de. Mit kei­nem Geld der Welt hät­te man die­sen einen Keks kau­fen kön­nen“. Trotz­dem hat­ten bald alle Durch­fall, was ver­mut­lich an ver­dor­be­nem Pfer­de­fleisch lag.

Shackleton, zerbrochener Schlitten

Shack­le­ton auf der Rei­se nach Süden mit einem zer­bro­che­nen Schlit­ten.

Die nächs­ten Wochen des Mar­sches waren von äußers­ter Anstren­gung, Hun­ger, nach­las­sen­der Gesund­heit und somit von Angst um die siche­re Rück­kehr geprägt. Am 23. Febru­ar erreich­te die Grup­pe ein 4 Wochen zuvor von einer Schlit­ten­hun­de­grup­pe unter Joy­ce ange­leg­tes Depot, so dass die Lage sich hin­sicht­lich der Ver­sor­gung ent­schärf­te. Ange­sichts der davon­ei­len­den Zeit, die zudem wäh­rend es wei­te­ren Schnee­sturms ver­strich, ent­schied Shack­le­ton sich für einen Gewalt­marsch von 125 Kilo­me­tern zusam­men mit Wild nach Hut Point, um die Nim­rod vor Abfahrt zu errei­chen und auf­zu­hal­ten, wäh­rend der gesund­heit­lich stär­ker ange­schla­ge­ne Mar­shall zusam­men mit Adams im Zelt war­ten soll­te. Am 28. Febru­ar erreich­ten Shack­le­ton und Wild Hut Point und setz­ten dort Scotts magne­ti­sche Mess­hüt­te in Brand in der Hoff­nung, dass der Rauch bis Kap Royds sicht­bar sein wür­de. Tat­säch­lich kam bald dar­auf die Nim­rod in Sicht. Shack­le­ton ließ es sich nicht neh­men, selbst die Grup­pe zu lei­ten, die Adams und Mar­shall vom Eis­schelf hol­te. Am 04. März 1909 waren alle an Bord der Nim­rod. Sie hat­ten den letzt­lich nicht erfolg­rei­chen Vor­stoß zum Süd­pol knapp über­lebt, nach 2740 Kilo­me­tern in 128 Tagen mit Vor­rä­ten, die für 91 Tage berech­net gewe­sen waren.

Shackleton, zerbrochener Schlitten

Wild, Shack­le­ton, Mar­shall und Adams nach der Süd­rei­se zurück auf der Nim­rod.

Der Marsch zum süd­li­chen Magnet­pol

Der aus­tra­li­sche Geo­lo­ge Edge­worth David, immer­hin 51 Jah­re alt, über­nahm die Lei­tung der „nort­hern par­ty“, deren Auf­ga­be das Errei­chen des Magnet­pols war, wäh­rend Shack­le­ton mit der Süd­grup­pe zum Süd­pol unter­wegs war. Zur Nord­grup­pe gehör­ten neben David auch Dou­glas Maw­son, eben­falls Geo­lo­ge, und der Arzt Alis­ta­ir Mack­ay. Die­se Grup­pe hat­te sich schon bei der Erst­be­stei­gung des Mount Ere­bus bewährt. Gute Stim­mung war auch nicht unwich­tig, wenn man bedenkt, dass die 3 zusam­men in einem Schlaf­sack näch­tig­ten.

Nordgruppe am Kap Bernacchi

Die Nord­grup­pe am Kap Ber­nac­chi.

Am 05. Okto­ber 1908 brach die Nord­grup­pe auf. Ihr Gepäck muss­ten die 3 Män­ner selbst zie­hen, da die Ponys und Hun­de bei der Süd­grup­pe und den Depot­rei­sen im Ein­satz waren. Der Weg über das Meer­eis im McMur­do Sound war zäh, und um das Pro­gramm ein­schließ­lich Vor­stoß zum Magnet­pol durch­zu­füh­ren, ent­schied David, die Ratio­nen zu hal­bie­ren und alles, was ent­behr­lich war, zurück­zu­las­sen. Die Nor­denskjöld-Eis­zun­ge und die Dry­gal­ski Eis­zun­ge wur­den gequert, deren tücki­sche Glet­scher­spal­ten gefähr­lich waren. David muss­te nach einem Sturz in eine Spal­te von Maw­son geret­tet wer­den.

Nach dem Anstieg über den Ree­ves-Glet­scher erreich­ten David, Maw­son und Mack­ay am 27. Dezem­ber 1908 das Hoch­pla­teau und kamen dort bes­ser vor­an. Die genaue Posi­ti­on des Magnet­pols unter­liegt täg­li­chen Schwan­kun­gen und war daher nicht ein­fach fest­zu­stel­len, aber am 16. Janu­ar 1909 erreich­ten die 3 Män­ner nach­mit­tags bei 72°15′S/155°16′E ihr Ziel. Wie auch Shack­le­ton im Süden eine Woche zuvor, hat­ten sie das letz­te Stück in einem lan­gen, schnel­len Marsch ohne Gepäck zurück­ge­legt, so dass sie sich am Magnet­pol auf das Nötigs­te beschränk­ten: Flag­ge his­sen, Gegend für die Kro­ne in Besitz neh­men und Grup­pen­fo­to, gefolgt von einer schnel­len Kehrt­wen­de, beglei­tet von einem herz­haf­ten „Gott sei Dank“. Tat­säch­lich hat­te Maw­son am Mor­gen die­ses Tages vor­ge­schla­gen, im Zelt abzu­war­ten, bis der Magnet­pol im Rah­men sei­ner täg­li­chen Fluk­tua­tio­nen zu ihnen kom­men wür­de.

Die Nord­grup­pe (von links: Mack­ay, David, Maw­son) am ant­ark­ti­schen Magnet­pol, 16. Janu­ar 1909.

Nordgruppe am Magnetpol

Wegen man­geln­der Zeit und des mut­maß­lich auf­ge­bro­che­nen Eises im McMur­do Sound muss­ten die Män­ner hof­fen, an der Küs­te von der Nim­rod gefun­den zu wer­den, die dort ver­ab­re­dungs­ge­mäß nach der Nord­grup­pe suchen soll­te. Zeit­not, das Ver­feh­len eines Depots und schlech­tes Wet­ter, dass die Sich­tung der Grup­pe durch die gar nicht weit ent­fern­te Nim­rod ver­hin­der­te, lie­ßen die Lage pre­kär wer­den. Schließ­lich traf die Nim­rod am 04. Febru­ar in Reli­ef Inlet nörd­lich der Dry­gal­ski Eis­zun­ge auf die Nord­grup­pe, so dass die­se geret­tet war. Auch hier hät­te ein wei­te­rer Schlecht­wet­ter­ein­bruch oder ein frü­her Win­ter­be­ginn mit Zufrie­ren des Mee­res in Ufer­nä­he leicht zu einer Kata­stro­phe füh­ren kön­nen. Es ist unglaub­lich, was für eine Ansamm­lung glück­li­cher Zufäl­le über­haupt dazu führ­te, dass die West­grup­pe von der Nim­rod auf über 300 Kilo­me­tern Küs­ten­li­nie über­haupt gefun­den wur­de: Die Nim­rod hat­te die betref­fen­de Stel­le bereits pas­siert, war aber Stun­den spä­ter noch ein­mal umge­kehrt, weil ein klei­nes Stück der Küs­te hin­ter Eis­ber­gen ver­bor­gen gewe­sen war. In die­ser Zeit hat­ten David, Maw­son und Mack­ay die betref­fen­de Stel­le erst erreicht. Ohne die Eis­ber­ge wäre die Nim­rod wei­ter gefah­ren, und die Chan­cen der West­grup­pe, aus eige­ner Kraft Kap Royds zu errei­chen und zu über­le­ben, wären mar­gi­nal gewe­sen.

David, Maw­son und Mack­ay hat­ten in 122 Tagen über 2300 Kilo­me­ter zurück­ge­legt, viel davon durch schwie­ri­ges Gelän­de, weit­ge­hend ohne vor­her ange­leg­te Depots und ganz ohne Ponys. Ihre Leis­tung steht nicht hin­ter jener der Süd­grup­pe zurück.

Die West­grup­pe

Um das Pro­gramm der Ent­de­ckungs­fahr­ten voll­stän­dig zu machen, mach­te sich eine drit­te Grup­pe am 01. Dezem­ber auf, um dem McMur­do Sound zu über­que­ren und in den „wes­tern moun­tains“ (Tran­s­ant­ark­ti­sches Gebir­ge im Bereich der Tro­cken­tä­ler) geo­lo­gi­sche Erkun­dun­gen zu machen. Nach Anle­gen eines Depots für die Nord­grup­pe und einer Rück­kehr nach Kap Royds mach­te die­se West­grup­pe aus Lei­ter Armi­ta­ge, Priest­ley und dem immer noch an sei­nen erfro­re­nen Füßen lei­den­den Brock­lehurst sich auf, um den Fer­rar Gla­cier hoch­zu­stei­gen, was aus zeit­li­chen Grün­den aber nicht ganz gelang.

Nordgruppe am Kap Bernacchi

Camp der West­grup­pe, Cathe­dral Rocks.

Anwei­sungs­ge­mäß fan­den die 3 sich Anfang Janu­ar am But­ter Point ein, wo sie auf die Nord­grup­pe hät­ten sto­ßen sol­len, die aber nicht dort war. Nach eini­gen klei­ne­ren Exkur­sio­nen wur­de die West­grup­pe schließ­lich am 26. Janu­ar 1909 von der Nim­rod abge­holt. Bei­na­he wären Armi­ta­ge, Priest­ley und Brock­lehurst kurz zuvor auf einer Eis­schol­le ins offe­ne Meer abge­trie­ben. So kann man sagen, dass letzt­lich alle 3 Über­land-Rei­se­grup­pen der Nim­rod-Expe­di­ti­on nur mit Glück über­leb­ten.

War­ten auf die Süd­grup­pe und Heim­rei­se

Nun stand nur noch die Rück­kehr der Süd­grup­pe unter Shack­le­ton aus. Aller­dings wei­ger­te sich Fre­de­rick Evans, der nach den Kon­flik­ten des Vor­jah­res Eng­land als Kapi­tän der Nim­rod abge­löst hat­te, am Kap Royds Koh­len und Vor­rä­te aus­zu­la­den, um der Süd­grup­pe dort das Über­win­tern zu ermög­li­chen. Auch wur­de kein Such­trupp aus­ge­schickt, um Shack­le­ton ent­ge­gen zu kom­men. Eine Grup­pe von 6 Män­nern unter Maw­son berei­te­te sich auf eine wei­te­re Über­win­te­rung vor, um die Süd­grup­pe in Emp­fang zu neh­men. Gera­de noch recht­zei­tig erreich­ten Shack­le­ton und Wild am 01. März Hut Point und konn­ten sich von dort bemerk­bar machen, so dass die­se Plä­ne hin­fäl­lig wur­den. Schlech­tes Wet­ter und Eis ver­hin­der­ten in den nächs­ten Tagen, ver­blie­be­ne per­sön­li­che Gegen­stän­de von der Hüt­te am Kap Royds und geo­lo­gi­sche Pro­ben der Nord­grup­pe auf Depot Island zu holen, wie auch die Erkun­dung der Küs­te west­lich von Kap Ada­re. Am 09. März 1909 ver­ließ die Nim­rod die Küs­te der Ant­ark­tis und erreich­te am 22. März die Süd­küs­te von Ste­wart Island in Neu­see­land. In Lyt­tel­ton und Syd­ney gab es tri­um­pha­le Emp­fän­ge, dann trenn­ten sich die Wege für die Expe­di­ti­ons­teil­neh­mer. Shack­le­ton begann schon auf der Rück­fahrt nach Eng­land, an dem zwei­bän­di­gen Werk The Heart of the Ant­arc­tic zu schrei­ben, in dem er die Nim­rod-Expe­di­ti­on schil­der­te, ergänzt um Berich­te der West- und der Nord­grup­pe.

Auch der öffent­li­che Emp­fang in Eng­land ver­lief ins­ge­samt tri­um­phal, wenn auch Scott und die die­sen unter­stüt­zen­de Roy­al Geo­gra­phi­cal Socie­ty sich eini­ger Sti­che­lei­en nicht ent­hal­ten konn­ten. Zwar konn­te die RGS Shack­le­ton die Polar­me­dail­le in Gold nicht ver­wei­gern, aber ihr Prä­si­dent Mark­ham stell­te es dem Her­stel­ler frei, die­se ein wenig klei­ner anzu­fer­ti­gen als das Exem­plar, das Scott Jah­re zuvor erhal­ten hat­te. Frech­heit … aber es wird wohl kaum jemand nach­ge­mes­sen haben, und der Rit­ter­schlag von König Edward VII und ande­re Ehrun­gen auch aus ande­ren Län­dern über­strahl­ten die Nicke­lig­kei­ten von Mark­ham und Scott in der Öffent­lich­keit bei wei­tem. Auch anfäng­li­che Zwei­fel an der tat­säch­lich erreich­ten Posi­ti­on von Shack­le­tons Süd­grup­pe erwie­sen sich bei nähe­rer Prü­fung als unbe­rech­tigt. Finan­zi­ell aller­dings war Shack­le­tons Situa­ti­on auch nach der Ver­öf­fent­li­chung des Buches und Vor­trä­gen immer noch pre­kär. Nur ein wei­te­rer öffent­li­cher Zuschuss und das Erlas­sen eini­ger Schul­den bewahr­te ihn vor der Insol­venz, nicht aber vor einem schlech­ten Ruf in Finan­z­an­ge­le­gen­hei­ten. Dazu trug auch bei, dass die Nim­rod nicht in der Lage gewe­sen war, wäh­rend der Über­win­te­rung 1908 die For­schungs­fahr­ten erfolg­reich durch­zu­füh­ren, die eigent­lich ver­ab­re­dungs­ge­mäß Vor­aus­set­zung für die groß­zü­gi­ge Unter­stüt­zung der Regie­run­gen von Aus­tra­li­en und Neu­see­land gewe­sen waren.

Die drei Über­land­rei­sen sowie die Erst­be­stei­gung des Mount Ere­bus hat­ten die geo­gra­phi­sche Kennt­nis der Ant­ark­tis ent­schei­dend erwei­tert und letzt­lich auch den Weg zum Süd­pol über den Beard­mo­re Glet­scher gewie­sen, den Scott 1911/12 nahm. Die wis­sen­schaft­li­chen Arbei­ten waren auf allen Gebie­ten erfolg­reich durch­ge­führt wor­den, ers­te zusam­men­fas­sen­de Ergeb­nis­se wur­den bereits im zwei­ten Band von The Heart of the Ant­arc­tic ver­öf­fent­licht, wei­te­re Fach­ver­öf­fent­li­chun­gen folg­ten über vie­le Jah­re. Neben dem Errei­chen einer Posi­ti­on nur 97 geo­gra­phi­sche Mei­len (185 Kilo­me­ter) vom Süd­pol ent­fernt gehört der erfolg­rei­che Vor­stoß der Nord­grup­pe zum Magnet­pol zu den gro­ßen Leis­tun­gen der Nim­rod-Expe­di­ti­on. Auch wenn es nicht gelang, den Süd­pol zu errei­chen, war die­se Expe­di­ti­on von den ins­ge­samt drei, die Shack­le­ton selbst orga­ni­sier­te und lei­te­te, die erfolg­reichs­te. Dafür ist sie bis heu­te erstaun­lich wenig bekannt, da sie in der öffent­li­chen Wahr­neh­mung durch das bald fol­gen­de Ren­nen zum Süd­pol zwi­schen Amund­sen und Scott sowie Shack­le­tons spä­te­rer Endu­ran­ce-Expe­di­ti­on zurück­steht.

Letzt­lich hat Amund­sen es in sei­nem Buch Syd­po­len bes­ser als alle ande­ren for­mu­liert: „Sel­ten hat ein Mann einen grö­ße­ren Tri­umph gefei­ert. Sel­ten hat ein Mann es mehr ver­dient.“ und: „Einen bes­se­ren Beweis dafür, was Män­ner aus­rich­ten kön­nen, wenn sie all ihre Kraft und ihren Wil­len ein­set­zen, gibt es in der Geschich­te kaum. … Shack­le­tons Groß­tat ist der stol­zes­te Abschnitt in der Geschich­te der Erfor­schung der Ant­ark­tis.“ So schrieb Amund­sen es, nach dem er selbst den Süd­pol erreicht hat­te. Gut gesagt, und so kann es ste­hen­blei­ben.

Südlicht, Kap Royds

Süd­licht (Auro­ra aus­tra­lis) über der Hüt­te am Kap Royds.

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Letzte Änderung: 18. November 2014 · Copyright: Rolf Stange
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