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Polar-Fotografie

Polar-Fotografie: Rolf Stange

Da mich zuneh­mend foto­tech­ni­sche Fra­gen zur Polar-Foto­gra­fie errei­chen, gibt es nun hier zunächst ein paar Infos zu mei­ner Aus­rüs­tung. Die Sei­te wer­de ich sicher auch mal ergän­zen, je nach­dem, was für Fra­gen so auf­tau­chen.

Schö­ne Fotos kann man mit jeder klei­nen Knips­ma­schi­ne machen. Für qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge Fotos aber braucht man gute Aus­rüs­tung. Mit ande­ren Wor­ten: man muss erst viel zah­len und dann viel schlep­pen. Das ist lei­der so und zeigt sich ins­be­son­de­re an qua­li­ta­tiv guten Ergeb­nis­sen. Gera­de in Extrem­si­tua­tio­nen ist das so, etwa bei sehr wenig Licht, wenn Fotos, die mit licht­schwa­chen Objek­ti­ven und Kame­ras mit klei­nen Sen­so­ren auf­ge­nom­men wur­den, sehr stark rau­schen und im Zwei­fel auch noch ver­wa­ckelt sind. Oder bei weit ent­fern­ten Tie­ren, wo eine lan­ge, optisch hoch­wer­ti­ge Brenn­wei­te äußerst nütz­lich ist.

Ich foto­gra­fie­re jedes Jahr etli­che Mona­te tag­täg­lich und nut­ze mei­ne Fotos pro­fes­sio­nell. Das soll­te man beim Durch­le­sen der Aus­rüs­tungs­lis­te berück­sich­ti­gen, vor allem, wenn man sich die Mühe macht, die Prei­se dazu her­aus­zu­su­chen. Braucht man soviel Aus­rüs­tung, um auf einer Polar-Foto­gra­fie ange­mes­sen foto­gra­fie­ren zu kön­nen, also um die ein­ma­li­gen Gele­gen­hei­ten wirk­lich nut­zen und gute Fotos mit nach Hau­se neh­men zu kön­nen? Ant­wort ein­deu­tig: nein, wirk­lich nötig ist das nicht, es sei denn, man will tat­säch­lich das Maxi­mum her­aus­ho­len, und dar­um geht es mir per­sön­lich. Die aller­meis­ten wer­den mit einem 95 %-Ergeb­nis hoch­zu­frie­den sein und müs­sen nicht in ein Mehr­fa­ches an Aus­rüs­tung anschaf­fen und die­se auch schlep­pen, um ein 110 %-Ergeb­nis zu bekom­men. Wer noch nicht lan­ge foto­gra­fiert, für die Polar-Rei­se aber gutes Gerät anschaf­fen will, wird mit einer Kame­ra in der Art der Canon 700D oder 70D bes­tens bedient sein. Wer auf hohem Niveau ein­stei­gen will und vor allem an Tier­fo­tos denkt, könn­te über die Canon 7D nach­den­ken.

Hier ist also mei­ne kom­men­tier­te Aus­rüs­tung­lis­te (und nein, ich wer­de nicht von Canon oder sonst­wem dafür bezahlt oder sonst­wie geför­dert, ich kau­fe mir mei­ne Aus­rüs­tung zu nor­ma­len Prei­sen wie jeder ande­re auch. Wobei ich schon fin­de, dass die mich mal ein wenig spon­sern könn­ten ☺).

Kame­ra-Gehäu­se

  • Canon 5D Mark III. Der­zeit ohne jede Fra­ge mein wich­tigs­tes Arbeits­ge­rät und eine Kame­ra, die ich ohne Ein­schrän­kung jedem emp­feh­len wür­de, der sich ein (semi)professionelles Gehäu­se zule­gen will und nicht bereits auf ande­re Her­stel­ler fest­ge­legt ist. Kern­vor­tei­le: Voll­for­mat­sen­sor, schnell, robust, Video­funk­ti­on. Ein Grund, war­um ich Voll­for­mat­sen­so­ren mag: so kann man die rea­le Weit­win­kel­brenn­wei­te voll nut­zen. Dazu kommt natür­lich die Bild­qua­li­tät.
  • Canon Mark IV. Sehr schnel­les Gehäu­se mit CMOS-Sen­sor, der etwas klei­ner als Voll­for­mat ist und somit einen For­mat­fak­tor („Cropfak­tor“) von 1,3 hat. Somit wirkt bei­spiels­wei­se ein 400 mm Tele­ob­jek­tiv wie ein Objek­tiv mit 533 mm Brenn­wei­te. Das hat bei der Tier­fo­to­gra­fie natür­lich sei­ne Vor­tei­le. Ande­rer­seits kann man Weit­win­kel­ob­jek­ti­ve damit nicht voll aus­nut­zen, und der klei­ne­re CMOS-Sen­sor hat natür­lich ein schlech­te­res Rausch­ver­hal­ten als ein Voll­for­mat­sen­sor. Dar­über ist die Kame­ra deut­lich grö­ßer und schwe­rer als die 5D Mark III. Daher schlep­pe ich sie auf Wan­de­run­gen nicht mit mir her­um, son­dern ver­wen­de sie pri­mär für Tier­fo­tos vom Schiff aus.
  • Canon 5D Mark II. Das Vor­gän­ger­mo­dell der Mark III. Voll­for­mat­sen­sor mit her­vor­ra­gen­der Bild­qua­li­tät, aber der Auto­fo­kus ist im Ver­gleich so lang­sam, dass ich damit man­che poten­zi­ell gute Auf­nah­me sich schnell bewe­gen­der Tie­re ver­passt hat­te. Daher habe ich auf die 5D Mark III auf­ge­rüs­tet, benut­ze die 5D Mark II aber ger­ne noch als Reser­ve oder dann, wenn Schnel­lig­keit zweit­ran­gig ist.
Polar-Fotografie: kaputte Kamera

Selbst die bes­te Kame­ra über­steht es nicht, wenn man zu bru­tal mit ihr umgeht. Hier ist mir das Sta­tiv mit Kame­ra umge­fal­len. Scha­den: über 1000 Euro. Mei­ne Emp­feh­lung: eine gute Foto-Ver­si­che­rung. Ich habe mit der Foto­fair­si­che­rung gute Erfah­run­gen gemacht – ein Hin­weis, den ich aus Über­zeu­gung gebe, auch dahin­ter steckt kei­ner­lei Bezah­lung oder Spon­so­ring.

Objek­ti­ve

Zunächst ein paar all­ge­mei­ne Anmer­kun­gen. Pri­mär mache ich Rei­se­fo­to­gra­fie, wäh­rend ich auf Schif­fen und an Land mit Grup­pen unter­wegs bin. Da ändert sich die Situa­ti­on stän­dig, und sel­ten habe ich soviel Zeit, wie ich rein foto­gra­fisch gese­hen ger­ne hät­te (aber Foto­gra­fie ist eben nur ein Teil des­sen, was ich tue). Also: ich muss mich schnell auf mög­lichst alles ein­stel­len kön­nen. Daher ver­wen­de ich im All­tag vor allem Zoom­ob­jek­ti­ve. Wenn es geht, neh­me ich aber sehr ger­ne Fest­brenn­wei­ten, die qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ger und licht­stär­ker sind, aller­dings auch schwe­rer, teu­rer und eben weni­ger fle­xi­bel.

Übri­gens habe ich über die Jah­re schmerz­haft erfah­ren, dass bil­li­ge Objek­ti­ve ein sehr teu­rer Spaß sind. Lie­ber ein Objek­tiv weni­ger und dafür gleich etwas Ordent­li­ches.

Zoom­ob­jek­ti­ve:

  • Canon EF 24-105 mm f/4,0 L IS USM. Gutes Zoom­ob­jek­tiv, das vom Weit­win­kel bis hin zum leich­ten Tele alles abdeckt. Natür­lich ist das immer ein Kom­pro­miss aus Licht­stär­ke, opti­scher Qua­li­tät und Brenn­wei­ten­be­reich, aber wenn ich nur ein Objek­tiv mit­neh­men dürf­te, wäre es wahr­schein­lich die­ses.
  • Canon EF 16-35 mm f/2.8 L II USM. Ich foto­gra­fie­re ja ger­ne mit Brenn­wei­ten, die fern­ab des „Nor­mal­ob­jek­tivs“ (50 mm) lie­gen. Nach dem 24-105 mm ist die­ses Weit­win­kel sicher die Lin­se, die ich am häu­figs­ten drauf habe.
  • Canon EF 100-400 mm f/4.5-5.6 L IS USM. Das Tele-Zoom für den All­tag, das ich auch auf Wan­de­run­gen an Land fast immer dabei habe. Brenn­wei­te und Qua­li­tät decken die aller­meis­ten Bedürf­nis­se ab.
  • Canon EF 8-15 mm f/4 L USM (Fisch­au­ge-Zoom). Spe­zi­al­ob­jek­tiv, das der nor­ma­le Mensch eigent­lich nicht braucht, es sei denn, man hat recht extra­va­gan­te künst­le­ri­sche Vor­stel­lun­gen oder setzt es für Pan­ora­ma-Foto­gra­fie ein. Genau dafür benut­ze ich es, und zwar sehr viel. Sonst aber fast gar nicht.
Polar-Fotografie: Rolf Stange mit dem Weitwinkel bei der Arbeit

Mit dem Weit­win­kel bei der Arbeit

Dazu kom­men fol­gen­de Fest­brenn­wei­ten:

  • Canon EF 24 mm f/1.4 L II USM. Mei­ne licht­star­ke Wun­der­waf­fe, die per­fek­te Lin­se für Nord­licht! Aber auch pri­ma in Innen­räu­men und über­haupt immer dann, wenn das Licht knapp wird.
  • Canon EF 50 mm f/1.2 L USM. Stan­dard­brenn­wei­te, fin­de ich ehr­lich gesagt eine eher lang­wei­li­ge Per­spek­ti­ve (wahr­schein­lich kann ich ein­fach nicht rich­tig damit umge­hen …). Somit benut­ze ich das eher sel­ten. Aber qua­li­ta­tiv eine ganz her­vor­ra­gen­de Lin­se, die ins­be­son­de­re für Por­traits ger­ne benutzt wird. Aber wann mache ich schon mal Por­traits? So nah las­sen die Eis­bä­ren einen dann doch eher sel­ten ran­kom­men.
  • Canon EF 100 mm f/2.8 L Macro IS USM. Leich­tes Tele, das aber vor allem als Makro-Objek­tiv zum Ein­satz kommt, und da macht es mir sehr viel Freu­de. Qua­li­ta­tiv so hoch­wer­tig, dass ich auch ver­su­che, es etwa für Land­schafts­fo­to­gra­fie so oft ein­zu­set­zen, wie sich die Gele­gen­heit ergibt. Ein­fach mehr Schär­fe und Auf­lö­sung als man mit dem 24-105 mm bekommt. Fest­brenn­wei­te eben … aber um die Qua­li­tät tat­säch­lich zu nut­zen, muss man auch sehr sorg­fäl­tig und tech­nisch aus­ge­reift foto­gra­fie­ren.
  • Canon EF 600 mm 1:4 L IS II USM. Ande­re kau­fen sich ein Motor­rad, ich habe mir die­ses Objek­tiv zuge­legt, auf das ich rich­tig stolz bin. Ein tol­les Teil! Natür­lich eine extre­me Brenn­wei­te, die nur in bestimm­ten Situa­tio­nen zum Ein­satz kommt, pri­mär bei Tie­ren, die weit weg sind, sich aber nicht all­zu schnell bewe­gen. Einen schnell hin- und her flie­gen­den Vogel wie etwa eine Küs­ten­see­schwal­be kann man damit schlicht nicht foto­gra­fie­ren. Aber dann auch unschlag­bar gut, mit über­ra­gen­der opti­scher Qua­li­tät. Wegen des Gewichts set­ze ich die­ses Ding fast nur vom Schiff aus ein, auf Wan­de­run­gen neh­me ich es fast nie mit. Preis und Gewicht wer­den die Anschaf­fung für die meis­ten wohl kaum sinn­voll machen, ein klei­ne­res Tele wird in fast allen Fäl­len völ­lig aus­rei­chen­de Ergeb­nis­se lie­fern.
Polar-Fotografie: Rolf Stange mit dem 600 mm-Teleobjektiv

Mit dem 600 mm Tele in Akti­on. Da ist (fast) kein Eis­bär zu weit weg.

Und sonst noch:

  • Canon Exten­der EF 1.4x III, also ein Tele­kon­ver­ter. Wenn der Eis­bär ansons­ten selbst für das 600 mm mal zu weit weg ist. Der Kon­ver­ter und das 600 mm sind so hoch­wer­tig, dass die Kom­bi­na­ti­on bei nor­ma­len Ver­hält­nis­sen bes­tens funk­tio­niert. Wahr­schein­lich kommt auch der 2x-Kon­ver­ter noch dazu.
  • Blitz ist auch dabei, wird aber rela­tiv sel­ten genutzt.
  • Sta­tiv ist immer dabei und wird so oft es geht genutzt.
  • Der Pan­ora­ma­kopf ist seit Anfang 2013 dabei und ich nut­ze ihn, sooft ich kann, um die bereits sehr umfang­rei­che Samm­lung Polar-Pan­ora­men auf- und aus­zu­bau­en. Ein Frei­hand-Pan­ora­ma von der Land­schaft am Hori­zont ist kein Pro­blem, aber ein feh­ler­frei­es 360 Grad-Pan­ora­ma mit Objek­ten in der Nähe des eige­nen Stand­or­tes (Extrem­fall: Innen­räu­me) ist ohne spe­zi­el­le Pan­ora­ma-Aus­rüs­tung ein­fach nicht mög­lich.
  • Fil­ter benut­ze ich kaum, von den übli­chen Schutz­fil­tern abge­se­hen. Aber auch hier gilt: wer sich ein teu­res, hoch­wer­ti­ges Objek­tiv kauft, soll­te nicht ein bil­li­ges Stück Fens­ter­glas davor set­zen, son­dern einen Fil­ter, der qua­li­ta­tiv mit dem Objek­tiv mit­hal­ten kann. Sonst bringt das bes­te Objek­tiv nichts.
  • Nicht ver­ges­sen: Kame­ra und Objek­ti­ve immer mal rei­ni­gen. Nicht mit einem hal­ben Kilo Wüs­ten­sand auf dem Sen­sor in die Ark­tis rei­sen ☺

Wenn Geld kei­ne Rol­le spie­len wür­de, wür­de ich mir als nächs­tes wohl das 24 mm Tilt-Shift Objek­tiv zule­gen, um Hüt­ten in pola­ren Regio­nen ver­zer­rungs­frei foto­gra­fie­ren zu kön­nen. Wenn jemand mich foto­tech­nisch ernst­haft för­dern will, gibt es dazu also die Gele­gen­heit ☺ Ansons­ten: flei­ßig Bücher und Kalen­der kau­fen! Dann krie­ge ich das irgend­wann auch mal so hin.

Polar-Fotografie: Rolf Stange mit einem ganz anderen Spielzeug

Ein ganz ande­res Spiel­zeug …

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Letzte Änderung: 09. Mai 2014 · Copyright: Rolf Stange
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