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HomeLan­des­kun­de – Rei­se­infoAnt­ark­tis Geschich­te → Dry­gal­ski: Gauss-Expe­di­ti­on

Antarktis-Geschichte 3: die heroische Ära

Erich von Dry­gal­ski: die Gauß-Expe­di­ti­on (1901-03)

Wie auch die gleich­zei­ti­gen Expe­di­tio­nen von Scott (Dis­co­very), Bruce (Sco­tia) und Nor­denskjöld (Ant­arc­tic), folg­te die Gauß-Expe­di­ti­on unter der Lei­tung von Erich von Dry­gal­ski dem Auf­ruf des Inter­na­tio­na­len Geo­gra­phen-Kon­gres­ses von 1895 in Lon­don zu ver­stärk­ten Anstren­gun­gen in der Ant­ark­tis­for­schung, der letz­ten Groß­re­gi­on der Erde, die damals noch prak­tisch völ­lig unbe­kannt war. Die sich abzeich­nen­den Akti­vi­tä­ten meh­re­rer Natio­nen wur­den auf einem wei­te­ren geo­gra­phi­schen Kon­gress 1899 in Ber­lin koor­di­niert, wo unter ande­rem Cle­ments Mark­ham die bri­ti­schen Plä­ne für Scotts Dis­co­very-Expe­di­ti­on vor­trug und Erich von Dry­gal­ski über die geplan­te Gauß-Expe­di­ti­on berich­te­te. Die deut­sche Hal­tung war, dass man ande­ren Län­dern in die­ser Sache nicht nach­ste­hen dür­fe, aber man woll­te sich auch nicht zum Vor­rei­ter machen. Als Arbeits­ge­biet nahm die Ers­te deut­sche Ant­ark­tis-Expe­di­ti­on sich die Ant­ark­tis süd­lich von Aus­tra­li­en vor.

Da die Eng­län­der und die Schot­ten jeweils flei­ßig Fort­schrit­te bei ihren Plä­nen mach­ten, bewil­lig­te schließ­lich auch Ber­lin die Mit­tel für eine Ant­ark­tis-Expe­di­ti­on. Das Expe­di­ti­ons­schiff Gauß, eine Bar­ken­ti­ne (Drei­mas­ter mit Quer- und Rah­se­geln) mit Dampf­ma­schi­ne, lief 1901 in Kiel vom Sta­pel, es war nach dem Vor­bild der Fram von Fri­dt­jof Nan­sen gebaut wor­den und ent­täusch­te die Erwar­tun­gen hin­sicht­lich der Robust­heit nicht. Tat­säch­lich war es so stark gebaut, dass der Abwra­cker, der die ab 1904 im kana­di­schen Besitz befind­li­che und in Arc­tic umbe­nann­te Gauß aus­ein­an­der­neh­men woll­te, sich schließ­lich gezwun­gen sah, das Schiff ver­rot­ten zu las­sen. Ent­ge­gen sons­ti­ger Gepflo­gen­hei­ten wur­de das Schiff übri­gens immer der Gauß genannt und nicht die Gauß.

Scotts Schiff Discovery

Der Gauß, das Schiff der Ers­ten deut­schen Ant­ark­tis-Expe­di­ti­on, im Eis. Eines der ers­ten Luft­bil­der aus der Ant­ark­tis, auf­ge­nom­men vom Heiß­luft­bal­lon im März 1903.

Der Lei­ter der Expe­di­ti­on, Erich Dago­bert von Dry­gal­ski (1865-1949), war Geo­graph und hat­te sich mit zwei erfolg­rei­chen Grön­land-Expe­di­tio­nen (1891 und 1892/93) für die Lei­tung eines grö­ße­ren Unter­neh­mens qua­li­fi­ziert.

Erich von Dry­gal­ski, Lei­ter der deut­schen Gauß-Expe­di­ti­on (1901-03).

Erich von Drygalski

Schließ­lich leg­te der Gauß am 11. August 1901 in Kiel ab. 32 Teil­neh­mer waren an der Expe­di­ti­on betei­ligt. Über die Kap­ver­den, Kap­stadt und die Cro­zet-Insel ging es nach Ker­gue­len, einer klei­nen Insel­grup­pe im süd­li­chen Indi­schen Oze­an, wo für die gesam­te Dau­er der Expe­di­ti­on eine Sta­ti­on mit magne­ti­schem und meteo­ro­lo­gi­schem Obser­va­to­ri­um ein­ge­rich­tet wur­de. Die Besat­zung die­ser Sta­ti­on reis­te mit­samt Mate­ri­al auf einem eige­nen Schiff an, dem Lloyd-Damp­fer Tang­lin. Die Mann­schaft der Tang­lin bestand teil­wei­se aus Chi­ne­sen, von denen 2 bei Ker­gue­len an der Krank­heit Beri­be­ri star­ben. Lei­der war der Erre­ger auf unbe­kann­tem Weg in die Sta­ti­on gelangt, wo 2 Män­ner von der Krank­heit befal­len wur­den. Der Meteo­ro­lo­ge Enzen­sper­ger starb und wur­de auf Ker­gue­len beer­digt.

Station der Gauß-Expedition auf den Kerguelen

Die Sta­ti­on der Gauß-Expe­di­ti­on auf den Ker­gue­len.

Am 21. Febru­ar 1902 wur­de die Küs­te der Ant­ark­tis erst­mals gesich­tet. Die­ses Gebiet, um 90°E, nann­te Dry­gal­ski Wil­helm II Land. Aller­dings saß der Gauß bald dar­auf im Pack­eis fest und es wur­de klar, dass das Schiff vor der Küs­te im über­win­tern muss­te, fast genau am Süd­po­lar­kreis. Die Expe­di­ti­on führ­te einen Heiß­luft­bal­lon mit und Dry­gal­ski konn­te die ers­ten Luft­auf­nah­men in der Ant­ark­tis machen. Am 29. März 1902 sah er in der Ent­fer­nung einen dunk­len Punkt, den er als eis­frei­es Land iden­ti­fi­zier­te. Bald dar­auf erreich­te eine Schlit­ten­grup­pe die­sen Punkt in 80 Kilo­me­tern Ent­fer­nung vom Schiff. Es han­del­te sich um einen 371 Meter hohen, erlo­sche­nen, aber eis­frei­en Vul­kan, das ein­zi­ge nicht ver­glet­scher­te Land weit und breit. Der Vul­kan wur­de Gauß­berg genannt und noch vor dem Win­ter und erneut im Früh­jahr unter­sucht.

Gaussberg

Der Gauß­berg „von Nord­os­ten, aus etwa 3 Kilo­me­ter Ent­fer­nung.“

Dry­gal­ski hat­te auch gehofft, eine län­ge­re Schlit­ten­rei­se bis min­des­tens 72°S unter­neh­men zu kön­nen, also über eine Ent­fer­nung von gut 600 Kilo­me­ter Luft­li­nie (ein Weg), gab die­sen Plan aber auf­grund der unsi­che­ren Lage des im Eis drif­ten­den Schif­fes auf.

Erst nach 11 Mona­ten im Eis gelang es Anfang Febru­ar 1903, den Gauß wie­der manö­vrier­fä­hig zu machen. Noch fast 2 Mona­te lang wur­de ver­sucht, die Küs­te zu errei­chen und zu ver­mes­sen, was letzt­lich wegen der schwie­ri­gen Eis­ver­hält­nis­se ohne grö­ße­re Erfol­ge auf­ge­ge­ben wer­den muss­te. Ende März 1903 ver­ließ der Gauß die Ant­ark­tis und erreich­te im Novem­ber Kiel.

Über die Ent­de­ckung des Gauß­bergs und der Ver­mes­sung der nahe gele­ge­nen Küs­ten­ab­schnit­te hin­aus gelan­gen der Gauß-Expe­di­ti­on von Erich von Dry­gal­ski kei­ne nen­nens­wer­ten geo­gra­phi­schen Ent­de­ckun­gen. Vor­sich­ti­ger­wei­se hat­te Dry­gal­ski den Ver­such zu grö­ße­ren, wag­hal­si­ge­ren Schlit­ten­rei­sen unter­las­sen, was der Expe­di­ti­on spä­ter mit­un­ter vor­ge­wor­fen wur­de, auch da Scotts Dis­co­very-Expe­di­ti­on im Ross­meer und Nor­denskjölds Ant­arc­tic-Expe­di­ti­on im Wed­dell­meer jeweils einen Auf­se­hen erre­gen­den Ver­lauf und die Ent­de­ckung von neu­em Land vor­wei­sen konn­ten. Dafür wid­me­te man sich auf der Gauß-Expe­di­ti­on inten­siv der gründ­li­chen wis­sen­schaft­li­chen For­schung vor allem im Bereich der Geo­phy­sik, also Magne­tis­mus und Meteo­ro­lo­gie, und konn­te hier auf umfang­rei­che Ergeb­nis­se ver­wei­sen, die letzt­lich in einem 20-bän­di­gen Werk her­aus­ge­ge­ben wur­den.

Letzte Änderung: 04. November 2014 · Copyright: Rolf Stange
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