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Monats-Archiv: Januar 2015 − News & Stories


Bel­lings­hau­sen See

15.-17. Janu­ar 2015 – Von hier an beginnt die wirk­lich ant­ark­ti­sche Odys­sey, die gewal­ti­gen Ent­fer­nun­gen um einen guten Teil des Kon­ti­nents her­um. Vie­le hun­der­te See­mei­len über offe­nes Meer. Die Küs­te bleibt dabei so weit weg im Süden, dass sie außer Sicht ist, das­sel­be gilt für das Treib­eis. So soll es jeden­falls sein, denn wenn wir jetzt schon anfan­gen, um das Eis her­um­zu­kur­ven, dann wer­den wir nie irgend­wo ankom­men. Zeit ist unse­re wert­volls­te Res­sour­ce.

Und sie ver­geht schnell. Mal mit Bri­se, mal ohne, aber die See ist ins­ge­samt ruhig wäh­rend die­ser ers­ten Tage durch die Bel­lings­hau­sen See. Bei kräf­ti­ger Bri­se ste­hen die Foto­freun­de ger­ne warm ein­ge­packt an Deck, denn die schön gepunk­te­ten Kapsturm­vö­gel glei­ten per­ma­nent am Schiff vor­bei, in schein­bar unend­li­cher Zahl. Wahr­schein­lich sind es immer die­sel­ben Vögel, die krei­sen und krei­sen und dabei alle paar Minu­ten an uns vor­über­glei­ten, aber es müs­sen den­noch eini­ge hun­dert sein. Immer wie­der setzt sich einer kurz aufs Was­ser nie­der, taucht den Kopf in die Wel­len und fliegt wie­der auf, was­ser­tre­tend den klas­si­schen Anlauf neh­mend, der den Sturm­vö­geln zu ihrem eng­li­schen Namen Petrel ver­hol­fen hat, in Anleh­nung an den bibli­schen Petrus, der eben­falls ver­such­te, übers Was­ser zu lau­fen, aller­dings mit etwas weni­ger Erfolg als sein Chef. Im Gegen­satz zu Petrus ver­sin­ken die Petrels nicht im Was­ser, son­dern fah­ren als­bald in den Him­mel auf, zumin­des t ein paar Meter weit und mit einem Krill im Bauch, wie auch immer sie den aus dem Flug sehen. Ich habe noch nie vom fah­ren­den Schiff aus Krill im Was­ser ent­deckt. Wenn ich dar­auf ange­wie­sen wäre, wäre ich ver­mut­lich schon längst ver­hun­dert. Aber was für uns nach Was­ser­wüs­te aus­sieht, ist für die­se Mee­res­vö­gel ein oft reich gedeck­ter Tisch.

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Die super­ab­ge­le­ge­ne Peter I Insel bleibt hin­ter Wol­ken und Wel­len ver­bor­gen. Ein paar Stun­den hän­gen wir um die so gut wie unsicht­ba­re Insel her­um, set­zen pro­be­hal­ber ein Zodiac aufs Was­ser, wohl wis­send, dass der See­gang das eigent­lich nicht zulässt. Wie immer sehen die Wel­len an der Gang­way auf Mee­res­hö­he noch übler aus als von oben, erst hängt die Platt­form hoch über dem Was­ser, dann wie­der ist sie über­flu­tet, und das wech­selt alle paar Augen­bli­cke. Kei­ne Chan­ce. So win­ken wir der trost­lo­sen Insel noch ein­mal durch die Wol­ken zu und fah­ren wei­ter nach Wes­ten. Gegen Wet­ter und Eis kommt man in die­sen Brei­ten nicht weit, der mensch­li­che Wil­le zählt hier nichts gegen die Kräf­te der Natur. Natür­lich bringt das auch mal Ent­täu­schung mit sich, und manch­mal kann es schwie­rig sein, das zu akzep­tie­ren.

Crys­tal Sound

Die wohl­be­kann­ten Sun­de und Inseln der mitt­le­ren Ant­ark­ti­schen Halb­in­sel, wo man doch immer irgend­wo eine halb­wegs geschütz­te Bucht fin­det, lie­gen nun also hin­ter uns, und vor uns das halb­wegs unge­wis­se. Wir bewe­gen uns nun in schwie­ri­ge­res Ter­rain: offe­ne­res, weni­ger geschütz­tes Gewäs­ser, mehr Eis, weni­ger geschütz­te Buch­ten, län­ge­re Distan­zen.

Früh wur­de klar, dass die Fish Islands uns nicht haben woll­ten. Immer­hin früh genug, dass ein zunächst ange­dach­ter Ver­such vor Tau und Tag erst gar nicht zur Debat­te stand. Schön, das zu wis­sen, bevor um 4 Uhr früh der Wecker klin­gelt. Ein zwei­ter Ver­such am spä­te­ren Vor­mit­tag ende­te vor einer gewal­ti­gen Rei­he trei­ben­der, rie­si­ger Eis­ber­ge, nur halb sicht­bar in Wind und Schnee­trei­ben, die wie eine Pha­lanx auf­mar­schier­ter eisi­ger Wäch­ter dort stan­den, um jeden ein­drin­gen­den Stö­ren­fried fort­zu­wei­sen. Die Bot­schaft war klar, man woll­te uns dort heu­te nicht.

Die Fish Islands sind eine klei­ne Grup­pe von Schä­ren, die es kaum ver­die­nen, Inseln genannt zu wer­den. Gera­de groß genug für Ade­lie­pin­gui­ne und Blau­au­gen­schar­ben (Kor­mo­ra­ne). Wir wür­den woan­ders etwas fin­den.

Detail­le Island hieß das nächs­te Ziel, aber zunächst war die magi­sche Linie zu über­win­den, die die hohen Brei­ten von den noch höhe­ren Brei­ten trennt: der Süd­po­lar­kreis. Im Nor­den kann man das wahl­wei­se mit dem Bus, dem Zug, dem Fahr­rad oder zu Fuß machen, oft geschieht es ganz unbe­wusst im Flug­zeug. Im Süden ist der Klub derer, die den Polar­kreis gequert haben, deut­lich exklu­si­ver. Klar, das muss­te gefei­ert wer­den, und unser furcht­lo­ser Anfüh­rer Don hat­te sei­ne ganz spe­zi­el­len Ritua­le parat. Viel­leicht alte Tra­di­ti­on aus Neu­see­land? Jeden­falls sahen vie­le hin­ter­her aus wie täto­wier­te Mao­ri-Häupt­lin­ge (fast, jeden­falls).

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Eine Mei­le vor Detail­le Island hat­te die Natur wie­der ihre Wäch­ter aus Eis auf­ge­stellt. Nicht so mäch­tig wie heu­te früh, klei­ne­re Eis­ber­ge, ber­gy bits und Meer­eis­schol­len. Die klei­ne Insel selbst mit ihrer his­to­ri­schen Hüt­te war somit uner­reich­bar, aber wir waren bald in den Zodiacs und über­all von Eis umge­ben, bizar­re For­men, tief­blaue Far­ben, meh­re­re Krab­ben­fres­ser­rob­ben auf dem Eis. Ein guter Abschied von der Ant­ark­ti­schen Halb­in­sel. Auf in die Bel­lings­hau­sen See, Kurs auf Peter I Island.

Peter­mann Island

Der Lemai­re Chan­nel ist sicher eines der berühm­tes­ten Stück­chen Ant­ark­tis. Jeden Süd­som­mer fah­ren dort tau­sen­de von Tou­ris­ten hin­durch und erfreu­en sich an der gran­dio­sen Land­schaft. Links die Ant­ark­ti­schen Halb­in­sel, rechts Booth Island. Bei­der­seits wil­de Ber­ge, fast 1000 m hoch, und beein­dru­cken­de Glet­scher, die einem fast auf den Kopf zu fal­len schei­nen. Das hat schon den Bel­gi­er de Ger­la­che und den sei­ner­zeit noch jun­gen und unbe­kann­ten Roald Amund­sen beein­druckt, Anfang 1898 war das. Die Pas­sa­ge ist nur weni­ge 100 m breit, aus der Distanz scheint es gar kei­nen Durch­lass zu geben, und tat­säch­lich ist das Fahr­was­ser gele­gent­lich von Treib­eis ver­sperrt. Heu­te lie­ßen die Eis­ber­ge reich­lich offe­nes Was­ser. Krab­ben­fres­ser­rob­ben und See­leo­par­den schau­en zu, wie die Orte­li­us sich ihren Weg sucht.

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Die meis­ten Schif­fe fah­ren auf einer Rei­se zwei­mal hin­durch, näm­lich auf dem Rück­weg. Wir fah­ren aber nicht zurück, son­dern immer wei­ter. Unser Halt bei Peter­mann Island mar­kiert sonst oft den Umkehr­punkt, für uns ist das eine Weg­mar­ke auf der Rou­te nach Süden. Ent­ge­gen aller Befürch­tun­gen ist die Lan­de­stel­le in der klei­nen, fel­si­gen Bucht nicht von den gro­ßen Men­gen trei­ben­der Glet­scher­eis­stü­cke blo­ckiert. Mir fällt die erfreu­li­che Auf­ga­be zu, das süd­li­che Ende der Insel zu bewa­chen, wo sich aber nie­mand hin ver­irrt. Nun, die Haupt­at­trak­ti­on für die meis­ten sind sicher die Ade­lie­pin­gui­ne, eine im Rah­men die­ser Fahrt neue Art, und die sind nun ein­mal am gegen­über­lie­gen­den Ende der Insel, ein paar hun­dert Meter ent­fernt. So ver­brin­ge ich eine ange­neh­me Wei­le auf einem Stein sit­zend, der wie eine klei­ne Insel in einem Meer von Schnee liegt, und leis­te einer Kolo­nie von Esel­spin­gui­nen Gesell­schaft, die mun­ter damit beschäf­tigt sind, sich gegen­se itig Stei­ne vom Nest zu klau­en und ihren Nach­wuchs zu füt­tern. Sie brü­ten um ein Holz­kreuz her­um, das an 3 bri­ti­sche Wis­sen­schaft­ler erin­nert, die hier in der Nähe im Treib­eis ver­schwun­den sind. Ob sie mit einer Eis­schol­le abge­trie­ben oder durch dün­nes Eis gebro­chen sind, weiß ver­mut­lich kein Mensch. Aber sogar die Pin­gui­ne schei­nen sich vor dem Kreuz zu ver­nei­gen.

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Hier errei­chen die Esel­spin­gui­ne ihre süd­li­che Ver­brei­tungs­gren­ze. Im der ant­ark­ti­schen Umgangs­spra­che wird die­ser rela­tiv mil­de Küs­ten­strei­fen der Ant­ark­ti­schen Halb­in­sel zwi­schen 64 und 65 Grad Süd mit­un­ter tat­säch­lich als „Bana­nen­küs­te“ der Ant­ark­tis bezeich­net. Mild sieht es hier gar nicht aus, über­all Schnee und Eis. Es fühlt sich heu­te auch nur des­halb mild an, weil das Wet­ter gut ist.

Mild oder wild, wir las­sen die­se Küs­te hin­ter uns und neh­men Kurs auf käl­te­re Gefil­de.

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Para­di­se Bay

Para­di­se Bay (eigent­lich: Para­di­se Har­bour) gehört zu den Klas­si­kern der Ant­ark­ti­schen Halb­in­sel, ein ech­ter Publi­kums­lieb­ling. Hier kul­mi­niert die gran­dio­se Küs­ten­land­schaft der Ant­ark­tis. Stei­le, dunk­le Fels­wän­de erhe­ben sich fast 1000 m in die Wol­ken, und dazwi­schen schie­ben sich wild zer­klüf­te­te Glet­scher zum Meer hin­ab und pro­du­zie­ren ein­drück­lich don­nernd eine gewal­ti­ge Men­ge von Eis­ber­gen. Das Gan­ze ergänzt mit einer gemüt­lich auf Eis schla­fen­den Wed­dell-Rob­be und einem kurz vor­bei­zie­hen­den Zwerg­wal, und ein fast drei­stün­di­ger Zodiac-Aus­flug geht vor­bei, bevor man über­haupt merkt, wie lan­ge man tat­säch­lich schon unter­wegs war.

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Wei­ter Rich­tung Lemai­re Chan­nel und Peter­mann Island. Bis vor 2 Tagen war der Lemai­re Chan­nel von Eis blo­ckiert, wird sind gespannt, ob wir nun hin­durch­kom­men wer­den.

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Decep­ti­on Island

Es gehört zu die­sem Polar­fahr­erle­ben, immer wie­der an die glei­chen Orte zurück­zu­keh­ren. Natür­lich gibt es die eine oder ande­re Stel­le, an die der Wind einen nur ein­mal im Leben hin­weht, ande­re Orte sind Rou­ti­ne, die meis­ten irgend etwas dazwi­schen. Auf man­che freue ich mich jedes Mal, auf ande­re könn­te ich – zuge­ge­ben – ab und an auch mal ver­zich­ten.

Zu letz­te­ren gehört Decep­ti­on Island. Die Insel hat ihren Namen („Betrug-Insel“) ja aus gutem bezie­hungs­wei­se aus schlech­tem Grund. Man muss sich ja nicht dar­an stö­ren, dass die­ser Grund gar nicht mehr so ganz genau bekannt ist. Jeden­falls fühlt man sich oft genug nach dem Besuch um die wert­vol­le Zeit betro­gen. Aber jeder kennt die­se Insel und fast jeder will sie unbe­dingt sehen.

Nicht heu­te. Schon die Anfahrt purer Ant­ark­tis-Genuss, eine leich­te Bri­se unter grel­ler Sonn­ne, der Ring der Cal­de­ra, aus der Decep­ti­on Island besteht, in vol­ler Brei­te vor­aus. Die Ein­fahrt ist ja so eine Sache für sich, mit­ten in die ohne­hin schon schma­le Was­ser­stra­ße hat die Natur wohl in einem Anfall schlech­ter Lau­ne einen Fel­sen gesetzt, Raven Rock, der frü­her so man­ches Schiff mehr gekos­tet hat als nur einen Krat­zer im Lack.

Die nor­we­gi­schen Wal­fän­ger waren robus­te Leu­te. Haben ein­fach eine Wal­fang­sta­ti­on in den schwar­zen Sand gesetzt. Wer meint, in Decep­ti­on Island wäre es weni­ger win­dig als drau­ßen in der Brans­field Strait, sieht sich bald getäuscht (Decep­ti­on!), und man möch­te nicht wis­sen, wie es damals war, im eisi­gen Wind zu ste­hen, mit Natur-Sand­strahl­ge­blä­se im Dau­er­be­trieb, und bis Ober­kan­te Unter­lip­pe in Wal­blut und Tran zu ste­hen, den gan­zen Tag lang.

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Davon ist wenig übrig, genau­so wenig wie von einer spä­ter fol­gen­den For­schungs­sta­ti­on. Vul­kan­aus­brü­che haben mit Asche­re­gen und Schmelz­was­ser­strö­men dar­aus Trüm­mer­hau­fen gemacht.

An einem nor­ma­len, also win­di­gen, kal­ten, grau­en Tag ist man schnell durch und hin­ter­her froh, wie­der auf dem war­men Schiff zu sein. Aber in der Son­ne kann man es aus­hal­ten. Ja natür­lich, Natur ist bei jedem Wet­ter span­nend und es gibt immer was zu sehen und tol­le Fotos kann man immer machen, aber … nichts aber, bei Mist­wet­ter macht es ein­fach wenig Freu­de hier. Heu­te aber fan­gen vie­le span­nen­de Details den Blick und berei­ten dem Foto­gra­fen Freu­de, die Kom­bi­na­ti­on aus ver­fal­len­den Gebäu­den, ros­ten­der Tech­nik und ant­ark­ti­scher Natur mit vul­ka­ni­schem Hin­ter­grund ist ein­ma­lig-bizarr. Von bun­tem Vul­kan­ge­stein über ein­sa­me Moos­fle­cken und den alten Flug­zeug­han­gar (habe ewig gebraucht und die Kame­ra fast in der Asche ver­bud­delt, bis der ordent­lich auf dem Sen­sor war) bis zu den alten Grab­kreu­zen (dito).

Wenn man nun bedenkt, dass der Besuch auf Half­moon Island am frü­hen Mor­gen des glei­chen Tages statt­ge­fun­den hat, kann man guten Gewis­sens sagen: der Tag hat’s in sich gehabt.

Half­moon Island

Hur­ra – Land! Wir waren ja nur 2 Tage auf einer äußerst ent­spann­ten See unter­wegs, nichts im Ver­gleich zu dem, was noch kom­men wird, aber ankom­men ist immer schön. Ange­kom­men sind wir bei den Süd­s­het­land Inseln, der Ant­ark­ti­schen Halb­in­sel vor­ge­la­gert, sozu­sa­gen in die Dra­ke-Pas­sa­ge hin­aus­ge­scho­ben. Ent­spre­chend ist das Wet­ter da meis­tens sch … und die Erwar­tun­gen ges­tern waren auch begrenzt, die Inseln waren näm­lich bei der Anfahrt weit­ge­hend unsicht­bar, hin­ter Schnee­schau­ern ver­bor­gen.

Als wir mit­ten in der Nacht Half­moon Island erreicht haben, war der Wind gera­de so ungüns­tig, dass wir nicht an der übli­chen Anker­stel­le ankern konn­ten, in der sonst so schön geschütz­ten Bucht die­ser aus­ge­prägt halb­mond­för­mi­gen Insel. Wir waren außen, sozu­sa­gen auf der Rück­sei­te des Mon­des. Und die­se Rück­sei­te des Mon­des war dun­kel heu­te früh, ein lan­ger Ritt in den Zodiacs in die Wel­len, und Kol­le­ge Dima und ich haben eine gan­ze Wei­le mit den Wat­stie­feln in der (mode­ra­ten) Bran­dung gestan­den und Boo­te fest­ge­hal­ten, bis schließ­lich alle an Land waren. Um 5 Uhr früh, wohl­ge­merkt, also vor jeg­li­cher Art von Früh­stück. So macht es Freu­de! Schlaf wird ja gemein­hin über­be­wer­tet, und Essen sowie­so. Wer will schla­fen, wenn man statt­des­sen auf einer klei­nen Ant­ark­tis-Insel her­um­spa­zie­ren und Kehl­streif­pin­gui­ne bestau­nen kann? Das sind die lau­tes­ten, dre­ckigs­ten, agils­ten und streit­lus­tigs­ten aller ant­ark­ti­schen Pin­gui­ne, und ihnen zuzu­schau­en wird somit nie lang­wei­lig.

Mit­ten­drin in einer der Kolo­nien stand ein Gold­schopf­pin­gu­in (den ken­nen vie­le sicher als Mak­ka­ro­ni­pin­gu­in). Was auch immer er da so macht, er muss sich dort doch eigent­lich füh­len wie ein Pferd in einer Her­de Kühe, aber es scheint ihm da zu gefal­len, er steht näm­lich oft da. Gut für uns, denn die­se Art liegt ansons­ten wohl kaum noch auf unse­rer Rou­te, und mit die­sem gold­blond­be­schopf­ten, dick rot­schnä­be­li­gen Bewoh­ner sub­ant­ark­ti­scher Inseln hät­ten wir sonst ohne Zwei­fel etwas ver­passt. Vom Anblick der Kolo­nien vor der gran­dio­sen Kulis­se der umlie­gen­den Insel (Living­ston und Green­wich Islands) kann man sich kaum los­rei­ßen … aber dann ver­lang­te doch um 8 Uhr der Bauch nach einem Früh­stück. Wohl­ver­dien­ter­ma­ßen.

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Wenn Living­ston Island ein­mal den Wol­ken­strip macht und sich in gan­zer Pracht zeigt, ist das gran­di­os. Ein paar Zier­wol­ken über den Gip­feln, blau­er Him­mel über der Brans­field Strait, bren­nen­de Son­ne auf der Haut und bla­sen­de Bucke­wa­le vor dem Schiff. Eine Mut­ter mit Kalb zieht gemüt­lich ihre Run­den, ohne Notiz von uns zu neh­men. Unver­gess­li­che Stun­den!

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Dra­ke-Pas­sa­ge

10.-11. Janu­ar 2015 – Vor die Ant­ark­tis hat der lie­be Gott die Dra­ke-Pas­sa­ge gesetzt, und die hat ja einen guten Ruf. Dem wird sie aller­dings gera­de so ganz und gar nicht gerecht, zu unse­rer gro­ßen Freu­de. Die nächt­li­che Aus­fahrt aus dem Bea­gle-Kanal war prak­tisch nicht zu mer­ken, und man könn­te nun an Bord fast Bil­lard spie­len, was auf schwan­ken­dem Unter­grund ja so eine Sache ist. Also wirk­lich kein Grund zur Kla­ge. Wer woll­te, konn­te sich ges­tern sogar einen Son­nen­brand an Deck holen. Ges­tern waren eher weni­ge Vögel ums Schiff her­um unter­wegs, heu­te Vor­mit­tag wur­den es mehr: Wan­der­al­ba­tros­se ver­schie­de­ner Alters­stu­fen, was man ihnen am Gefie­der ja schön anse­hen kann. Je älter sie sind, des­to wei­ßer wer­den sie. Dazu eine gute, reprä­sen­ta­ti­ve Aus­wahl die­ser Wind­be­woh­ner von den klei­nen, leb­haf­ten Bunt­fuß­sturm­schwal­ben (wer denkt sich so einen Namen aus?) über die schön gemus­ter­ten Kapsturm­vö­gel und ver­ein­zel­te Weiß­kinn­sturm­vö­gel bis zu den majes­tä­ti­schen Alba­tro ssen. Alle ste­hen an Deck, erfreu­en sich an dem Schau­spiel und machen Ziel­schie­ßen mit den Kame­ras. Glück­lich, wer über schnel­les Gerät ver­fügt J

Am zwei­ten Tag ist es merk­bar käl­ter, die Luft beißt schon ein wenig durch dün­ne Kla­mot­ten hin­durch, der eine oder ande­re Schnee­schau­er redu­ziert die Sicht vor­über­ge­hend. Zwi­schen­durch las­sen sich die ers­ten Wale bli­cken, eine Grup­pe von 7-8 Finn­wa­len, die über 3000 m Was­ser ihre bedäch­ti­gen Bah­nen zie­hen.

Man wür­de wohl nicht ver­mu­ten, dass man auf einer Ant­ark­tis-Rei­se zunächst zum Staub­saugen gezwun­gen ist. Aber der ver­se­hent­li­che Trans­port irgend­wel­cher an der Klei­dung haf­ten­der Samen oder Insek­ten muss um jeden Preis ver­mie­den wer­den, und da fällt eine klei­ne Rei­ni­gung von Klei­dung und Aus­rüs­tung nicht nen­nens­wert ins Gewicht.

Unnö­tig zu erwäh­nen, dass die­se Tage auf See regel­mä­ßig von Vor­trä­gen auf­ge­bro­chen wer­den, von Ein­füh­run­gen in die See­vö­gel und Wale der Regi­on bis hin zu den obli­ga­to­ri­schen Ein­wei­sun­gen in umwelt­freund­lich-gutes Beneh­men in der Ant­ark­tis.

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Nach­mit­tags fängt es an zu schnei­en. Die Süd­s­het­land Inseln sind nicht mehr weit, bei guter Sicht hät­ten wir sie schon am Hori­zont im Blick. Kapsturm­vö­gel in gro­ßer Zahl und ein wun­der­schö­ner, ele­gan­ter Ruß­al­ba­tros krei­sen um das Schiff, wäh­rend an Bord die Span­nung mit jeder Mei­le steigt.

Ushua­ia & Bea­gle-Kanal

Unglaub­lich, wie­viel 152 Men­schen in 31 Tagen fut­tern sol­len. Weit über ein Dut­zend Leu­te kann sich über einen hal­ben, inten­si­ven Tag hin­weg damit beschäf­ti­gen, Kar­tons und Kis­ten mit allem Mög­li­chen von gefro­re­nem Fisch bis zu dicken Melo­nen die Gang­way hoch- und die Trep­pe her­un­ter­zu­tra­gen. Was sich so effi­zi­ent anfühlt, wie einen Koh­le­frach­ter mit Eimer zu bela­den. Aber es hält fit! Und zu sehen, dass auf jeder Fisch­kis­te das MSC-Sie­gel prangt, das Fisch aus nach­hal­ti­ger Fische­rei garan­tie­ren soll, hält die Lau­ne oben. Ist doch was. Etwas schnel­ler wäre es noch gegan­gen, wenn der argen­ti­ni­sche Zoll nicht Stun­den gebraucht hät­te, um die Papie­re für unser Frisch­ge­mü­se zu stem­peln, der Rest ging irgend­wie schnel­ler.

Gleich­zei­tig wird Treib­stoff gebun­kert. Natür­lich herrscht dabei auf dem Schiff strik­tes Rauch­ver­bot. Es hat gewis­sen Unter­hal­tungs­wert zu sehen, wie argen­ti­ni­sche Uni­forms­trä­ger ent­spannt rau­chend an der rat­tern­den Die­sel­pum­pe leh­nen. Gut, dass der Sprit weiß, dass da qua­si der Staat mit dem Glimms­ten­gel steht.

Den sonst übli­chen, letz­ten Gang in irgend­ei­nes der vie­len Cafés in Ushua­ia spa­re ich mir, die Zeit ist schon zu weit fort­ge­schrit­ten, lie­ber noch schnell die Sie­ben­sa­chen in der Kabi­ne ver­tei­len, die ich mir mit mei­nem Kol­le­gen Dmi­tri („Dima“) tei­le, einem rus­si­schen Marin­bio­lo­gen, der in Seat­tle und Japan lebt und lehrt. Ist doch auch mal `ne Bio­gra­phie. Damit fällt man aber nicht all­zu sehr auf in die­sem Team. Auch wenn ich noch nicht alle per­sön­lich ken­ne, aber alle sind alte­be­kann­te Namen in die­ser Bran­che. Leu­te wie Don Mac­Fad­zi­en, der Chef. Er weiß sel­ber gar nicht genau, wie vie­le Rei­sen er schon ins Ross­meer gemacht hat. Oder der stets gut­ge­laun­te Jim May­er, der frü­her mal für den Bri­tish Ant­arc­tic Sur­vey gear­bei­tet hat. Er war damals damit beschäf­tigt, irgend­was in die Luft zu spren­gen, und es soll viel Spaß gemacht haben. Die übri­gen Ant­ark­tis-Jah­re hat er dann aber lie­ber mit weni­ger Knal­le­rei ver­bracht, auf Schif­fen wie unse­rer Orte­li­us.

Der Nach­mit­tag bringt die übli­che Hek­tik, 93 Pas­sa­gie­re hei­ßen wir will­kom­men, brin­gen sie unter, üben zusam­men den Not­fall mit Schwimm­wes­ten und Ret­tungs­boo­ten – auf dass er nie ein­tre­te! Ein Gläs­chen Sekt mit Kapi­tän Ernes­to Bar­ría – auch ein guter, alter Bekann­ter – und dann for­dert der lee­re Magen die ers­te Befül­lung, wäh­rend drau­ßen der Bea­gle-Kanal in leich­tem Nie­sel­re­gen vor­bei­glei­tet. Kurz fällt der Anker noch vor Puer­to Wil­liams, damit 3 chi­le­ni­sche Hub­schrau­ber an Bord flie­gen und ver­staut wer­den kön­nen. Ja, wir haben 1 mehr als vor 2 Jah­ren, aber wir sind ja auch eine grö­ße­re Grup­pe. Schön, auch unter den Hub­schrau­ber­mann­schaf­ten bekann­te Gesich­ter zu sehen, gute, sehr erfah­re­ne Leu­te.

Ushua­ia

Auch die längs­te Rei­se beginnt mit einem ein­zel­nen Schritt – so oder ähn­lich soll Lao Tse es mal gesagt haben. In die­sem Fall ist der ers­te Schritt nicht wirk­lich klein, er besteht aus einer Anzahl Flug­mei­len, über die man sich bes­ser kei­ne genau­en Gedan­ken macht. Vie­le Stun­den Sit­zen und Müdig­keit, eine kur­ze Fahrt quer durch Bue­nos Aires, fast 30 Grad am Rio de La Pla­ta, dann ein wei­te­rer, stun­den­lan­ger Flug über die end­lo­se argen­ti­ni­sche Pam­pa nach Süden, bis aus dem plat­ten Land plötz­lich Ber­ge auf­ra­gen, zwi­schen denen der Bea­gle-Kanal sich vom Pazi­fik zum Atlan­tik win­det. Dort liegt Ushua­ia, die Stadt, die für sich in Anspruch nimmt, die süd­lichs­te der Welt zu sein, und da ist auch was dran. Nicht ohne Stolz nen­nen die Leu­te dort ihre nicht mehr wirk­lich klei­ne Sied­lung El fin del mun­do, das Ende der Welt. Für uns ist das nicht das Ende der Welt. Wir fan­gen hier an.

In hohen Brei­ten – und auf der Süd­halb­ku­gel zählt alles pol­wärts von 50 Grad dazu – haben die Leu­te anschei­nend immer Angst zu erfrie­ren. Anders kann ich mir die Raum­tem­pe­ra­tu­ren nicht erklä­ren, die an eine fin­ni­sche Sau­na erin­nern. Kaum küh­ler als am Rio de La Pla­ta ist es in dem klei­nen Hotel­zim­mer­chen, und was ich ver­ge­bens suche, ist ein Reg­ler an der Hei­zung. Dafür kann man das Fens­ter auf­ma­chen, was letzt­lich auf das Glei­che hin­aus­läuft. Über­zo­ge­nen Ener­gie­ef­fi­zi­en­s­wahn kann man hier nie­man­den vor­wer­fen.

Je spä­ter es wird, des­to leb­haf­ter wird die Haupt­stra­ße San Mar­tin. Stra­ßen­mu­sik und Akro­ba­tik sor­gen für Atmo­sphä­re, wäh­rend vie­le Tou­ris­ten die stei­len Wege hin­auf­schnau­fen. Letz­te Erle­di­gun­gen in den Läden, dann für eini­ge Wochen die letz­te Nacht, in der die Matrat­ze nicht schwankt.

Ant­ark­tis-Blog recht­zei­tig start­klar

Wäh­rend Rolf gera­de auf dem Weg in die Ant­ark­tis ist und schon bald die ers­ten Berich­te von sei­ner Rei­se schi­cken wird, war der Web­mas­ter von Antarktis.net auch nicht untä­tig und hat hier gera­de die tech­ni­schen Vor­aus­set­zun­gen für den Blog geschaf­fen. Wer schon mal einen ers­ten Ein­druck davon bekom­men will, wie Rei­se­be­rich­te von Rolf aus­se­hen, fin­det hier den Rei­se­b­log vom Ark­tis-Som­mer. Wenn alles klappt gibts vor­aus­sicht­lich schon am Wochen­en­de das ers­te Pos­ting aus dem kal­ten Süden.

Wer in den nächs­ten rund 4 Wochen den Blog ver­fol­gen will, soll­te die­se URL book­mar­ken:
https://www.antarktis.net/reiseberichte-fotogalerien/antarktis-blog.html

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News-Auflistung generiert am 27. November 2022 um 02:55:12 Uhr (GMT+1)
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