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Orni­tho­lo­gi­sche Beson­der­heit aus der Ant­ark­tis

Im Nord­wes­ten der Ant­ark­ti­schen Halb­in­sel lie­gen die Süd­s­het­land-Inseln. Hier häu­fen sich For­schungs­sta­tio­nen vie­ler Län­der, weil eini­ge der Inseln leicht erreich­bar und zu gerin­gen Tei­len eis­frei sind. Auf die­sen Inseln macht sich das wär­me­re Kli­ma der letz­ten Jahr­zehn­te, was die gesam­te Ant­ark­ti­sche Halb­in­sel betrifft, beson­ders bemerk­bar. Manch einer ver­gleicht das Som­mer­wet­ter der Süd­s­het­lands schon mit dem auf den Falk­land-Inseln.

Die größ­te Insel in die­sem Archi­pel ist King Geor­ge Island, etwa 1000 km süd­lich von Kap Horn gele­gen. Nur ein Zehn­tel der Insel ist frei von Eis und bie­tet aus­rei­chend Raum für 24
For­schungs­sta­tio­nen und Schutz­hüt­ten von zwölf Natio­nen. Acht Sta­tio­nen wer­den das gan­ze Jahr lang betrie­ben. Auch deut­sche For­scher sind hier seit Jah­ren regel­mä­ßig unter­wegs. Auf King Geor­ge Island tum­meln sich vor allem vie­le Bio­lo­gen. Die kar­ge Pflan­zen­welt wird beob­ach­tet, Meer-Land-Nah­rungs­ket­ten unter­sucht, mari­ne Lebens­räu­me stu­diert, aber neben­bei zäh­len die For­scher auch flei­ßig Vögel.

Pol­ni­sche For­scher machen das schon seit fast 40 Jah­ren, seit ihre Sta­ti­on das ers­te Mal 1977 in Betrieb genom­men wur­de. 1981 wur­de auf Ard­ley Island, einer klei­nen Gezei­ten­in­sel in der Max­well Bay, zum ers­ten Mal ein Weiß­bür­zel­strand­läu­fer (Calid­ris fusci­col­lis) beob­ach­tet, was aller­dings nicht heißt, dass vor 1977 die­se Art sich nie hier­her ver­irr­te, vor­her gab es nur kein Beob­ach­tungs­pro­gramm. Seit­her tau­chen im Som­mer immer wie­der klei­ne Grup­pen oder ein­zel­ne Vögel in der Regi­on auf. Über einen Beob­ach­tungs­zeit­raum von 30 Jah­ren konn­ten die­se klei­nen Wat­vö­gel zwölf Mal nach­ge­wie­sen wer­den. In acht Fäl­len waren die Früh­som­mer wär­mer als gewöhn­lich.

Weiß­bür­zel­strand­läu­fer sind, wie die bekann­te Küs­ten­see­schwal­be, Zug­vö­gel der Super­la­ti­ve. Sie brü­ten in der ark­ti­schen Tun­dra Nord­ame­ri­kas und zie­hen inner­halb von einem Monat, fast ohne Pau­se, in gro­ßen Schwär­men, nach Süden. Bei Suri­nam bie­gen sie dann auf die Inland­rou­te ab und über­que­ren das bra­si­lia­ni­sche Ama­zo­nas­ge­biet, bevor sie im Okto­ber ihre Über­win­te­rungs­plät­ze in Argen­ti­ni­en und Chi­le errei­chen. Die Rast­lo­ses­ten unter ihnen flie­gen wei­ter und über­win­tern in Feu­er­land oder auf den Falk­land­in­seln. War­um eini­ge Indi­vi­du­en sich für Inseln in den kal­ten ant­ark­ti­schen Gewäs­sern, wie Süd­ge­or­gi­en, Südork­neys oder Süd­s­het­lands ent­schei­den ver­ste­hen die For­scher erst lang­sam.

Im Gegen­satz zu ande­ren Regio­nen des Ant­ark­ti­schen Kon­ti­nents erfährt die Ant­ark­ti­sche Halb­in­sel eine rasche, dras­ti­sche Erwär­mung. Mes­sun­gen der durch­schnitt­li­chen Som­mer­tem­pe­ra­tu­ren erga­ben eine Erhö­hung um zwei Grad, die Durch­schnitts­tem­pe­ra­tu­ren­für den Win­ter lie­gen sogar 5-6 Grad höher als vor 50Jahren. Gerin­ge­re Win­ter­tem­pe­ra­tu­ren und das exis­tie­ren­de Ozon­loch sind dafür ver­ant­wort­lich, dass die regel­mä­ßig wie­der­keh­ren­den West­wind-Zyklo­ne zwar weni­ger häu­fig, dafür aber um so stär­ker auf­tre­ten. Sie brin­gen war­me, feuch­te Mee­res­luft und ab und an eben auch gefie­der­te Irr­gäs­te an die Küs­ten. Zusätz­lich hat sich in den letz­ten vier Jahr­zehn­ten die Sai­son mit Meer­eis­be­de­ckung um etwa 90 Tage ver­kürzt. An der Ant­ark­ti­schen Halb­in­sel bil­det sich das Meer­eis spä­ter und ver­schwin­det zei­ti­ger.

All das sind Vorraus­set­zun­gen für einen Fau­nen- und Flo­ren­wan­del über die kom­men­den Jahr­zehn­te, spe­zi­ell für die am nörd­lichs­ten gele­ge­nen Aus­läu­fer der Ant­ark­tis: die Süd­s­het­land-Inseln. Und so ist es kein Wun­der, dass auch in die­sem Janu­ar, auf­merk­sa­me Gui­des und Tou­ris­ten auf King Geor­ge Island eine klei­ne Grup­pe­Weiß­bür­zel­strand­läu­fer gesich­tet hat. Eini­ge wur­den ruhig fres­send im Schlamm eines klei­nen Schmelz­was­ser­tüm­pels beob­ach­tet. Ande­re pfleg­ten ihr Gefie­der und schie­nen kei­ne Anzei­chen von Nah­rungs­man­gel auf­zu­wei­sen. (Ste­phen F. Bai­ley auf M/V Aka­de­mik Ser­gey Vavi­l­ov, in: IAA­TO-News­let­ter)

Weiß­bür­zel­strand­läu­fer (Calid­ris fusci­col­lis). Foto © Wiki­me­dia Com­mons.

Weißbürzelstrandläufer

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Letzte Änderung: 09. April 2017 · Copyright: Rolf Stange
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