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Jahres-Archiv: 2017 − Reiseblog


Ant­ark­ti­sche Halb­in­sel bis zum Süd­po­lar­kreis – 21.-25 März 2017

Ein wun­der­bar run­der Abschluss die­ser Ant­ark­tis-Sai­son mit einer sehr akti­ven Fahrt bis zum Süd­po­lar­kreis. Wir hat­ten Grup­pen dabei, die sich auf Tau­chen und Kajak­fah­ren spe­zia­li­siert hat­ten, bei­de haben von ihren Unter­neh­mun­gen äußerst beein­dru­cken­de Fotos mit­ge­bracht. Ja, tau­chen müss­te man hier auch mal 🙂

Wet­ter­mä­ßig hat­ten wir meh­re­re wirk­lich schö­ne Ant­ark­tis-Spät­som­mer­ta­ge dabei, und kei­ne extrem schlech­ten Wet­ter­la­gen. Ges­tern gab es sogar einen fast kom­plett wind­stil­len, son­ni­gen Tage in der Dra­ke-Pas­sa­ge! Gut, in Decep­ti­on Island hat der Wind uns recht schnell wie­der an Bord zurück­ge­pus­tet, und auf Detail­le Island konn­ten wir nicht lan­den, die Kom­bi­na­ti­on aus schlech­ter Sicht, Eis direkt vor allen denk­ba­ren Lan­de­stel­len und kräf­ti­gem Wind war ein­fach zuviel, aber die Zodiac­fahrt rund um die Insel, süd­lich des ant­ark­ti­schen Polar­krei­ses, war auch nicht von schlech­ten Eltern! Buckel­wa­le noch und nöcher, so wie man sich das hier in der spä­ten Sai­son vor­stellt, und natür­lich nicht mehr so vie­le Pin­gui­ne an Land wie etwa im Janu­ar, aber immer noch mehr als reich­lich für Herz und See­le, Auge und Kame­ra.

Ant­ark­ti­sche Halb­in­sel bis zum Süd­po­lar­kreis – 21.-25 März 2017

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Die Bil­der erzäh­len den Rest. Es war schön in der Ant­ark­tis – nächs­tes Jahr mehr, und zwar unter Segeln! 🙂

Süd­s­het­land Inseln – 20. März 2017

Nach einer erstaun­lich ruhi­gen Dra­ke-Pas­sa­ge waren die Süd­s­het­land Inseln unser Ein­stieg in das Aben­teu­er Ant­ark­tis und zudem die ein­zi­ge Gele­gen­heit, Kehl­streif­pin­gui­ne zu sehen.

Sowie eine gute Gele­gen­heit, die Wet­ter­wech­sel der Ant­ark­tis zu erle­ben. Von null auf über 40 Kno­ten in weni­ger als einer hal­ben Stun­de, das muss man erst mal hin­krie­gen! Aus der Nach­mit­tags­lan­dung in Decep­ti­on Island wur­de somit sehr schnell eine klei­ne Kreuz­fahrt mit dem Schiff.

Gale­rie – Süd­s­het­land Inseln – 20. März 2017

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Süd­s­het­land Inseln bis Ushua­ia – 15. März 2017

Selbst 32 Tage Ant­ark­tis gehen ein­mal zu Ende. Der Abste­cher zu den Süd­s­het­land Inseln ist der letz­te Stop für uns, bevor es dann wie­der in Rich­tung Zivi­li­sa­ti­on geht. Viel Zeit bleibt nicht mehr, aber es reicht noch für einen früh­mor­gend­li­chen Land­gang. Das Wet­ter spielt mit, Glück gehabt, sonst hat man bei so einem klei­nen Insel­chen am Ran­de der Dra­ke-Pas­sa­ge auch eher schlech­te Kar­ten.

Im Ver­gleich zu den letz­ten Tagen und Wochen kommt die­se klei­ne Insel in den Süd­s­het­land Inseln uns vor wie ein tro­pi­scher Regen­wald. Nun, bei­na­he. Immer­hin hat sie grü­ne Flä­chen, und das ist etwas, was wir lan­ge nicht mehr gese­hen haben. Mit den Kehl­streif­pin­gui­nen kön­nen wir auch noch eine wei­te­re Pin­guin­art zu unse­rer ziem­lich lan­gen Arten­lis­te hin­zu­fü­gen. Ein fei­ner Abschied von der Ant­ark­tis.

Noch ein­mal heißt es nun Geduld haben, gut zwei Tage auf See, bis Süd­ame­ri­ka erreicht ist. Das Kap Hoorn las­sen wir in grö­ße­rer Ent­fer­nung und Dun­kel­heit links lie­gen, und dann lau­fen wir, von Del­fi­nen beglei­tet, in den Bea­gle-Kanal ein. Hier heißt es, sich von der Hub­schrau­ber­mann­schaft, jeweils drei Pilo­ten und Mecha­ni­ker, zu ver­ab­schie­den, die nach­ein­an­dern in ihre Vögel stei­gen und für die­ses Mal end­gül­tig in der Fer­ne ver­schwin­den, nicht ohne die Orte­li­us aus der Luft noch ein­mal zu grü­ßen.

Gale­rie – Süd­s­het­land Inseln bis Ushua­ia – 15. März 2017

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Mit dem Abschied­neh­men geht es am nächs­ten Mor­gen dann in gro­ßem Stil wei­ter. Der letz­te Tag einer Rei­se ist nie ein Höhe­punkt, Häfen brin­gen immer viel Hek­tik. Aber ande­rer­seits … wenn es schon fast schwer­fällt, sich von einer Fahrt und ihren Men­schen zu ver­ab­schie­den, dann war es doch gut! 🙂

Ein paar viel zu kur­ze Stun­den spä­ter sind wir schon wie­der unter­wegs. Has­ta la vis­ta, Ant­ark­tis!

Erre­ra Chan­nel – 13. März 2017

Es tut gut, ein­mal kei­ne lan­ge Stre­cke zurück­le­gen zu müs­sen von einem Tag auf den nächs­ten. Ein­mal unge­fähr dort auf­zu­wa­chen, wo man ein­ge­schla­fen ist. Das bringt ein wenig geo­gra­phi­sche Ruhe in die­se Tage.

Und so wachen wir im Erre­ra Chan­nel auf, in unmit­tel­ba­rer Nach­bar­schaft von Andvord Bay. Und ste­hen kur­ze Zeit dar­auf in einem klei­nen Pin­guin­pa­ra­dies. Esel­spin­gui­ne, Esel­spin­gui­ne, Esel­spin­gui­ne. Nicht mehr zu tau­sen­den wie im ant­ark­ti­schen Hoch­som­mer, aber doch zu hun­der­ten ste­hen sie auf Schnee und auf Stei­nen, ärgern sich wahr­schein­lich über das krat­zi­ge Gefie­der, das der­zeit von alt auf neu wech­selt, teil­wei­se sehen sie jeden­falls etwas, nun ja, gerupft aus. Eini­ge sind aber sehr neu­gie­rig und schau­en mal vor­bei, um sich die bun­ten Besu­cher ein­mal aus der Nähe anzu­se­hen.

Gale­rie – Erre­ra Chan­nel – 13. März 2017

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Auch die Buckel­wa­le, die im Erre­ra Chan­nel und den benach­bar­ten Gewäs­sern unter­wegs sind, sind auf ant­ark­ti­schen Spät­som­mer pro­gram­miert. Wochen- und mona­te­lang haben sie sich in den nähr­stoff­rei­chen Gewäs­sern voll­ge­fut­tert. Jetzt düm­peln sie faul an der Ober­flä­che her­um und kön­nen kaum noch papp sagen. Auch für sie geht es bald wie­der in wär­me­re Gewäs­ser.

Andvord Bay – 12. März 2017

Die Ant­ark­tis von oben zu sehen ist ein Traum, den wir uns heu­te noch ein­mal erfül­len woll­ten. Was oft leich­ter gesagt als getan ist. Den ers­ten Ver­such am frü­hen Mor­gen muss­ten wir ziem­lich schnell abbre­chen und haben dann einen guten Teil des Tages ver­bracht, eine Bucht zu fin­den, wo der Wind nicht mit 30-40 Kno­ten pfeift. Gar nicht so ein­fach.

Gale­rie – Andvord Bay – 12. März 2017

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Trotz­dem hat es dann hin­ge­hau­en. Bei idea­len Ver­hält­nis­sen konn­ten alle noch ein­mal in die Hub­schrau­ber stei­gen und sich Tei­le von Andvord Bay und Para­di­se Har­bour von oben anse­hen. Die Bil­der (nach der Fahrt gibt es mehr und bes­ser auf­ge­lös­te Fotos) spre­chen sicher für sich!

Argen­ti­ne Islands – 11. März 2017

Die Ant­ark­ti­sche Halb­in­sel! Am 11. März hat­ten wir sie dann end­lich erreicht, und ich glau­be, ich spre­che für das gan­ze Schiff, wenn ich sage, dass wir uns dar­auf gefreut haben, wie­der Land zu sehen und zu betre­ten.

Die Argen­ti­ne Islands lie­gen für uns per­fekt als ers­te Anlauf­stel­le auf dem Weg, das Schiff schön geschützt, ruhi­ge See, wenig Wind – kei­ne Zeit zu ver­lie­ren, sobald wir vor Ort waren, ging es direkt los. Über­all drif­ten Eis­ber­ge, zwi­schen den Insel­chen und in unzäh­li­gen Men­gen im offe­nen Was­ser drum­her­um. Ein paar Schrit­te hoch auf ein klei­nes Schnee­feld reicht für einen wirk­lich gran­dio­sen Aus­blick, und eine Zodiac­fahrt durch die klei­nen Was­ser­stra­ßen bringt ver­schie­dens­te land­schaft­lich-eisi­ge Details.

Nach Wahl gab es dazu die Mög­lich­keit, ent­we­der die ukrai­ni­sche Ver­nadsky-Sta­ti­on zu besu­chen, wo man ein paar der längs­ten Mess­rei­hen der Ant­ark­tis wei­ter­führt (Meteo­ro­lo­gie, Ozon etc.) oder das Wor­die House, die alte bri­ti­sche Base F, die von 1947 bis 1954 in Betrieb war und seit­dem unter Denk­mal­schutz steht.

Gale­rie – Peno­la Strait – 11. März 2017

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Das Abend­licht in der Peno­la Strait, direkt süd­lich des Lemai­re Kanals, war ein wei­te­rer Höhe­punkt. Der land­schaft­li­che Hin­ter­grund unschlag­bar, die Eis­ber­ge zahl­los, das Licht warm und gol­den. Nur die Leu­te in der Küche fan­den es sicher nicht so gut, denn natür­lich war es genau zur Essens­zeit 😉

Peter I Insel – 7. März 2017

Mit Span­nung war die­ser Tag erwar­tet wor­den, an dem die­se berühm­te, weil sehr abge­le­ge­ne, Insel über den Hori­zont stei­gen wür­de. Wobei erst mal die wei­ßen Nebel über den grü­nen Wie­sen, äh, Wel­len wall­ten. Zuge­ge­ben, die Hoff­nung, mit den Hub­schrau­bern oder even­tu­ell auch per Zodiac auf die­sem wil­den Eiland anlan­den zu kön­nen, war ange­sichts des win­dig-grau­en Wet­ters eher gemä­ßigt. Aber mal sehen!

Und wir sahen dann auch, es hat etwas gedau­ert, aber dann sahen wir sie, die Insel, durch Löcher in den Wol­ken und Schnee­schau­ern. Der Ein­druck der schrof­fen Fels- und Eis­wän­de war schon recht bedroh­lich. In Anbe­tracht der Böen, die uns immer wie­der mit Stär­ke 8 bis 9 ent­ge­gen­weh­ten, und der spär­li­chen Sicht­ver­hält­nis­se war klar, dass eine Anlan­dung nicht in Fra­ge kom­men konn­te. Ja, so ist es wohl All­tag im wil­den Süd­li­chen Oze­an, ganz tief in den screa­ming six­ties.

Gale­rie – Peter I Insel – 7. März 2017

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Auf der wind­ab­ge­wand­ten Süd­ost­sei­te riss die ber­gi­ge Insel ein Loch in die Wol­ken, so dass immer­hin hel­les Son­nen­licht – eine lan­ge nicht mehr gehab­te Freu­de! – auf die abwei­sen­de Eis­land­schaft fiel und die­se wie einen Spie­gel erstrah­len ließ. Wir fan­den sogar eine klei­ne Flä­che, wo der Wind­schat­ten Luft und Was­ser um uns her­um zur Ruhe kom­men ließ, und schnell hin­gen die Zodiacs am Kran. Wenn die­ser Ufer­ab­schnitt auch kei­ne Anlan­dung erlau­ben wür­de, wäre doch zumin­dest eine Fahrt dich­ter an die stei­len Klip­pen her­an eine span­nen­de Sache ..? Die Fah­rer waren schon start­klar, Pas­sa­gie­re mit Gore-Tex und Schwimm­wes­te gerüs­tet an Deck, da kamen Schnee­schau­er und Wind­bö­en um die Ecke und es hieß, schleu­nigst die Sachen zu packen … heu­te nicht, das war die kla­re Bot­schaft. Und mor­gen noch weni­ger, das war die kla­re Bot­schaft der Wet­ter­vor­her­sa­ge.

Somit pack­ten wir unse­re Sachen und setz­ten Kurs auf die Ant­ark­ti­sche Halb­in­sel.

Die gro­ße Über­fahrt – 4. März 2017

Elf Tage. Das muss man sich klar­ma­chen, was das heißt. Elf Tage sind ver­gan­gen, ohne dass wir Land betre­ten haben. Und das ist völ­lig nor­mal!

Am 28. Febru­ar (I) waren wir in der McMur­do Sta­ti­on, am 11. März haben wir die Argen­ti­ne Islands vor der Ant­ark­ti­schen Halb­in­sel erreicht. Den 28.2. hat­ten wir wegen Dat­umgs­gren­ze zwei­mal, und weder am Ross Eis­schelf noch bei der Peter I Insel gelang uns ein Land­gang. Was wir ger­ne gemacht hät­ten, aber man muss bei die­sen extre­men Orten damit rech­nen, dass eine Lan­dung, per Hub­schrau­ber oder Zodiac, nur unter wirk­lich guten Wet­ter­be­din­gun­gen gelingt, und die sind dort nun ein­mal die Aus­nah­me und nicht die Regel. Von dem schö­nen Zodia­caus­flug abge­se­hen, waren wir also vol­le elf Tage auf dem Schiff. Und abge­se­hen von den bei­den genann­ten, aber eben alles ande­re als zuver­läs­si­gen Lan­dun­gen abge­se­hen, ist das völ­lig plan­mä­ßig! Das muss man sich klar­ma­chen, das ergibt sich ganz ein­fach aus der Ent­fer­nung. Steht übri­gens auch, etwas anders for­mu­liert, in den Rei­se­be­schrei­bun­gen.

War­um ich das so deut­lich schrei­be? Weil es eben schwie­rig ist, sich vor­zu­stel­len, was das heißt. Man­che füh­len sich sehr wohl damit, etli­che Tage zu ver­brin­gen, indem sie auf die Wel­len schau­en, in den Nebel und den gele­gent­li­chen Eis­ber­gen hin­ter­her, dar­auf war­tend, dass ab und ab viel­leicht kurz der Rücken eines Wals auf­taucht. Man geht zu Vor­trä­gen oder ins abend­li­che Orte­li­us-Kino, trifft sich in der Bar und unter­hält sich.

Ande­re füh­len sich weni­ger wohl damit, und denen wer­den die­se Tage sehr lang. Da flüch­tet man sich, bewusst oder unbe­wusst, in die Vor­stel­lung, die Stre­cke sei in drei bis vier Tagen zurück­ge­legt, und es wür­de unter­wegs mehr oder weni­ger täg­li­che Land­gän­ge geben. Kein Land in der Nähe? Geschenkt!

Aber so ist es. Die eisi­ge Küs­te der West­ant­ark­tis bleibt uner­reich­bar fern, ganz und gar unsicht­bar. Natür­lich wäre es span­nend, ein­mal hin­zu­fah­ren, aber dazu bräuch­te man mehr Zeit und gute See­kar­ten. Ers­te­res haben wir nicht, zwei­te­res exis­tiert nicht. Ja, und dann hat man nach drei bis vier Tagen gera­de ein­mal ein Drit­tel geschafft, und das auch nur, weil weder Eis noch Wind an der Geschwin­dig­keit knab­bern, was in die­sen Brei­ten ja auch alles ande­re als selbst­ver­ständ­lich ist.

Gale­rie: Die gro­ße Über­fahrt – 4. März 2017

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Die »ant­ark­ti­sche Odys­sey«, so den­ke ich von die­ser lan­gen Fahrt, trägt ihren Namen ein Stück weit zu recht. Sie ist auf wei­ten Stre­cken eine Hoch­see­rei­se.

Also, freu­en wir uns über den einen oder ande­ren Eis­berg, über Vic­to­ri­as span­nen­de Vor­trä­ge über die Ant­ark­tis-Ent­de­cker und was das Team sonst so zu bie­ten hat – eine gan­ze Men­ge! – und erle­ben wir das sur­rea­le Gefühl, wenn die Welt tage­lang auf eine klei­ne Bla­se zusam­men­schrumpft, die der Nebel um das Schiff her­um schafft. Zwei­tau­send Mei­len. Mit der Geschwin­dig­keit eines ziem­lich gemüt­li­chen Rad­fah­rers.

Eis – 02. März 2017

Es war übri­gens kein Tipp­feh­ler, dass der 28. Febru­ar zwei­mal im Blog auf­tauch­te. Datums­gren­ze.

Nun lie­gen der McMur­do und der Ross Eis­schelf hin­ter uns, die lan­ge Fahrt zur Peter I Insel und zur Ant­ark­ti­schen Halb­in­sel hat begon­nen. Anfang März ist ant­ark­ti­scher Spät­som­mer, die Zeit, in der das Eis sich am wei­tes­ten zurück­ge­zo­gen hat. In der Tat ein star­ker Kon­trast zu den ver­gan­ge­nen Fahr­ten in die­ser Regi­on, wobei mein Erfah­rungs­schatz natür­lich nicht unbe­grenzt ist. Ich bin mir daher nicht sicher, ob es an einem rela­tiv »güns­ti­gen« (je nach Per­spek­ti­ve) Eis­jahr liegt oder an der fort­ge­schrit­te­nen Jah­res­zeit, dass wir kaum auf Eis sto­ßen.

Aber dann haben wir doch Eis. Wun­der­schö­nes Pfann­ku­chen­eis ist es zunächst, das das Schiff in alle Rich­tun­gen umgibt. Ganz jun­ges Eis, noch mat­schig-pat­schig, zusam­men­kle­ben­de Eis­kris­tal­le aus Meer­was­ser. Fest genug, damit hier und da ein paar Pin­gui­ne dar­auf ste­hen.

Ein paar älte­re Eis­schol­len sind auch dar­un­ter. Auf einer befin­det sich ein gan­zer ant­ark­ti­scher Zoo mit nicht weni­ger als fünf Tier­ar­ten: Kai­ser­pin­gui­ne, Ade­lie­pin­gui­ne, Rie­sens­turm­vö­gel, Schnee­sturm­vö­gel und Krab­ben­fres­ser­rob­ben. Unglaub­lich! Allei­ne die­se rie­si­ge Anzahl Schnee­sturm­vö­gel habe ich noch nie zusam­men gese­hen, es sind sicher hun­dert. Wie froh ist man auf einer Fahrt zur Ant­ark­ti­schen Halb­in­sel, wenn mal ein ein­zi­ger in der Fer­ne vor­bei­fliegt, und hier sind sie stän­dig im Dut­zend unter­wegs. Nun also gleich mehr als hun­dert, zudem zusam­men mit all die­sen ande­ren Tie­ren! Hat man davon schon gehört?

Gale­rie – Eis – 02. März 2017

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Spä­ter wird das Eis wie­der offe­ner. Kei­ne Fra­ge, dass wir bei dem herr­li­chen Son­nen­schein schnell in die Zodiacs sprin­gen und dem Eis ein wenig auf die Pel­le rücken. Gran­di­os schön, von den Tie­ren, die wir fin­den, wie ver­schie­de­ne Rob­ben, Ade­lie- und Kai­ser­pin­gui­ne, ganz zu schwei­gen. Eini­ge beschrei­ben die­se Fahrt ins Eis spä­ter als Höhe­punkt die­ser Rei­se.

Cape Cro­zier, Ross Eis­schelf – 28. Febru­ar 2017

Über Nacht sind wir um Ross Island her­um­ge­fah­ren und sind früh mor­gens am Cape Cro­zier, wo Ross Island in den Ross Eis­schelf über­geht. Die hüge­li­ge Land­schaft auf den vul­ka­ni­schen Hän­gen ist genau die Ecke, wo sich die berühm­te Geschich­te aus Aps­ley Cher­ry-Gar­r­ards berühm­ten und sehr lesens­wer­ten Buch „Worst Jour­ney in the World“ abge­spielt hat, jene äußerst aben­teu­er­li­che und dra­ma­ti­sche Suche nach Eiern von Kai­ser­pin­gui­nen in der Polar­nacht. Die Eier sind danach von der Wis­sen­schaft übri­gens ein Jahr­hun­dert lang völ­lig igno­riert wor­den, sie haben ein­fach nie­man­den inter­es­siert.

Der Ross Eis Schelf beginnt an der glei­chen Stel­le direkt vor uns und ver­schwin­det dann nach Osten hin­term Hori­zont. Man könn­te in die Rich­tung fah­ren und hät­te lan­ge Zeit immer das­sel­be Bild vor sich, wie „die gro­ße Bar­rie­re“, wie der Eis­schelf frü­her genannt wur­de, sich in der End­lo­sig­keit ver­liert. Ein äußerst beein­dru­cken­des Bild! Aber schwer zu foto­gra­fie­ren.

Gale­rie – Cape Cro­zier, Ross Eis­schelf – 28. Febru­ar 2017

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Und noch schwe­rer, nahe her­an­zu­kom­men. Aus unse­ren Plä­nen, mit den Hub­schrau­bern auf dem Eis­schelf zu lan­den oder zumin­dest einen Flug über die Eis­wand zu machen, wird ange­sichts von Wind­stär­ke 8 nichts. In Kom­bi­na­ti­on mit -10°C Luft­tem­pe­ra­tur ist es wirk­lich eisig kalt!

McMur­do Sta­ti­on – 28. Febru­ar 2017

Mit Ant­ark­tis-For­schungs­sta­tio­nen ist es so eine Sache. Sie sind inter­es­sant, sie ver­sor­gen die Welt mit viel bedeu­ten­dem Wis­sen. Sie sind poli­tisch, ein Macht­fak­tor im Ant­ark­tis-Ver­trags­sys­tem, immer die Fah­ne im Wind. Sie sind span­nend, von his­to­risch-gemüt­lich bis modern-futu­ris­tisch. Wenn man in der Ant­ark­tis ist, will man so etwas auch exem­pla­risch ken­nen­ler­nen.

Dabei sind die­se Sta­tio­nen nicht gera­de ein Hort natür­li­cher Schön­heit und öko­lo­gi­scher Unbe­rührt­heit. Wenn jemand in der Ant­ark­tis lang­le­bi­ge Spu­ren hin­ter­las­sen hat, unver­gäng­li­che Spu­ren mensch­li­cher Prä­senz und Akti­vi­tät und dar­un­ter auch Spu­ren der Zer­stö­rung, dann sind es die­se Sta­tio­nen (und übri­gens nicht Tou­ris­ten). Jeden­falls gehö­ren Sta­tio­nen zu die­sen Orten, von denen vor­her vie­le sagen, das ist ganz span­nend und wich­tig, da will ich hin, das muss ich sehen, und hin­ter­her sagt man ger­ne, Natur wäre doch auch schön gewe­sen.

Die berühm­te, US-ame­ri­ka­ni­sche McMur­do Base ist in jeder Hin­sicht ein Pracht­ex­em­plar. Ein Pracht­ex­em­plar an Grö­ße, an visu­el­ler Wucht und poli­ti­scher Macht. Hier lau­fen die logis­ti­schen Strän­ge für die Amund­sen-Scott Base am Süd­pol genau­so zusam­men wie für die anspruchs­vol­len, gro­ßen For­schungs­un­ter­neh­mun­gen im »deep field«, ganz, ganz weit weg, Eis­boh­run­gen und so, wie die stän­di­gen Akti­vi­tä­ten in der ver­gleichs­wei­se nahen Umge­bung: Dry Val­leys, Ross Ice Shelf, Mount Ere­bus.

In der som­mer­li­chen Hoch­sai­son sind gut 1000 Leu­te in der McMur­do Sta­ti­on beschäf­tigt.

Man mag es Zufall nen­nen oder den Grund in der all­ge­gen­wär­ti­gen Suche nach einer mög­lichst weit süd­lich gele­ge­nen Stel­le für eine Basis sehen: Am glei­chen Ort über­win­ter­te Scott 1902 mit sei­ner ers­ten Ant­ark­tis-Expe­di­ti­on mit der Dis­co­very. Am Hut Point, ein paar Minu­ten zu Fuß von der McMur­do Sta­ti­on ent­fernt, steht noch heu­te die Dis­co­very Hüt­te (hier kli­cken für 360-Grad-Ein­drü­cke von der Dis­co­very Hut). Gewohnt wur­de aller­dings auf dem Schiff, der Dis­co­very, die direkt neben­an im Eis lag, daher wur­de die Hüt­te nicht so soli­de gebaut und wohn­lich ein­ge­rich­tet wie die Hüt­te am Cape Evans.

Und das ist für heu­te das Pro­gramm. Das Wet­ter sieht pri­ma aus und soll auch zunächst so blei­ben, eine Wet­te­rän­de­rung ist erst für den Abend ange­sagt, und die Ame­ri­ka­ner haben ihr Sta­ti­ons­wet­ter ganz gut im Griff, wie man hört. Dar­auf kom­me ich nach­her noch ein­mal rand­lich zurück. Jeden­falls stand dem Hub­schrau­ber­flug von der Fest­eis­kan­te zur McMur­do Sta­ti­on nichts im Wege. Im Gegen­teil, die Son­ne strahl­te vom blau­en Him­mel. Herr­lich!

Beim Besuch vor vier Jah­ren waren die Ame­ri­ka­ner allen ungu­ten Kli­schees kon­se­quent gerecht gewor­den: Es gab nicht mehr als den Hin­weis, man soll­te mög­lichst schnell und berüh­rungs­frei die Wege ent­lang schwe­ben und nicht nach links und rechts schau­en, zur Dis­co­very-Hüt­te am Hut Point pil­gern und bei Bedarf auch auf den Obser­va­ti­on Hill auf der ande­ren Sei­te. Fra­gen nach Bli­cken nach links und rechts wur­den ein­deu­tig beant­wor­tet: »that is not aut­ho­ri­zed, and I am not aut­ho­ri­zed to aut­ho­ri­ze this.«

Kla­re Wor­te. Ganz anders heu­te: Sehr gast­freund­lich und zuvor­kom­mend wer­den wir emp­fan­gen, man hat eine gan­ze Grup­pe von »locals« orga­ni­siert, die uns in klei­nen Grup­pen durch eini­ge der wich­ti­gen Ein­rich­tun­gen füh­ren. Das rie­si­ge Labor mit dem klei­nen Muse­um, die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­zen­tra­le, die Kapel­le (ja, so etwas gibt es), das Kaf­fee­haus (wo wir ent­ge­gen sons­ti­ger Ant­ark­tis-Gewohn­heit an Land Mit­tag essen, es gibt mit­ge­brach­te Stul­le), ach ja, einen Sou­ve­nir­shop gibt es natür­lich auch.

Gale­rie – McMur­do Sta­ti­on – 28. Febru­ar 2017

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Am Hut Point konn­te man viel Zeit ver­brin­gen mit dem Blick über die Sta­ti­on, das nahe Fest­eis, und natür­lich mit dem Besuch der Hüt­te selbst. Ein wei­te­rer hei­li­ger Gral der Ant­ark­tis-Geschich­te, nach der Ter­ra Nova Hüt­te am Cape Evans ges­tern.

Dann steht am ande­ren Ende der Sta­ti­on der Obser­va­ti­on Hill. Ein stei­ler Hügel aus Vul­kan­ge­stein, wie alles hier, mit einem Pfad, der bis auf den klei­nen Gip­fel in etwa 230 Metern Höhe führt. Eine präch­ti­ge Aus­sicht hat man vom Kreuz, das an das Schick­sal von Scott und Beglei­tern erin­nert, die Anfang 1912 auf dem Rück­weg vom Süd­pol ums Leben kamen. Bei­na­he kann man in der Fer­ne die Stel­le sehen, wo sie ihr letz­tes Lager hat­ten. Die Toten und ihr Zelt wur­den nie gebor­gen, sie ste­cken nun irgend­wo in der Tie­fe im Eis des Ross Eis­schelf.

Unse­re Ber­gung steht kurz bevor, die Hub­schrau­ber krei­sen schon wie­der, dann wird es noch ein­mal span­nen­der als nötig. Der für heu­te Abend ange­sag­te Wet­ter­wech­sel hat sich ein paar Stun­den frü­her als vor­her­ge­sagt ein­ge­stellt, Wol­ken­schlei­er zie­hen auf, es wird win­dig. Die vor­her so ange­neh­me Wär­me der Son­nen­strah­len wird schlag­ar­tig abge­schnit­ten, die eisi­ge Luft ent­fal­tet ihre Wir­kung mit kal­ter Wucht. Nun müs­sen wir nicht im Frei­en war­ten, hier wird nie­mand erfrie­ren oder ver­hun­gern, aber die Sicht, auf die unse­re Pilo­ten ange­wie­sen sind, wird beein­dru­ckend schnell schlech­ter. Hub­schrau­ber um Hub­schrau­ber ver­rin­gert sich die Anzahl der War­ten­den um jeweils vier oder fünf Leu­te. Schließ­lich sind alle Pas­sa­gie­re an Bord, nur noch zwei Hub­schrau­ber für uns Gui­des, aber ich zwei­fe­le bei­na­he, dass es noch reicht … der nächs­te Hub­schrau­ber hebt ab, mit zwei Kol­le­gen ste­he ich am Lan­de­platz und wir war­ten gespannt, ob wir das lau­te Brum­men der Moto­ren bald wie­der hören kön­nen.

Der Obser­va­ti­on Hill ist schon nur noch eine Sil­hou­et­te in noch dün­nen Nebel, aber ob das reicht? Wenn nicht, dann wer­den wir die ame­ri­ka­ni­sche Gast­freund­schaft wohl unfrei­wil­lig für ein paar Tage genie­ßen kön­nen. Über den dar­aus ent­ste­hen­den Ärger mache ich mir lie­ber kei­ne Gedan­ken. Muss ich auch nicht, bald ertönt das beru­hi­gen­de Knat­tern, und Augen­bli­cke spä­ter setzt Julio, der Ältes­te der drei Pilo­ten, sei­nen Hub­schrau­ber ziel­ge­nau auf den Boden. Dass er es eilig hat, sieht man auf dem Rück­flug. Gott­sei­dank hängt der Nebel nur um die Sta­ti­on her­um, nach weni­gen Augen­bli­cken ist es so klar, als könn­te hier nie ein Wölk­chen den Him­mel trü­ben, und kurz dar­auf sind wir alle wie­der an Bord. Hal­le­lu­ja!

Cape Evans – 27. Febru­ar 2017

Ein­mal quer über den McMur­do Sound liegt Ross Island. Und dort, am Fuß des berühm­ten Vul­kans, Mount Ere­bus, liegt Cape Evans, wo Scott wäh­rend sei­ner berühm­ten letz­ten Expe­di­ti­on mit der Ter­ra Nova sei­ne schö­ne Hüt­te bau­en ließ.

Vom Mount Ere­bus ist nicht viel zu sehen, des­sen mäch­ti­ge Gestalt bleibt heu­te ein Rät­sel der Wol­ken. Die kräf­ti­ge Bri­se aus Süd stimmt uns etwas ver­hal­ten, aber immer­hin liegt die Lan­de­stel­le auf der Nord­sei­te von Cape Evans. Ablan­din­ger Wind ist immer gut, oder anders gesagt, weni­ger schlecht als auf­lan­di­ger Wind.

Es war auch eine anstren­gen­de Akti­on, die Zodiacs start­klar zu bekom­men. Etwas skep­tisch gestimmt, stie­gen wir mit dem Gui­de-team ins ers­te Boot, um das Ufer aus der Nähe in Augen­schein zu neh­men. Wobei das Ufer bei dem ablan­di­gen Wind gar nicht das Pro­blem war. Auch den mei­len­lan­gen Zodiacritt mit viel eisi­gem Spritz­was­ser und Temp­ra­tu­ren von gefühlt -300°C scheu­en wir sicher nicht. Span­nen­der war da schon der Über­gang von der Gang­way ins Zodiac. Nach einer Wei­le der Beob­ach­tung vor Ort und der Zusi­che­rung des Kapi­täns, das Schiff so zu dre­hen, dass es uns an der Gang­way Schutz vor Wind und Wel­len geben wür­de, war für mich der Fall klar: Los geht’s – immer ein gutes Auge auf die Ent­wick­lung von Wind und Wet­ter hal­ten, die Gang­way stän­dig beob­ach­ten, bei Bedarf jeder­zeit abbre­chen, nicht zu vie­le Men­schen gleich­zei­tig an Land mit dem Gedan­ken an eine schnel­le Eva­ku­ie­rung im Fall, dass der Wind noch zuneh­men wür­de. All die­se Gedan­ken und noch so eini­ge mehr gehen einem als Fahrt­lei­ter in sol­chen Momen­ten durch den Kopf.

Bald ste­hen ganz ande­re Din­ge an. Der magi­sche Moment, die Tür zu Scotts Hüt­te zu öff­nen und in die hei­li­gen Hal­len ein­zu­tre­ten, wo jedes Brett in den Wän­den, jeder Becher im Regal und jedes Glas auf dem Labor­tisch noch den Geist von 1911 atmet.

Nach und nach stei­gen eis­über­krus­te­te Gestal­ten aus den Zodiacs. Am Ein­gang wer­den Stie­fel von Sand und Stein­chen und Jacken von Eis und Schnee befreit, klei­ne Grüpp­chen betre­ten nach und nach die Hüt­te, wäh­rend ande­re zum Kreuz zie­hen, das zur Erin­ne­rung an die Ver­schol­le­nen von Shack­le­tons Ross­meer-Grup­pe (1914-17) auf dem Wind Vane Hill steht. Schließ­lich zir­ku­lie­ren wie­der Zodiacs, brin­gen Leu­te zurück zum Schiff, die sich teil­wei­se bereits in einem Sta­di­um hin­rei­chen­der Abküh­lung befin­den, und holen neue, mit fri­scher Neu­gier auf den berühm­ten Ort.

Unter­des­sen befin­det das Schiff sich in einer erfreu­lich nahen Posi­ti­on zum Ufer, so dass die win­dig-sprit­zi­ge Zodiac­fahrt mitt­ler­wei­le deut­lich über­schau­ba­rer gewor­den ist. Und der Wind lässt auch lang­sam nach. Die Span­nung fällt ab, es läuft gut. Schließ­lich kön­nen wir die Hüt­te in aller Ruhe abschlie­ßen und zurück­keh­ren. Nach Tay­lor Val­ley ges­tern waren wir nun mit Cape Evans bei einem wei­te­ren der ganz gro­ßen Orte im Ross­meer erfolg­reich. (Hier geht es zu einem vir­tu­el­len Besuch der Ter­ra Nova Hüt­te am Cape Evans).

Gale­rie – Cape Evans – 27. Febru­ar 2017

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Nicht weit ent­fernt vom Cape Evans liegt Cape Royds, es sind nur ein paar Mei­len nach Nor­den. Auf der Fahrt dort­hin habe ich aber schon gemisch­te Gefüh­le. Das Ufer dort ist nach Süden expo­niert und wird voll im Wind ste­hen. Zudem ist die Bucht, wie sich bald zeigt, voll mit Eis. Kei­ne Chan­ce, an Land zu kom­men, und die tie­fen Wol­ken las­sen jeden Gedan­ken an einen Ein­satz der Hub­schrau­ber im Keim ersti­cken. Für Cape Royds ist heu­te nicht der Tag, wir müs­sen uns mit einem Blick auf Shack­le­tons Hüt­te von der Nim­rod-Expe­di­ti­on aus der Fer­ne begnü­gen. (Hier kann man Shack­le­tons Hüt­te am Cape Royds im 360-Grad-Rund­um­blick besu­chen).

Aber das rela­tiv früh­zei­ti­ge Abzie­hen vom Cape Royds soll­te uns einen der schöns­ten Aben­de der Fahrt brin­gen. Nach ein paar Stun­den haben wir die Eis­kan­te im inne­ren McMur­do Sund erreicht. Die Luft ist eisig kalt, aber hier ist es still und klar, der Abend bringt war­me Far­ben in die kal­te Atmo­sphä­re. Neben dem Schiff zie­hen sich die Eis­kan­te und dahin­ter das mas­si­ve Fest­eis vie­le Mei­len weit in den Hori­zont, dahin­ter erhe­ben sich der Vul­kan­ke­gel des Mount Dis­co­very und wei­ter rechts das Tran­s­ant­ark­ti­sche Gebir­ge. Und im Was­ser: Orkas, Orkas, Orkas. Oder, je nach Geschmack, Schwert­wa­le, Schwert­wa­le, Schwert­wa­le. Über­all stei­gen Blas­fon­tä­nen in die Luft, stän­dig zie­hen die­se Unter­was­ser­wöl­fe an uns vor­bei. Auf der Eis­kan­te ste­hen Ade­lie- und Kai­ser­pin­gui­ne. Mit­ten­drin: wir. Der Abend bleibt als ein Höhe­punkt in Erin­ne­rung, wie über­haupt der gan­ze Tag.

The Dry Val­leys – 26. Febru­ar 2017

Heu­te ist der gro­ße Tag, an dem wir den McMur­do Sound errei­chen, des Pudels Kern, das, was die meis­ten sich wohl unter dem eigent­lich viel grö­ße­ren Ross­meer vor­stel­len. Und gleich für den Anfang hat­ten wir uns einen Ort vor­ge­nom­men, der sicher bei vie­len hier an Bord ganz, ganz oben auf der Wunsch­lis­te steht: das Tay­lor Val­ley, eines jener berühm­ten McMur­do Dry Val­leys. Die­se mond­land­schafts­ar­ti­ge, super­tro­cke­ne Gebirgs­re­gi­on im Tran­s­ant­ark­ti­schen Gebir­ge, wo es seit Jahr­mil­lio­nen selbst den Glet­schern zu was­ser- bezie­hungs­wei­se schnee­arm ist. Die Ber­ge hal­ten das Inland­eis fern, nur ein paar klei­ne­re Glet­scher flie­ßen zum Tal­bo­den hin­ab. Die größ­te nicht-ver­glet­scher­te Land­flä­che der Ant­ark­tis. Wahr­lich ein fas­zi­nie­ren­des Stück­chen Erde! Hier gehts zu Pan­ora­men des Dry Vai­leys.

Aber hin­kom­men muss man erst mal. Der ers­te Blick, früh­mor­gend­li­che aus dem Fens­ter: grau, grau, grau. Eis­schol­len und Schnee­trei­ben. Nicht sehr viel­ver­spre­chend, denn unse­re Vögel flie­gen nur, wenn sie auch was sehen kön­nen.

Also heißt es, sich in Geduld zu üben. Regel­mä­ßig bespre­che ich den gan­zen Vor­mit­tag über mit Kapi­tän und den Pilo­ten die Lage, lang­sam bes­sert sich die Sicht, wir haben das Tran­s­ant­ark­ti­sche Gebir­ge ein paar Mei­len vor dem Bug, aber immer noch hän­gen die Wol­ken tief.

Schließ­lich gibt Chef­pi­lot Feli­pe sein ok für einen Erkun­dungs­flug, wir schau­en uns die Lage vor Ort aus der Luft an. Feli­pe dreht eini­ge Run­den über dem Cana­da-Gla­cier, schwebt ein paar Meter über der Lan­de­stel­le, begut­ach­tet die Wol­ken oben und die Tur­bu­len­zen, bis er den Dau­men hebt. Zurück an Bord, steigt die Stim­mung nach mei­ner Durch­sa­ge deut­lich, die Span­nung weicht der Freu­de. Schnell die letz­ten Vor­be­rei­tun­gen, als Mit­tag­essen für uns im ers­ten Team muss Erkun­dungs- und dem ers­ten Team­flug eine Bana­ne her­hal­ten, wir haben kei­ne Zeit zu ver­lie­ren. Wer weiß, wie lan­ge das Wet­ter hält!

Gale­rie – The Dry Val­leys – 26. Febru­ar 2017

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Neun­zehn Mei­len Flug sind es, erst über zer­bro­che­nes Meer­eis, dann über eis­keil­durch­zo­ge­nes Land, vor­bei am Com­mon­wealth Gla­cier, über den Fry­xell Lake hin­weg, bis kurz vor dem Cana­da Gla­cier gelan­det wird. Schnell die obli­ga­to­ri­sche Not­aus­rüs­tung für alle Fäl­le aus­la­den, und wir sind vor­be­rei­tet. Unter­des­sen wer­den an Bord die Hub­schrau­ber Num­mer zwei und drei in die Luft gebracht, und bald rollt die Maschi­ne­rie. Hub­schrau­ber für Hub­schrau­ber kom­men alle in klei­nen Grup­pen ange­flo­gen, lan­den, stau­nen. Aus Sicher­heits­grün­den hal­ten wir die Zeit rela­tiv knapp, kein Mensch weiß, wie lan­ge das Wet­ter hält, und wir wol­len nicht zuvie­le gleich­zei­tig am Boden haben, für den Fall, dass wir schlag­ar­tig das Wei­te suchen müs­sen. Aber das Wet­ter bleibt uns wohl­ge­son­nen, es klart sogar noch etwas auf und der blaue Him­mel lässt sich sehen.

Schließ­lich geht ein lan­ger, fan­tas­ti­scher Nach­mit­tag zu Ende. Alle hat­ten die sel­te­ne Chan­ce, ins Tay­lor Val­ley zu flie­gen. Mit größ­ter Wahr­schein­lich­keit waren wir vor zwei Jah­ren mit der Orte­li­us auch die letz­ten Men­schen hier, sonst fährt hier kein Schiff mit Hub­schrau­bern (und vor ein paar Wochen gelang es nicht, das Schiff in die Nähe zu brin­gen, da war der gesam­te McMur­do Sound voll mit soli­dem Eis).

Fran­k­lin Island – 25. Febru­ar 2017

Süd­lich der Ter­ra Nova Bay erstreck­te sich ein brei­ter, dich­ter Treib­eis­strei­fen weit ins Ross­meer hin­ein, viel wei­ter, als auf den Satel­li­ten­bil­dern erkenn­bar. So haben wir deut­lich mehr Zeit damit zuge­bracht, das Eis zu umfah­ren, als ursprüng­lich gedacht. Natür­lich ist das letzt­lich eine gute Nach­richt: was wäre das Ross­meer ohne Eis?

Und dass wir nun etwas hin­ter unse­rem Zeit­plan her sind, macht auch nichts, nach der schnel­len Über­fahrt von Neu­see­land aus kön­nen wir uns einen Tag extra schon leis­ten.

Und der Tag bringt uns völ­lig uner­war­tet nach Fran­k­lin Island, wo wir am frü­hen Nach­mit­tag ankom­men. Die Insel liegt gänz­lich expo­niert im wei­ten Ross­meer, das sich aber heu­te fried­lich wie ein Enten­teich prä­sen­tiert, so dass wir nach etwas län­ge­rer Zodiac-Anfahrt pro­blem­los an Land gehen kön­nen. Von den über 100.000 Ade­lie­pin­gui­nen, die den fla­chen Ufer­strei­fen in der Brut­sai­son bevöl­kern, haben sich natür­lich die meis­ten schon ins Meer ver­zo­gen, aber erstaun­lich vie­le sind noch vor Ort. Irgend­wo hat sich ein Kai­ser­pin­gu­in unter sei­ne klei­ne­ren Ver­wand­ten gemo­gelt, schon dank sei­ner Grö­ße fällt er natür­lich schnell auf.

Gale­rie – Fran­k­lin Island – 25. Febru­ar 2017

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Was letzt­lich am beein­dru­ckends­ten ist, die Pin­gui­ne, die vie­len Wed­dell­rob­ben am Ufer oder die impo­san­te Ufer­land­schaft mit stei­len Klip­pen und Säu­len aus Vul­kan­ge­stein, ist schwer zu sagen. Und wir müs­sen uns ja auch nicht ent­schei­den, wir schau­en uns alles in Ruhe an 🙂

Ter­ra Nova Bay – 24. Febru­ar 2017

Auch im Ross­meer selbst sind die Ent­fer­nun­gen groß, so dass wir den Vor­mit­tag der Ent­span­nung wid­men konn­ten. Ist ja auch nicht unbe­dingt ver­kehrt. Lang­sam aber sicher stieg die Span­nung dann, als die West­küs­te des Ross­mee­res vor uns sicht­bar wur­de, das Tran­s­ant­ark­ti­sche Gebir­ge um die Ter­ra Nova Bay. Das berühm­te Kap Washing­ton kam in Sicht, ein wuch­ti­ges Vor­ge­bir­ge, wo im Win­ter auf dem Meer­eis eine Men­ge Kai­ser­pin­gui­ne brü­ten. Dahin­ter Mount Mel­bourne, ein wun­der­schö­ner, gro­ßer Vul­kan­ke­gel. Mount Ere­bus ist nicht der ein­zi­ge Feu­er­berg in die­ser Ecke der Welt, wenn sei­ne gan­zen Ver­wand­ten sich in his­to­ri­scher Zeit auch nicht zu Wort gemel­det haben.

Die Ter­ra Nova Bay ist so etwas wie die King Geor­ge Island des Ross­mee­res. Auf King Geor­ge Island in den Süd­s­het­land Inseln drän­gen sich gefühlt Dut­zen­de von Sta­tio­nen. Hier sind es immer­hin drei, die sich inner­halb von weni­gen Kilo­me­tern neben­ein­an­der nie­der­ge­las­sen haben. Deut­sche und Korea­ner kön­nen sich mit­tels eines kur­zen Spa­zier­gangs besu­chen, für ein ita­lie­ni­sches Abend­essen brau­chen Karl und Lee ein Boot. Wobei sowohl Karl als auch Lui­gi schon abge­reist sind, sie sind nur im Som­mer hier.

Nach diver­ser Kom­mu­ni­ka­ti­on mit Behör­den und Sta­ti­ons­chefs war unse­re Wahl zunächst auf die ita­lie­ni­sche Sta­ti­on Mario Zuc­chel­li gefal­len. Allein die Aus­sicht, guten, soli­den ant­ark­ti­schen Gra­nit zu betre­ten, ein­wand­freie kon­ti­nen­ta­le Krus­te, beflü­gel­te all­ge­mein die Stim­mung, nicht zu reden bei jenen Teil­neh­mern, die eine per­sön­li­che Ver­bin­dung der einen oder ande­ren Art nach Ita­li­en haben. Bei eini­gen kamen regel­rech­te Hei­mat­ge­füh­le auf!

Gale­rie – Ter­ra Nova Bay – 24. Febru­ar 2017

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Land­schaft­lich ist die Mario Zuc­chel­li Sta­ti­on nun nicht unbe­dingt der auf­re­gends­te Ort, den man sich in der Ant­ark­tis vor­stel­len kann. So ist es bei den meis­ten Sta­tio­nen, abge­se­hen von jenen älte­ren Bau­jahrs, die sich in Holz­bau­wei­se gut in die Land­schaft ein­fü­gen. Die moder­nen Con­tai­ner­samm­lun­gen, von diver­sen Anten­nen gekrönt und von schwe­ren Fahr­zeu­gen umstellt, sind weni­ger attrak­tiv. So sehen wir zu, dass wir unse­ren Besuch in der win­ter­lich ver­las­se­nen ita­lie­ni­schen Sta­ti­on nicht unnö­tig in die Län­ge zie­hen, und haben noch Zeit für einen zwei­ten, klei­nen Sta­ti­ons­be­such, nament­lich bei der deut­schen Gond­wa­na-Sta­ti­on. Auch hier­bei han­delt es sich um eine Som­mer­sta­ti­on, bei der nicht über­win­tert wird. Die Gond­wa­na-Sta­ti­on wird auch nicht jedes Jahr von Wis­sen­schaft­lern besuch, die­ses Jahr hat es hier nur War­tungs­ar­bei­ten gege­ben. Auch hier ist kei­ner mehr da. Die Sta­ti­on ist viel klei­ner und über­schau­ba­rer als die ita­lie­ni­sche Klein­stadt, die unge­hin­der­ten Aus­bli­cke auf die wei­te Umge­bung sind eben­so beein­dru­ckend wie die fel­si­ge Umge­bung, das Eis am Ufer und die Wed­dell­rob­ben, die dort in der Nähe lie­gen. Wir genie­ßen die Bli­cke in die Nähe und in die Fer­ne für eine all­zu kur­ze Wei­le, bis es Zeit wird, Kurs auf den McMur­do Sound zu set­zen.

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News-Auflistung generiert am 18. September 2021 um 07:42:57 Uhr (GMT+1)
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